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Wolfgang Gehrke will den russischen Präsidenten, Wladimir Putin, zum 70. Jahrestag des Kriegsendes in den deutschen Bundestag einladen.

Jahrestag

Gedenkfeier mit Putin?

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Der Linken-Politiker Wolfgang Gehrcke will den russischen Staatschef einladen. Dafür erntet er Kritik - auch aus den eigenen Reihen.

Der Vorschlag des stellvertretenden Vorsitzenden der Linksfraktion im Bundestag, Wolfgang Gehrcke, den russischen Präsidenten Wladimir Putin zum 70. Jahrestag des Kriegsendes in den Bundestag einzuladen, um dort eine Gedenkrede zu halten, ist bei allen anderen Parteien auf harsche Kritik und auch in den eigenen Reihen auf Skepsis gestoßen.

Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Franz Josef Jung, sagte der Frankfurter Rundschau: „Ich halte das für völlig undenkbar. So lange in der Ukraine mit der Unterstützung Russlands Krieg geführt wird, darf das nicht in Betracht kommen.“ SPD-Fraktionsvize Rolf Mützenich erklärte: „Der 8. Mai eignet sich nicht für parteipolitische Spielchen. Der Anlass ist zu ernst.“ Der Vorschlag sei unseriös.

Putin ist der falsche Kandidat

Der außenpolitische Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, Omid Nouripour, sagte: „Ich fände es sehr sinnvoll, wenn dort jemand sprechen würde, der darauf hinweisen kann, dass die Menschen im heutigen Russland mit die meisten Verluste hatten und wir gerade der Roten Armee viel zu verdanken haben. Aber das sollte jemand sein, der glaubhaft das Völkerrecht achtet.“

Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Arnold Vaatz, nannte den Vorschlag eine „absurde Idee“. Mit dem Weltkriegsgedenken habe der Plan offensichtlich nichts zu tun, sagte der CDU-Politiker. „Das Ziel ist, die russische Aggression in der Ukraine reinzuwaschen.“ Wegen der Ukraine-Krise ist das Verhältnis zwischen Russland und Deutschland sowie anderen westlichen Staaten seit Monaten angespannt. An den Gedenkfeiern in Frankreich zum 70. Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie hatte Putin im vergangenen Jahr teilgenommen.

Gehrcke hatte im „Tagesspiegel“ kundgetan, der Bundestag solle „mit einer vernünftigen Gedenkveranstaltung“ zum Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus einen Beitrag zur Verbesserung der Beziehungen zu Russland leisten. Er schlage deshalb vor, Putin aus diesem Anlass in den Bundestag einzuladen, damit er die Gedenkrede halten könne. Im Gegenzug könne Bundespräsident Joachim Gauck vom russischen Parlament eingeladen werden. Oder er könne an den Feierlichkeiten am 9. Mai auf dem Roten Platz in Moskau teilnehmen.

Kritik aus eigener Partei

Beim Parteivorsitzenden kam die Idee an. „Ich finde auch, dass ein solches Gedenken ohne das russische Staatsoberhaupt nicht geht“, sagte Gysi. „Es wäre mehr als angemessen, wenn Deutschland anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung die Staatsoberhäupter von Russland, den USA, Frankreich, Großbritannien, der deutschen Nachbarstaaten und weiterer europäischer Länder einladen würde“, sagte Gysi. Sie sollten gemeinsam diesem „welthistorischen Ereignis“ gedenken.

Doch so denken nicht alle. Der Obmann der Linksfraktion im Auswärtigen Ausschuss, Stefan Liebich, reagierte ungläubig. „Der Vorschlag kommt für mich etwas überraschend“, erklärte er. „Und ich würde das gern in der Fraktion diskutieren. Außerdem wurde Deutschland von den Alliierten befreit. Man müsste dann also mindestens noch Herrn Obama und Herrn Hollande einladen.“ Auch die Abgeordnete Halina Wawzyniak beklagte bei Twitter, dass Gehrcke seine Idee nicht in der Fraktion zur Diskussion gestellt habe, bevor er sie veröffentlichte. (mit afp)

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