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Nahost-Konflikt

Hungersnot in Gaza: Humanitäre Lage verschärft sich – „Wir brauchen Essen!“

  • Anna Charlotte Groos
    VonAnna Charlotte Groos
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Nach den israelischen Bombenangriffen am Gazastreifen spitzt sich die Situation im Nahost-Konflikt für die Bevölkerung immer weiter zu. Die Palästinenser:innen fordern Unterstützung.

Gaza – Während sich die Angriffe des israelischen Militärs in Gaza fortsetzen, deutet sich im Gebiet eine Hungersnot an. Etwa 38.000 Palästinenserinnen und Palästinenser sind laut Angaben der UNO am Gazastreifen bereits aus ihren Häusern vertrieben worden. Das berichtet das arabische Nachrichtenportal Al-Jazeera.

„Wir brauchen Essen, Kleidung, Bettdecken, Matratzen und Milch“, sagte die 30-Jährige Palästinenserin Suheir al-Arbeed, die vor zwei Wochen entbunden hat, demnach in einem Telefoninterview. „Ich muss andere Leute um Windeln für meinen Sohn bitten“, fügte al-Arbeed hinzu. „Ich versuche, ihn zu stillen, aber er ist immer noch hungrig und weint ständig.“

Nahost-Konflikt: Bombenangriffe im Gazastreifen – Hunderte Familien müssen fliehen

Al-Arbeed gehört zu den Hunderten von Familien, die im Norden und Osten des Gazastreifens lebten und in der Nacht zum Donnerstag (13.05.2021) aus ihren Häusern flohen, als ein schwerer israelischer Artilleriebeschuss und Luftangriffe auf sie abgefeuert wurden.

Ein palästinensisches Kind trägt einen Topf mit Essen. Eine ehrenamtliche palästinensischen Köchin kocht für bedürftige Kinder und ihre Familien im Viertel Zeitoun.

Die Familien flüchteten zu Fuß und eilten in der Dunkelheit mehrere Kilometer zur Gaza al-Jadeeda Schule, eine von vielen, die von der UNRWA, der UN-Agentur für palästinensische Flüchtende, betrieben wird. „Autos oder andere Transportmittel waren nicht verfügbar“, sagte al-Arbeed, deren Haus in der Gegend von Shujaiyah im Nordosten von Gaza liegt.

Nahost-Konflikt im Gazastreifen – Vertreibung von mehr als 38.000 Palästinenser:innen

Die Konflikte zwischen Israel und dem Gazastreifen bestehen seit Jahren. Aktuelle Auslöser waren angedrohte Zwangsräumungen palästinensischer Familien und auch jüdische Feierlichkeiten am Tempelberg. Aber auch Jahrzehnte zurückliegende Ereignisse spielen eine zentrale Rolle. Israels Bombardierung des belagerten Gazastreifens, die nun schon die zweite Woche andauert, hat nach Angaben der Gesundheitsbehörden im Gazastreifen mindestens 201 Palästinenserinnen und Palästinenser getötet. Mehr als 1300 weitere wurden verletzt.

Palästinensische Kinder tragen Töpfe und versammeln sich vor dem Haus einer ehrenamtlichen palästinensischen Köchin. In Gaza deutet sich eine Hungersnot an. (Symbolbild)

Israel meldete, dass mindestens zehn Menschen, darunter zwei Kinder, bei Raketenangriffen der Hamas, der palästinensischen Terrorgruppe, die den Gazastreifen regiert, getötet wurden. Nach Angaben der UN suchen zahlreiche vertriebene Menschen derzeit Schutz in 48 UNRWA-Schulen im Küstengebiet.

IsraelGazastreifen
Gegründet19481949
Bevölkerung9,053 Millionen (2019)2,048 Millionen (Stand 2020)
HauptstadtJerusalemGaza-Stadt

Nahost-Konflikt: Humanitäre Hilfe am Gazastreifen dringend benötigt

In einer Erklärung am Montag sagte UNRWA-Sprecher Adnan Abu Hassan, dass das Hilfswerk damit begonnen habe, einige Grundbedürfnisse für die vertriebenen Familien bereitzustellen. „Wir brauchen dringend Unterstützung“, sagte er und bezog sich dabei auf die israelische Schließung des Grenzübergangs am 10. Mai, über den humanitäre Hilfe ins Land gebracht wird.

Majda Abu Karesh, eine Mutter von sieben Kindern, deren Haus in Beit Lahia zerstört wurde, sagte, dass die Familien in Bezug auf die Grundversorgung auf sich selbst gestellt seien. „Dies ist der vierte Krieg, in dem wir in einer Schule Schutz suchen mussten“, sagte sie gegenüber dem Nachrichtenportal Al Jazeera. „Seit fünf Tagen schlafen wir auf dem nackten Boden, und wir haben weder Essen noch irgendwelche Lieferungen von der UNRWA erhalten. Es gibt nicht einmal sauberes Trinkwasser, und die Toiletten sind eine Sauerei.“

Shaher Barda, der mit seiner Familie gezwungen war, Shujaiya mit nichts als Kleidung zu verlassen, betonte, dass sich das Flüchtlingswerk „nicht sehr um unsere Situation gekümmert“ habe. „Wir haben gesammelt, jeder hat einen Schekel (0,30 US-Dollar) bezahlt, damit wir genug Wasser kaufen können. Wir sind nicht freiwillig hier, sondern weil unsere Häuser keine Bombenschutzräume sind und niemand die verrückten israelischen Angriffe überlebt hätte“, so Barda.

Nahost-Konflikt: „Wir wollen, dass die Welt uns unterstützt“

Ein israelischer Armeesprecher bestätigte am Freitag (14.05.2021) die Intensität des Bombenangriffs und Granatenbeschusses und sagte, dass an dem Blitzangriff vor der Morgendämmerung 160 Kampfflugzeuge beteiligt waren und etwa 450 Raketen und Granaten eingesetzt wurden, um 150 Ziele innerhalb von 40 Minuten anzugreifen, so Al-Jazeera.

Rajai, ein Verwandter von Barda, sagte, er und seine Familie könnten nicht in ihr Haus zurückkehren, weil es zu gefährlich sei. „Für viele Familien hier ist es nicht das erste Mal, dass wir vertrieben werden, da wir in der Nähe des israelischen Zauns leben“, so Rajai, während er auf einem Stück Pappe sitzt, das ihm als Bett dient. „Wir wollen, dass die Welt uns unterstützt“, fuhr er fort. „Und wir in Gaza stehen hinter der Aqsa-Moschee und den Palästinensern in Jerusalem und anderswo. Wir müssen alle zusammenstehen. Aber jetzt brauche ich Decken für meine Kinder, die letzte Nacht vor Kälte nicht schlafen konnten.“

Angesichts der anhaltenden Gewalt im Nahostkonflikt verstärkt die internationale Gemeinschaft ihre diplomatischen Anstrengungen zur Beruhigung der Lage. Der UN-Sicherheitsrat hält am Dienstag (18.05.2021) erneut eine Dringlichkeitssitzung zum Konflikt zwischen Israel und den militanten Palästinensergruppen im Gazastreifen ab. (Anna Charlotte Groos)

Rubriklistenbild: © Mohammed Talatene/dpa

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