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Bout gegen Griner: „Das ist kein Gefangenenaustausch. Das ist eine Kapitulation“

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Von: Daniel Dillmann

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Die US-Basketballspielerin Britney Griner ist frei. Dafür bekommt Russland den Waffenhändler Viktor Bout. Wer ist der Gewinner des Gefangenenaustauschs?

Washington DC - Es war ein großer Tag im Weißen Haus. US-Präsident Joe Biden, Vizepräsidentin Kamala Harris und Außenminister Anthony Blinken nahmen sich alle die Zeit, um gemeinsam einen Gefangenenaustausch bekannt zu geben. Russland lässt die US-Basketballspielerin Britney Griner frei, die USA entlassen den Waffenhändler Viktor Bout. Griner befand sich wegen Marihuana-Besitz seit Februar 2022 in russischer Haft. Bout wurde vor mehr als zehn Jahren in New York wegen Verschwörung zu Mord und Waffenhandel zu 25 Jahren Haft verurteilt.

In den USA dominierte die Meldung des Gefangenenaustauschs die Berichterstattung. „Dies ist ein Tag, auf den wir lange hingearbeitet haben“, sagte Joe Biden, an dessen Seite auch die Ehefrau Griners, Cherelle Griner, stand, als er die Nachricht im Weißen Haus verkündete. Man habe nie aufgehört, mit dem Kreml über Griner zu verhandeln, so Biden.

Freude über den geglückten Gefangenanaustausch im Weißen Haus: Joe Biden, Cherelle Griner, Kamala Harris und Anthony Blinken (v.l.n.r.).
Freude über den geglückten Gefangenanaustausch im Weißen Haus: Joe Biden, Cherelle Griner, Kamala Harris und Anthony Blinken (v.l.n.r.). © Adam Schultz/White House/dpa

Griner gegen Bout - Gefangenenaustausch zwischen Russland und den USA

Die Freilassung der Top-Basketballspielerin dürfte Millionen Menschen in den USA erfreuen. Griner saß seit über einem halben Jahr im russischen Gefängnis. Vorgeworfen wurde ihr der Besitz einer Kleinstmenge Marihuana. Sie kommt aber zu einem sehr hohen Preis. Für Griner entlassen die USA Viktor Bout. Der Waffenschieber mit dem Spitznamen „Händler des Todes“ kommt also frei. Bouts Leben galt als Vorlage für den Film „Lord of War“ mit Nicolas Cage in der Hauptrolle. Bout schmuggelte Waffen aus der ehemaligen Sowjetunion und verkaufte sie unter andere, an Warlords in Liberia, dem Kongo und Sierre Leone. Bezahlen ließ er sich teils mit sogenannten Blutdiamanten. Auch die Taliban, die Hisbollah und die kolumbianische FARC sollen zu seinem Kundenkreis zählen.

Mit seiner Freilassung erzielt Wladimir Putin einen Verhandlungserfolg, an dem er bereits seit mehreren Jahren arbeitet. Russlands Präsident soll bereits während der Amtszeit von Donald Trump bei der US-Regierung in der Causa vorstellig geworden sein. Damals habe der Kreml die Freilassung des nach wie vor inhaftierten US-Soldaten Paul Whelan im Tausch gegen Bout angeboten. Die Trump-Administration lehnte ab, „aus sehr guten Gründen“, wie John Bolton, ehemaliger nationaler Sicherheitsberater, gegenüber dem US-Sender CBS sagte. Die Entscheidung der Biden-Regierung könne er nicht nachvollziehen. „Das ist kein Deal, das ist kein Austausch. Das ist eine Kapitulation“, so Bolton, der unmissverständlich klarstellte: „Das ist ein großer Sieg Moskaus über Washington.“

Der Waffenhändler Viktor Bout nach seiner Festnahme in Thailand im Jahr 2008.
Der Waffenhändler Viktor Bout nach seiner Festnahme in Thailand im Jahr 2008. © SAEED KHAN/AFP

Auch auf der anderen Seite des Gefangenenaustauschs wunderte man sich über die Entscheidung der Biden-Regierung. Margarita Simonjan, Chefredakteurin vom Russia Today, spottete: „Sie wollten Bouth gegen Whelan tauschen, aber sie bekommen Griner.“ Die US-Regierung habe sich „statt für einen Helden und dekorierten Marine-Soldaten, der für den Dienst am Vaterland gelitten hat“ nun für „eine drogenabhängige schwarze Lesbe“ entschieden. Das schriebt Simonjan im Kurznachrichtendienst Telegram.

Saudi-Arabien vermittelt Gefangenenaustausch zwischen Russland und den USA

Hinzu kommen Meldungen aus Saudi-Arabien, dass vor allem das dortige Königshaus den Gefangenenaustausch überhaupt erst möglich gemacht habe. In einer gemeinsamen Erklärung brüsteten sich Saudi-Arabien und die Vereinigte Arabische Emirate mit dem „Erfolg der Vermittlung unter der Leitung von [...] Scheich Mohamed bin Zayed Al Nahyan und [...] Prinz Mohammed bin Salman [...] für die Freilassung und den Austausch von zwei Gefangenen der Vereinigten Staaten von Amerika und der Russischen Föderation.“ Ein PR-Stunt, der vor allem für bin Salman große Bedeutung hat. Dem Kronprinzen werden enge Verbindungen zu Russland und Wladimir Putin nachgesagt. Saudi-Arabien ist auch eines der Länder, die sich nicht an den Sanktionen gegen Russland im Zuge des Ukraine-Kriegs beteiligen.

Der Moment des Gefangenenaustauschs: US-Basketballspielerin Britney Griner begegnet Waffenhändler Viktor Bout auf einem Flugplatz in Abu Dhabi.
Der Moment des Gefangenenaustauschs: US-Basketballspielerin Britney Griner begegnet Waffenhändler Viktor Bout auf einem Flugplatz in Abu Dhabi. © afp

Für Joe Biden wiederum könnte die Verwicklung Saudi-Arabiens in den Gefangenenaustausch von Britney Griner und Viktor Bout noch Ärger bedeuten. Erst vor kurzem verhinderte Bidens Regierung die Strafverfolgung bin Salmans in den USA, wo der Kronprinz wegen des Mordes am Journalisten Jamal Khashoggi angeklagt war.

Russland feiert Gefangenenaustausch als Sieg über die USA

In Russland wiederum wird der Gefangenenaustausch als eindeutiger Sieg für Wladimir Putin gewertet. Der Kreml habe mit der Freilassung Viktor Bouts erreicht, was er seit Jahren versucht. Dadurch, dass der US-Soldat Whelan weiter in russischer Gefangenschaft verbleibt, hat Moskau auch immer noch Druckmittel gegen Washington in der Hand. So glücklich wie die Familie Griner über die Freilassung der Basketballspielerin sein dürfte, so klar ist auch, dass Russland den Gefangenenaustausch als Propaganda-Coup für den Kreml interpretieren wird. Das machte auch Sergei Markov, ehemaliger Berater Putins und nun TV-Kommentator in Russland, deutlich: „Sie haben irgendein normales Mädchen bekommen. Wir bekommen unseren wichtigsten Spion wieder.“ (Daniel Dillmann)

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