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Die Unterstützerinnen-Rolle von Frauen sei inzwischen aber stärker in den Fokus gerückt.

Gefährderinnen

„Gefährder“: „Das terroristische Kerngeschäft ist Männersache“

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Unter den „Gefährdern“, die vom Bundeskriminalamt erfasst werden, machen Frauen nur einen Bruchteil aus.

Die vom Bundeskriminalamt (BKA) geführten „Gefährder“ – also jene Menschen, die für schwere Gewalttaten in Betracht kommen – sind fast durchweg männlich. Das teilte das BKA dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) mit. Dies gilt unabhängig davon, welchem politischen Spektrum die Menschen jeweils zugerechnet werden.

Laut BKA wurden mit Stichtag 15. Oktober 681 religiös – sprich islamistisch – motivierte „Gefährder“ gezählt. Der Frauenanteil bewegt sich danach „im mittleren einstelligen Prozentbereich“. Die Zahl der rechtsextremistischen „Gefährder“ wurde mit 43 angegeben und jene der linksextremistischen mit fünf. Der Frauenanteil ist dem BKA zufolge im rechts- wie im linksextremistischen Bereich „außerordentlich gering“. Prozentzahlen wurden nicht genannt.

Der Terrorismus-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Guido Steinberg, sagte: „In Deutschland dominieren seit Jahren die Islamisten und Rechtsextremisten, beides Bewegungen, die Frauen nur eine untergeordnete Rolle zubilligen. Dies führt dazu, dass Frauen – wenn überhaupt – meist nur unterstützend tätig werden. Das gewaltsame terroristische Kerngeschäft ist für beide Bewegungen Männersache. Deshalb beherrschen die Männer auch die ‚Gefährderlisten‘.“

Die Islamismus-Expertin Claudia Dantschke von der Beratungsstelle Hayat für Menschen und Angehörige von Personen, die sich salafistisch radikalisieren oder sich dem militanten Dschihadismus anschließen, sagt: „Frauen üben in der radikal-militanten Szene in den seltensten Fällen eine tragende Rolle aus. Sie sind eher im Hintergrund logistisch aktiv, über Unterstützung bei der Propaganda oder bei Kontakten.“ Deshalb sei der Fokus der Sicherheitskräfte stets auf die Männer gerichtet. Die Unterstützerinnen-Rolle von Frauen sei inzwischen aber stärker in den Fokus gerückt – ebenso wie der Umstand, dass Frauennetzwerke sehr aktiv seien und ebenfalls extrem gefährlich werden könnten, „wenn auch nicht in der Form, dass sie alleine terroristisch aktiv werden“, so Dantschke.

Fachleute sehen vor allem zwischen Islamisten und Rechtsextremisten Parallelen – obwohl sich Rechtsextremisten scharf von Islamisten abgrenzen und die Abwehr einer vermeintlichen islamischen Gefahr oft sogar ihre zentrale Legitimation ist. So herrscht in beiden Gruppen ein patriarchalisches Frauenbild vor.

Unterdessen wollen die Sicherheitsbehörden in Nordrhein-Westfalen mit Blick auf die befürchtete Rückkehr deutscher Islamisten aus Syrien und dem Irak besonders auf radikalisierte Frauen und Kinder achten. Anlass ist die Offensive der Türkei in Nordsyrien, die Kämpfern des „Islamischen Staates“ (IS) teilweise zur Flucht verhilft. Es gehe darum, „die Ausbreitung ihrer Hass-Ideologie“ zu stoppen, sagte Innenminister Herbert Reul (CDU) am Montag. Ein Netzwerk aus Verfassungsschutz, Jugendämtern und Schulen solle dabei helfen. Handlungsempfehlungen würden derzeit erarbeitet.

Von ideologisierten, weiblichen Rückkehrern gehen nach Erkenntnissen der nordrhein-westfälischen Sicherheitsbehörden langfristig genauso große Risiken aus wie von Männern. „Sie vernetzen die Szene und tragen die Dschihad-Ideologie an ihre Kinder und andere Frauen weiter“, heißt es.

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