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Gefährlich wird es bei Atemnot

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Von: Pamela Dörhöfer

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Gegen Infektionen mit RS-Viren gibt es keine Therapie und nur eingeschränkt Impfschutz

Krankenhäuser am Limit und überlaufene Arztpraxen sind derzeit nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen europäischen Ländern und in den USA ein Problem. In einer gemeinsamen Erklärung haben sich kürzlich die Weltgesundheitsorganisation WHO und das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten ECDC besorgt darüber geäußert, dass sich Influenza und Infektionen mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) in Europa zunehmend ausbreiten. Aus Großbritannien wird zudem von ungewöhnlich vielen Scharlachfällen bei Kindern, teils mit schwerem Verlauf, berichtet.

Wie es das heftige Infektionsgeschehen auf der Südhalbkugel während der dortigen Wintermonate schon ahnen ließ, ist die Grippe nach zwei Jahren weitgehender „Pandemie-Pause“ nun auch in unseren Breiten wieder zurück – und das früher als gewohnt; üblicherweise beginnt die Saison erst Anfang Januar. Krankenhauseinweisungen wegen Grippe steigen europaweit bereits seit Oktober.

Influenza A-Viren zirkulieren derzeit in allen Altersgruppen, besonders stark unter Schulkindern, heißt es in dem gemeinsamen Papier der Gesundheitsorganisationen. Vor allem bei älteren Menschen und Vorerkrankten können diese Erreger schwere Verläufe auslösen. Die meisten schweren akuten Atemwegsinfektionen, die derzeit zu Klinikaufenthalten führen, gehen laut WHO und ECDC auf Influenza B-Viren zurück – wobei hier vor allem Kinder im Alter von vier Jahren und jünger am häufigsten betroffen seien.

Bereits seit Oktober grassieren zudem RS-Viren in rund 20 Ländern stärker als sonst zu dieser Jahreszeit üblich. Auch in Deutschland spricht das Robert Koch-Institut von einer ungewöhnlich starken RSV-Zirkulation seit Beginn der Saison 2021/22. Grundsätzlich ist RSV der am häufigsten nachgewiesene Erreger von Erkrankungen der unteren Atemwege in den ersten beiden Lebensjahren.

Anstecken mit RSV kann man sich zwar in jedem Alter, weil nach dem ersten Lebensjahr aber in der Regel schon eine gewisse Immunität durch frühere Kontakte mit dem Virus besteht, löst die Infektion meist nur eine Erkältung aus.

Ähnlich wie beim Coronavirus kann es gefährlich werden, wenn RSV nicht nur Nase und Rachen befällt, sondern in den unteren Atemtrakt gelangt, in Bronchien und Lungen. Dann kann die Infektion zu einer schweren Lungenentzündung mit Atemnot führen. Ein Risiko dafür besteht vor allem bei Babys unter sechs Monaten, ganz besonders bei Frühgeborenen, bei Kindern mit angeborenem Herzfehler und Lungenfehlbildungen, bei Unterernährung und wenn die Eltern rauchen, kleine Jungs sind etwas stärker gefährdet als kleine Mädchen.

Grippe und RSV sind ohne einen Erregertest quasi nicht zu unterscheiden, weil die Symptome ähnlich sind. Einige Anhaltspunkte: Die Inkubationszeit bei Influenza beträgt ein bis zwei Tage, typisch ist ein plötzlicher Krankheitsbeginn mit Fieber, Husten, ältere Kinder berichten über Halsschmerzen, Kopf- und Gliederschmerzen, oft kommt Schwäche hinzu.

Allerdings erkrankt etwa ein Drittel der Infizierten nur leicht, wie bei einer Erkältung, ein weiteres Drittel merkt gar nichts. Die Krankheitsdauer beträgt in der Regel fünf bis sieben Tage. Eine Impfung kann schützen, allerdings unterschiedlich zuverlässig – je nachdem, wie gut der Impfstoff an den aktuell kursierenden Erreger angepasst ist.

Bei einer RSV-Infektion kommt es nach einer Inkubationszeit von rund fünf Tagen häufig zu heftigen Erkältungsbeschwerden wie Schnupfen, trockenem Husten und auch zu Fieber; Vorsicht ist vor allem bei Atemnot geboten und wenn Kinder nicht genug trinken. Bisher gibt es weder eine Therapie, die ursächlich gegen die Infektion wirkt, noch eine aktive Impfung.

Allerdings existiert mit dem Antikörper Palivizumab ein Mittel zur Vorbeugung einer Infektion, das aber nur für Kinder mit erhöhtem Risiko verfügbar ist. Daten zu einer Studie mit einem RSV-Impfstoff, den Mütter bereits in der Schwangerschaft bekommen können und durch den Säuglinge in den ersten Lebensmonaten geschützt sind, wurden kürzlich vom Hersteller veröffentlicht.

Sowohl Influenza- als auch RS-Viren werden überwiegend per Tröpfcheninfektion übertragen. Aber bei beiden Erregern ist es auch möglich, sich über kontaminierte Hände und Oberflächen anzustecken.

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