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Streitwillig: Heribert Schwan stellt sein Buch vor.

Helmut Kohl

Geballte Eitelkeit

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Heribert Schwan präsentiert sein umstrittenes Kohl-Werk. Eigentlich sollte es eine zweite Biografie von Helmut Kohl werden, aber das Tonmaterial führt zu einigen Unstimmigkeiten.

Helmut Dietl hätte es schöner nicht inszenieren können. Wer das Lebenswerk des Heribert Schwan präsentiert bekommen will, den Kohl-Schtonk gewissermaßen, steigt am Dienstagmittag die Freitreppe des pompös-spießigen Grand Hotels in der Berliner Friedrichstraße hinauf. Im Saal Unter den Linden prallt er auf eine Wand aus Fernsehkameras und Mikrofonstativen, und inmitten der auf dem Boden herumkriechenden Fotografen steht Heribert Schwan, Journalist, Buchautor und Kohl-Biograf, in der Hand sein jüngstes Werk: die Kohl-Protokolle.

„Startauflage 100 000 Exemplare“, verkündet der Verlag. Er weiß um das Potenzial seines Autors. Heribert Schwan hat schon über die Leben von Richard von Weizsäcker, Oskar Lafontaine, Roman Herzog, Johannes Rau, Wolfgang Schäuble und Erich Mielke geschrieben.

Das Buch, das er jetzt vorlegt, ist eine Auswertung des Materials, das eigentlich für eine zweite Biografie Helmut Kohls vorgesehen war. Die erste hatte Schwan 2010 zusammen mit Rolf Steininger veröffentlicht. Er ist außerdem der Autor von drei Bänden Kohl-Memoiren und einer Biografie der 2001 verstorbenen Hannelore Kohl. Nun kommen noch mehr als 600 Stunden Tonbandaufzeichnungen hinzu, Gespräche, die er mit Kohl zwischen dem 12. März 2001 und dem 27. Oktober 2002 führte. Schwan hat sich hineingeschrieben in das Leben des Helmut Kohl.

Kohl ist mein Lebensthema, sagt er. 600 Stunden im Hobbykeller des Oggersheimer Bungalows bezeugen das. Dann setzte die zweite Frau Helmut Kohls Schwan vor die Tür. Maike Kohl habe sich eingemischt, sagt Schwan nun, sie habe am Inhalt eines Begleitbuchs herumgekrittelt, das er zu einem Film verfassen wollte. Selbst die Kommasetzung beanstandete Maike Kohl.

Schwan beschwerte sich bei Kohl. Der ließ seinen Anwalt antworten. Das Oggersheimer Zwiegespräch war beendet. Die Tonbänder verblieben bei Heribert Schwan. Ein opus interruptus.

Als Schwan 2012 ankündigte, er wolle auf Grundlage der Tonbänder eine eigene Kohl-Biografie schreiben, klagten Kohls Anwälte beim Landgericht Köln auf die Herausgabe der Bänder. Der Rechtsstreit ist noch nicht endgültig entschieden, allerdings musste Schwan die Bänder im März 2014 einem Gerichtsvollzieher übergeben.

„Sie sind mir gestohlen worden“, beschwert sich Schwan. Tatsächlich habe das Gericht einzig über die Eigentumsrechte an den Tonbandaufzeichnungen entschieden, sagt der Justiziar des Heyne-Verlags. Er sitzt als Sekundant neben Co-Autor Tilman Jens auf dem Podium. Rainer Dresen ist gefragt in dieser knappen Stunde.

Das Interesse am Inhalt des Buchs konzentriert sich auf die Frage, ob er justiziabel ist. Waren die Gespräche privat, gewissermaßen unter drei, also nicht öffentlich, oder musste Kohl mit einer Veröffentlichung auch jenseits der ursprünglich vereinbarten Biografie rechnen? Handelt es sich um den Diebstahl geistigen Eigentums, will die „Bild“- Zeitung wissen. Die Stunde vergeht also durchaus amüsant, eine Selbstbespiegelung der Presse gewissermaßen.

Im Eifer des Gefechts verrät Schwan, dass er selbstverständlich Kopien der Bänder habe anfertigen lassen. Für Justiziar Dresen ist das kein Problem: Das Gericht habe den Autoren nicht die Nutzungsrechte an den Tonbandaufzeichnungen untersagt. Ausgehändigt wurden nur die während der Gespräche angefertigten Originalaufnahmen.

Vertraulichkeit war außerdem nie verabredet, beteuert Schwan jetzt. Vielmehr habe Altkanzler Helmut Kohl sich ihm anvertraut. Und Tilman Jens, ein nicht unumstrittener Journalist und Routinier der Indiskretion, hält den Disput über Kohls Persönlichkeitsrechte überhaupt für verfehlt. „Wenn einer wusste, was er von Journalisten zu erwarten hat, dann Helmut Kohl.“

Im Übrigen seien die Ausfälle Kohls gegen Angela Merkel („konnte nicht mit Messer und Gabel essen“) oder Richard von Weizsäcker („hält sich selbst für den Klügsten“) nicht überraschend, sagt Jens. „Wer Kohl kennt, weiß, dass er Richard von Weizsäcker hasst“, sagt Schwan. „Und ich sage Ihnen noch eines: Wen er einmal hasst, den hasst er für immer.“

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