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Blick vom Strand auf Gaza-City nach israelischen Luftschlägen.

Gaza

Gazakonflikt: Die Spirale der Gewalt

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Gazakonflikt eskaliert mit Toten und Verletzten auf beiden Seiten - Hamas will Konzessionen.

Die jüngste, von Ägypten vermittelte Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas hielt kaum mehr als einen Monat. Am Wochenende eskalierte der Gazakonflikt in einer Weise, die an die Kriegstage im Sommer 2014 erinnerte. Fast jede Minute ertönten die Sirenen in den israelischen Städten und Gemeinden im Umland des palästinensischen Küstenstreifens. Mehr als 600 Raketenangriffe aus Gaza wurden allein bis Sonntagnachmittag gezählt. Viele der Geschosse fing das Abwehrsystem „Eisendom“ ab, aber es gab auch fatale Treffer. In der Hafenstadt Aschkelon starb ein 58-jähriger Israeli, der sich nach dem Alarm nicht schnell genug in einen Schutzraum retten konnte. Zwei israelische Männer kamen ums Leben, als Raketen in eine Fabrik und in ein Auto einschlugen. Zahlreiche Menschen im Süden Israels erlitten Splitterverletzungen oder einen Schock.

Israelische Luftwaffe wirft Bomben

In Aschdod erlag laut afp ein Mann seinen Verletzungen durch ein Schrapnell. Israels Luftwaffe konterte die Attacken mit massivem Bombardement von Stellungen der Hamas und des Islamischen Dschihad in Gaza. Von dort wurden 16 palästinensische Tote gemeldet, unter ihnen eine schwangere Frau. Ein Militärsprecher bestritt allerdings, dass der Tod dieser Frau auf das israelische Konto gehe. Nach Angaben der Armee zielten die Vergeltungsschläge vor allem auf Munitionslager, Tunnelsysteme und eine im Untergrund versteckte Raketenfabrik der Hamas, wodurch offenbar weitere Explosionen ausgelöst wurden. Gezielt wurde aber auch ein palästinensischer Verbindungsmann zum Iran getötet - eine Warnung zugleich an die Islamisten, dass Israel weitere Funktionäre ins Visier nehmen könnte.

Anders als bei den Eskalationsrunden im März und im November scheint Premier Benjamin Netanjahu diesmal voll auf eine Politik der Abschreckung zu setzen. Er befahl, die Bombenangriffe auf Gaza fortzusetzen. Über den Negev und das Küstengebiet im 40-Kilometer-Umkreis von Gaza ließ er einen Ausnahmezustand verhängen. Schulen und Kindergärten blieben geschlossen. Hunderttausende Israelis verbrachten die meiste Zeit im Bunker. Netanjahu steht unter enormen Druck seiner rechten Partner und auch eines großen Teils der Bevölkerung, den Terror in Gaza ein für allemal zu zerschlagen. Doch selbst die israelische Bodenoffensive vor fünf Jahren hat dies nicht vermocht. Netanjahu scheut die damit einhergehenden militärischen wie politischen Risiken aus gutem Grund, besonders jetzt, da die israelischen Unabhängigkeitsfeiern bevorstehen und in der nächsten Woche der Songcontest der Eurovision in Tel Aviv.

Haus in Aschkelon nach palästinensischen Raketenangriffen.

Umso mehr setzt offenbar Hamas-Chef Jehije Sinwar darauf, dass der Zeitpunkt kaum günstiger sein könnte, um den Israelis Konzessionen im Gegenzug für eine Waffenruhe abzuringen. Erleichterungen im Warenverkehr oder bei der Stromversorgung Gazas hatte Netanjahu Ende März, nach dem letzten Waffenstillstand, zwar versprochen, aber sie kamen nur schleppend in Gang. Auch die Geldkoffer aus Katar, gefüllt mit monatlich 30 Millionen US-Dollar für Gaza, trafen im April nicht ein.

Dazu beginnt gerade der Fastenmonat Ramadan, der die arge Finanzlage der zwei Millionen Palästinenser in Gaza noch prekärer macht. Ihren Unmut bekommt auch die Hamas zu spüren. Laut eigenem Bekunden will sie keinen Krieg. Aber ehe sie ihre Macht riskiert, hat sie bislang noch immer die Wut der Bevölkerung auf Israel umzupolen versucht. Allerdings mehren sich Zweifel, wie weit sie tatsächlich die Kontrolle über Gaza besitzt. Zumindest der proiranische Dschihad, der die aktuelle Eskalation mit dem Abfeuern einer Rakete am Dienstag, gefolgt von einem Schussangriff auf einen israelischen Militärjeep am Freitag in Gang setzte, hält sich lieber an den Befehl aus seinem Hauptquartier in Libanon.

Derweil bemühten sich die Ägypter und die Vereinten Nationen um Vermittlung einer neuen Waffenruhe. Um die Spannungen zu mindern, müssten sich die palästinensischen Fraktionen wie auch Israel an ihre alten Zusagen halten.

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