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Knochentrocken: Philippinische Kinder suchen Futter für ihre Ziegen.

CO2-Ziele

Gebrauchsanleitung für den Klimaschutz

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Auf einer Konferenz in Bonn sollen die Kohlendioxid-Ziele für den UN-Gipfel im Herbst festgelegt werden.

In der internationalen Klimapolitik ist 2018 das wichtigste Jahr seit der Verabschiedung des Pariser-Vertrags von 2015. Denn auf dem UN-Klimagipfel im Herbst wird Bilanz gezogen, wie kräftig die Länder der Welt ihre Kohlendioxid-Ziele nachschärfen müssen, um das in Paris beschlossene Erwärmungslimit von 1,5 bis zwei Grad noch einhalten zu können.

Bei den jüngsten Treffen der europäischen regierenden Klimaschützer Emmanuel Macron und Angela Merkel mit dem US-Klimaskeptiker-Präsidenten Trump spielte das Thema aber kaum eine Rolle. Die Kanzlerin und der französische Präsident haben es offenbar aufgegeben, Trump umzustimmen, der den Klimawandel samt der daraus abgeleiteten CO2-Limits für eine Erfindung der Chinesen hält, die damit der US-Wirtschaft schaden wollten.

Macron, der anders als die frühere „Klimakanzlerin“ im eigenen Land und in der EU bei dem Thema weiter Druck macht, ließ es bei seiner Rede vor dem US-Kongress allerdings an Deutlichkeit nicht fehlen. Er beschäftigte sich darin ausführlich mit den Gefahren des Klimawandels und der Umweltschäden. Durch den Ausstoß von Treibhausgasen, die Zerstörung der Artenvielfalt und die Verschmutzung der Meere werde der Planet „getötet“, sagte er. „Aber es gibt keinen Plan B.“ Die heutigen Politiker seien verpflichtet, ihren Kindern „eine Erde zu hinterlassen, die auch in 25 Jahren noch bewohnbar ist“. Und dazu müsse „ein sanfter Übergang“ in eine CO2-freie Wirtschaft erreicht werden. 

Es gebe hier „vorübergehend Differenzen“ mit Trump, räumte Macron ein. „Doch ich bin sicher, dass die USA zum Pariser Klimaschutz-Abkommen zurückkommen werden“, sagte der Staatsgast aus Frankreich, der in Anlehnung an der Wahlslogan des US-Präsidenten „Make our planet great again“ deklamierte. Damit rief er Begeisterungsstürme hervor, die Gastgeber Trump kaum gefallen haben dürften. Hunderte US-Abgeordnete sprangen auf und quittierten die Rede mit Hochrufen. 

Weniger emotional wird es in Bonn zugehen, wo am Montag die diesjährige Runde der Klimaverhandlungen beginnt. Dort wird der Herbst-Gipfel vorbereitet, der im polnischen Katowice stattfindet. Ziel sind Fortschritte bei der Erarbeitung der „Gebrauchsanleitung“ für das Paris-Abkommen, damit diese dann bei dem Treffen im Dezember verabschiedet werden kann. 
Das höre sich „nach einer sehr technischen Übung an“, sagte der frühere-US-Klimaverhandler Todd Stern. Doch diese Regelungen hätten eben „sehr viel damit zu tun, wie stark das System wird“. Konkret geht es unter anderem um die Ausgestaltung der nationalen Klimaschutz-Pläne, die „Buchhaltung“ für die Treibhausgas-Emissionen und die Klimaschutz-Hilfsmittel für Entwicklungsländer sowie die regelmäßigen Checks, ob die Ziele des Paris-Vertrags auch erreicht werden. 

Hoffnung liegen auf dem Talanoa-Dialog

Umweltschützer setzen große Hoffnungen in den sogenannten Talanoa-Dialog, der in Bonn erstmals stattfinden wird. Dabei werden sich die Ländervertreter in gemeinsamer Runde und andere Experten über eine Nachbesserung der in Paris eingereichten Klimapläne austauschen, was gemäß diesem aus der Südsee stammenden Gesprächsformat möglichst hierarchiefrei geschehen soll. Die bislang vorgelegten CO2-Ziele reichen nämlich längst nicht aus, um das Limit von zwei Grad zu halten, von den eigentlich erhofften 1,5 Grad ganz zu schweigen. 

Gastgeber Deutschland dürfte dabei besonders im Fokus stehen. Die Kohlendioxid-Emissionen hierzulande sind zuletzt sogar wieder angestiegen, und die Merkel-Regierung lässt bisher eine klare Linie für Kohleausstieg, Verkehrswende und mehr Energieeffizienz vermissen. Die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch erinnert zudem an die Zusage der Kanzlerin, den deutschen Beitrag zur internationalen Klimafinanzierung bis 2020 zu verdoppeln. „Wir erwarten eine konkreten Plan, wie das umgesetzt werden soll.“

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