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Gefahr für Zivilpersonen

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Von: Peter Rutkowski

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Amnesty kritisiert das ukrainische Militär dafür, dass es unter anderem in bewohntem Gebiet operiert. Dahinter steckt die gesamte Crux dieses Krieges.

Truppen in Wohngegenden Quartier beziehen lassen und Waffensysteme in bewohntem Gebiet abfeuern: Der Vorwurf der Menschenrechtsorganisation Amnesty International vom Donnerstag muss schwer wiegen in den Korridoren des ukrainischen Präsidialamtes. Hat doch Staatschef Wolodymyr Selenskyj wiederholt vor allem die Menschen in den hauptsächlich umkämpften Dörfern und Städten des Donbass zur Flucht vor den nahenden Kampfhandlungen aufgerufen.

Aber die Heimat einfach so aufgeben? Die eigenen Wurzeln kappen? Für manche fordert das mehr Überwindung, als es noch so flehentliche Aufrufe aus dem fernen Kiew erleichtern können.

Also bleiben viele Zivilpersonen, wo sie schon immer waren. Bis der Krieg da ist, den bis dahin nicht alle real haben erleben müssen. Dann ergreift man die Flucht, weil es nur noch ums nackte Überleben geht. Aber zu dem Zeitpunkt ist man bereits „Nicht-Kombattant“ im Kampfgebiet. Das, was einst mit dem zynischen Euphemismus „Kollateralschaden“ relativiert werden sollte.

Amnesty muss auf die tödliche Vermengung von militärischen Aufstellräumen und zivilen Räumen mahnend hinweisen. Und es braucht für solche Vergehen auf ukrainischer Seite keine großen Beweise. Im Chaos des „Fog of War“, des alle verwirrenden Schlachtendunstes, machen Militärs Fehler. Auch die ukrainischen. Aber ihre Regierung kümmert das, sie kann also nicht anders als Amnesty ernstzunehmen. Auch das kann ein großer Schritt auf dem Weg nach Europa sein.

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