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Das gefährliche "Krokodil" Mnangagwa

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Von: Johannes Dieterich

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Im August zeigte sich Emmerson Mnangagwa im Parlament von Harare noch angetan von Präsident Mugabe.
Im August zeigte sich Emmerson Mnangagwa im Parlament von Harare noch angetan von Präsident Mugabe. © rtr

Simbabwes Vizepräsident ist nach seinem Coup gegen Robert Mugabe untergetaucht – was plant er als Nächstes?

Im untergetauchten Zustand sind Krokodile am gefährlichsten – wie Emmerson Mnangagwa, über dessen Verbleib seit Tagen gerätselt wird. Der 75-jährige simbabwische Politiker, seiner Verschlagenheit wegen „das Krokodil“ genannt, gilt als Drahtzieher des Putsches, mit dem Simbabwes Armee Präsident Robert Mugabe am Mittwoch entmachtet hat: Doch von wo aus er die Strippen zieht, ist genauso wenig bekannt wie seine weiteren Pläne. Mnangagwa ziehe es vor, aus dem „Radarschatten“ heraus zu operieren, sagt ein Parteifreund.

Noch bis vor wenigen Tagen galt Mnangagwa als treuester Mitstreiter Mugabes: Er hatte mit dem Befreiungsführer schon in den 70er Jahren im Busch gegen die weiße Minderheitsregierung gekämpft. Der Enkel eines traditionellen Oberhaupts und Sohn eines antikolonialistischen Aktivisten war 1961 der britischen Kolonialmacht in die Hände gefallen und wurde wegen Sabotage zum Tod verurteilt.

Mnangagwa lernte Mugabe im Gefängnis kennen

Doch weil er mit 19 Jahren damals noch minderjährig war, wurde das Urteil in eine zehnjährige Haftstrafe umgewandelt. Im Gefängnis lernte er Robert Mugabe kennen, zeitweise teilten sich die beiden eine Zelle. Nach seiner Freilassung floh der junge Rebell nach China, wo er militärisch ausgebildet wurde. Zurückgekehrt diente er Mugabe als persönlicher Assistent. Der kämpfte als Chef der „Simbabwischen Afrikanischen Nationalen Befreiungsarmee“ (Zanla) vom Nachbarland Mosambik aus gegen das Rassisten-Regime des rhodesischen Präsidenten Ian Smith.

Nach ihrem Sieg und der Unabhängigkeit Simbabwes 1980 wurde Mnangagwa von seinem Mentor zum Minister für Staatssicherheit ernannt: Gemeinsam planten sie drei Jahre später den berüchtigten Feldzug gegen die als illoyal betrachteten Anhänger der Befreiungsbewegung Zipra, der vor allem Ndebele angehörten. Während der Massaker im Matabeleland brachten Mugabes und Mnangagwas Mannen rund 20 000 Menschen, darunter unzählige Zivilisten, um: Hätte es damals schon den Internationalen Strafgerichtshof gegeben, hätten die beiden Angehörigen des Mehrheitsvolks der Shona mit Anklagen wegen Völkermords rechnen müssen.

In den folgenden Jahrzehnten blieb Mnangagwa ständiges Mitglied im Mugabe-Kabinett: Vom Verteidigungs- über das Justiz- und Finanzministerium stand der Hardliner praktisch jedem Portfolio vor. Auch als sein Mentor um die Millenniums-Wende unter den zunehmenden Druck einer wachsenden Opposition kam, hielt ihm sein Adjutant die Stange: Er inszenierte die schamlose Fälschung von Wahlergebnissen und war an der gewalttätigen Verfolgung von Oppositionsmitgliedern maßgeblich beteiligt. Auch in Sachen Korruption stand Mnangagwa seinem Mentor und anderen hochrangigen Parteigenossen in nichts nach: Er bereicherte sich vor allem an illegalen Goldgeschäften. Heute zählt der Chef der „Lacoste“-Fraktion der Regierungspartei zu den reichsten Bewohnern des Landes.

Mit dem Beginn der Diadochenkämpfe wurde der Wind rauer

Erst mit dem Beginn der Diadochenkämpfe in den vergangenen Jahren begann der Wind auch dem Krokodil ins Gesicht zu blasen. Seine erbittertste Widersacherin sollte ausgerechnet die zweite Ehefrau seines Lehrmeisters werden. In der ersten Schlacht standen Grace Mugabe und Mnangagwa allerdings noch als Verbündete zusammen.

Gemeinsam orchestrierten sie die Entmachtung der Vizepräsidentin Joice Mujuru: Sie wurde kaltblütig sowohl aus ihrem Amt wie aus der Partei geworfen. Drei Jahre später war das Krokodil dann selbst an der Reihe: Jetzt suchte sich Grace Mugabe auf dieselbe Weise ihres letzten Konkurrenten im Kampf um die Nachfolge ihres Gatten zu entledigen. „Gucci Grace“ und ihr Ehemann hatten sich diesmal allerdings verzockt. Sie unterschätzten die Bande, die Mnangagwa und seine Kameraden aus Armee und Geheimdienst noch immer verbindet.

In Harares Straßen wurde Mnangagwas Coup unterdessen willkommen geheißen. Selbst Anhänger der Regierungspartei hatten von der Etablierung einer Mugabe-Dynastie das Schlimmste erwartet.

Der Präsident, der seit Mittwoch unter Hausarrest steht, äußerte sich bislang nicht öffentlich. Aber er verhandelte am Donnerstag mit der Militärführung. Die staatliche Zeitung „The Herald“ veröffentlichte Fotos, die Mugabe im Präsidialamt im Gespräch mit Generalstabschef Constantino Chiwenga und Vermittlern zeigten, darunter die südafrikanische Verteidigungsministerin Nosiviwe Mapisa-Nqakula. Offenbar war Mugabe erlaubt worden, sein Haus für die Gespräche zu verlassen.

Die Putschisten hüllten sich in Schweigen, versuchten aber offenbar, einen gesichtswahrenden Abgang für Mugabe auszuhandeln. Die Nachrichtenagentur AFP meldete, aus Armeekreisen erfahren zu haben, dass dieser einen Rücktritt ablehne und offenbar „Zeit gewinnen“ wolle.

Der langjährige Oppositionsführer Morgan Tsvangirai forderte Mugabes Rücktritt und eine Neuwahl. Ziel müsse „eine komplette Rückkehr zur Legitimität“ sein, sagte Tsvangirai, der in einer Übergangsregierung ab 2009 zeitweise Mugabes Stellvertreter war. Am Donnerstag wollten derweil Staatschefs südafrikanischer Staaten in Botsuana über die politische Krise beraten. (mit dpa)

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