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Protestierende Palästinenser an der Grenze zu Israel.

Gazastreifen

Zehntausende Palästinenser protestieren im Gazastreifen

Mindestens zwei Tote und dutzende Verletzte bei Zusammenstößen im Grenzgebiet.

Ein Jahr nach Beginn der Proteste gegen die Landnahme durch Israel haben erneut zehntausende Palästinenser an der Grenze demonstriert. Israelische Soldaten setzten Tränengas ein, um die Menschen von dem schwer gesicherten Grenzzaun zum Gazastreifen abzuhalten, wie AFP-Reporter am Samstag berichteten. Palästinenser warfen Steine auf israelische Soldaten und steckten Autoreifen in Brand. Nach palästinensischen Angaben wurden mindestens zwei Menschen getötet und dutzende weitere verletzt.

Die Menschen waren einem Aufruf der radikalislamischen Hamas zu den Protesten zum Jahrestag der massiven Protestwelle gefolgt; die Hamas regiert im Gazastreifen. Moscheen in Gaza riefen über Lautsprecher zur Teilnahme auf; Busse brachten die Menschen bei Regen an die Grenze. Die Proteste seien "eine sehr wichtige Botschaft aus Gaza an alle Parteien, insbesondere die Israelis und die internationale Gemeinschaft", sagte Hamas-Vertreter Bassem Naim.

Nach israelischen Armeeangaben versammelten sich rund 40.000 Menschen an der Grenze. Die Soldaten setzten "Maßnahmen gegen Randalierer" ein, erklärte die Armee. Zu Berichten über getötete und verletzte Demonstranten gab sie zunächst keine Stellungnahme ab.

Nach Angaben des Hamas-geführten Gesundheitsministeriums in Gaza-Stadt wurden ein 17- und ein 20-Jähriger bei den Protesten erschossen. Zudem seien mindestens 59 Demonstranten verletzt worden, 13 von ihnen durch Schüsse mit scharfer Munition. Israel hatte in den vergangenen Tagen mehrere tausend Soldaten, darunter dutzende Scharfschützen, in die Region entsandt.

Eine im Februar veröffentlichte Untersuchung im Auftrag des UN-Menschenrechtsrats war zu dem Schluss gekommen, dass israelische Scharfschützen während der Proteste im vergangenen Jahr gezielt auf Journalisten, Sanitäter, Kinder und Behinderte geschossen hätten, die "klar als solche erkennbar" gewesen seien. Israel wies die Befunde damals als "feindselig und voreingenommen" zurück.

Das Nachbarland Ägypten versuchte am Samstag weiter, zwischen Israel und der Hamas zu vermitteln. Eine ägyptische Sicherheitsdelegation besuchte einen Kundgebungsort nahe der Stadt Gaza. Ägypten will verhindern, dass die Proteste wie im vergangenen Jahr in wochenlange Gewalt mit zahlreichen Toten ausarten.

Seit dem ersten "Großen Marsch der Rückkehrer" am 30. März 2018 waren bei den wöchentlichen Protesten mindestens 258 Palästinenser und zwei israelische Soldaten getötet worden.

Kundgebungsteilnehmer zeigten sich am Samstag entschlossen in ihrem Widerstand gegen Israel. "Wir werden bis zur Grenze vorstoßen, selbst wenn wir dabei sterben", sagte der 21 Jahre alte Demonstrant Jusef Sijada. "Wir gehen nicht weg. Wir kehren heim in unser Land." Auch Hamas-Chef Ismail Hanija besuchte die Proteste östlich von Gaza-Stadt.

Erst vor wenigen Tagen war die Gewalt zwischen Palästinensern und Israelis wieder eskaliert. Bei einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen wurden nördlich von Tel Aviv sieben Israelis verletzt. Die israelische Luftwaffe flog Vergeltungsangriffe im Gazastreifen, bei denen auch Hanijas Büro getroffen wurde.

Die jüngsten Konfrontationen erfolgen kurz vor den Parlamentswahlen in Israel. Am 9. April entscheidet sich, ob der Hardliner und langjährige Ministerpräsident Benjamin Netanjahu im Amt bleibt. (AFP)

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