Gaza-Abzug bis Montag beendet

Israel zerstört erste Siedlerhäuser / Scharon fordert Strafen für gewalttätige Demonstranten / "Palästinenser am Zug"

Tel Aviv · Offiziellen Angaben zufolge hatten bis Freitag mehr als 80 Prozent der rund 8500 Siedler den Gaza-Streifen verlassen. Sicherheitsvertreter gingen davon aus, dass die Zwangsräumungen bis Montagabend beendet sind und am Dienstag noch zwei weitere Siedlungen im palästinensischen Westjordanland evakuiert werden.

Planierraupen rissen in Kerem Azmona im Süden des Gaza-Streifens erste Bauten ein. Dies bestätigte eine Sprecherin des israelischen Verteidigungsministeriums. Ministerpräsident Ariel Scharon forderte die Bestrafung gewalttätiger Demonstranten, die am Vortag vom Dach einer Synagoge in Kfar Darom aus Polizisten attackiert hatten.

Der israelische Generalstaatsanwalt Menachem Masus erwog Anklagen gegen die Randalierer, die sich in und auf der Synagoge verbarrikadiert und Öl, Farben sowie eine ätzende Flüssigkeit auf Sicherheitskräfte gespritzt hatten. Bei den Auseinandersetzungen waren 27 Polizisten und drei Soldaten verletzt worden.

Angereiste Protestierer

Scharon sagte, seine Trauer über das Leid der Siedler beim erzwungenen Auszug aus dem Gaza-Streifen sei angesichts der Angriffe der Demonstranten auf Polizei und Armee in Wut umgeschlagen. "Dieser Haufen von Barbaren muss bestraft werden", sagte Scharon. "Es muss auch untersucht werden, wer sie geschickt und aufgehetzt hat." Die Gewalt war von angereisten Protestierern ausgegangen, die den Abzug stören oder verhindern wollen.

Israelische Truppen setzen die Zwangsräumung am Freitag in der Siedlung Gadid fort. Sie evakuierten eine besetzte Synagoge und trugen dutzende Protestierer aus dem Gotteshaus, überwiegend angereiste jugendliche Demonstranten. Nach Berichten israelischer Medien verlief die Räumung ohne größere Gewalt. Eine Demonstrantin stürzte vom Dach der Synagoge und wurde verletzt. Die meisten der 350 Bewohner der Siedlung verließen ihre Enklave jedoch kampflos. Damit waren 18 der 21 Siedlungen im Gaza-Streifen noch vor Beginn des jüdischen Wochenfeiertags Sabbat leer, der die Arbeiten von Freitagabend an für mindestens 24 Stunden unterbricht. Mit der Siedlung Nezarim im Zentrum des Gaza-Streifens steht noch eine weitere Hochburg der Abzugsgegner an.

Nach dem Abzug sieht Scharon nun die Palästinenser am Zug. Die Verantwortung für weitere Fortschritte im Friedensprozess liege jetzt bei der Gegenseite, sagte Scharon am Freitag der Tageszeitung Jediot. Ein weiterer Rückzug sei in naher Zukunft nicht geplant, fügte Scharon mit Blick auf eine entsprechende Forderung von US-Außenministerin Condoleezza Rice hinzu. UN-Generalsekretär Kofi Annan würdigte Scharons Mut und Führungsstärke, die er mit dem für Israel schmerzhaften Prozess des Abzugs beweise.

Außenminister Joschka Fischer betonte am Freitag in Berlin, es verdiene große Anerkennung, dass "beide Seiten es erreicht haben, dass die Räumung der Siedlungen bisher überwiegend ruhig verlaufen ist". Die deutsche Regierung hat die Räumung als "historischen Schritt und ein Zeichen großen Mutes" begrüßt. Sie appellierte an Israel und die Palästinenser, "den eingeschlagenen Weg der Weitsicht und der Vernunft fortzusetzen". dpa/rtr/ap

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