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Ein israelischer Soldat schließt das Tor des Eingangs zum nördlichen Gazastreifen nahe der jüdischen Siedlung Nissanit.

Gaza-Abzug beginnt

Israel schließt Grenze / Proteste religiöser Siedler

Neve Dekalim (ap). Zum Beginn des israelischen Abzugs aus dem Gazastreifen haben am Montagvormittag etwa 300 jüdische Siedlerfamilien Palästinensergebiet verlassen. Dies Zahl habe Verteidigungsminister Schaul Mofas am Montag genannt, berichtete der israelische Rundfunk.

Straßenblockaden verzögerten den Einsatz von Polizei und Armee, die den insgesamt etwa 1700 Siedlerfamilien Räumungsbefehle zustellen sollten. Der Einsatz verlaufe insgesamt aber innerhalb der Planungen, sagte der zuständige Militärbefehlshaber General Dan Harel.

Die Sicherheitskräfte waren am Morgen in etwa der Hälfte der insgesamt 21 Siedlungen auf Barrikaden gestoßen. Die Polizeiführung erklärte, sie setze zunächst auf Verhandlungen mit den Protestierern, um eine friedliche Lösung zu erreichen.

Israel hatte in der Nacht nach 38 Jahren offiziell den Rückzug aus dem Gazastreifen begonnen. Die Einreise und der Aufenthalt in dem Gebiet war für israelische Zivilisten verboten. Den Bewohnern bleibt eine Frist von 48 Stunden, um ihre Häuser zu räumen.

Die israelische Regierung beschloss unterdessen die zweite Phase des Abzugs aus dem Gazastreifen. Der israelische Rundfunk berichtete, 16 Minister hätten für die Räumung aller Siedlungen im Gusch-Katif-Block im Gazastreifen gestimmt. Dagegen votierten vier Minister.

Die Siedler haben 48 Stunden Zeit, freiwillig zu gehen. Dann sollen die Siedlungen mit Gewalt geräumt werden. "Das ist ein schmerzhafter und schwieriger Tag, aber es ist ein historischer Tag", sagte der israelische Verteidigungsminister Schaul Mofas im Armeerundfunk. Der stellvertretende Ministerpräsident Ehud Olmert sagte, die Anwesenheit einiger Tausend Israelis im Gazastreifen unter 1,3 Millionen Palästinensern sei zu einer Belastung für die Sicherheit Israels geworden.

Mehrere Hundert Menschen blockierten die Tore zur größten jüdischen Siedlung Neve Dekalim und kündigten Widerstand gegen die Evakuierung an. Die Streitkräfte entfernten eine provisorische Straßensperre, die die Siedler errichtet hatten. Einige Dutzend Männer hielten begleitet von zahlreichen Jugendlichen vor der Siedlung ihre Morgengebete ab. "Bruder, vertreib mich nicht" war auf dem T-Shirt eines Demonstranten zu lesen. Auch vor Netzer Hazani und Morag versammelten sich hunderte Menschen.

Viele der 8.500 Siedler im Gazastreifen haben ihre Häuser bereits verlassen. Wer bis Dienstag um Mitternacht nicht freiwillig geht, wird zwangsgeräumt und verliert bis zu einem Drittel der staatlichen Entschädigung für die Räumung. An dem Abzug aus dem vor 38 Jahren besetzten Gebiet sind rund 50.000 Sicherheitskräfte beteiligt. In fünf der 21 Siedlungen sollten die Räumungsbescheide per Post zugestellt werden.

Kurz nach Mitternacht blockierten mehrere Hundert Bewohner von Neve Dekalim die Hauptstraße und stoppten Militärfahrzeuge. Es kam zu einem Handgemenge mit Soldaten. Auch im Westjordanland, wo vier Siedlungen geräumt werden sollen, kam es zu Auseinandersetzungen zwischen israelischen Soldaten und Siedlern, wie die Streitkräfte am frühen Montagmorgen mitteilten. Ein Offizier erlitt einen Handbruch.

Tausende palästinensische Polizisten bezogen unterdessen in der Nähe der jüdischen Siedlungen Stellung, um Übergriffe von Extremisten zu verhindern. Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas lobte den israelischen Abzug erneut: "Ihr habt den richtigen Weg gewählt", sagte er im Fernsehsender Kanal 10. "Ich will keineZusammenstöße mit den (israelischen) Streitkräfte oder den Siedlern".

Am frühen Morgen waren kam es nahe der Siedlung Kfar Darom zu einem Schusswechsel zwischen Soldaten und Palästinensern, außerdem wurden Mörser abgefeuert. Berichte über Verletzte gab es nicht.

Hunderte Anhänger der militanten palästinensischen Organisation Islamischer Dschihad feierten am Sonntagabend in Gaza den Abzug. Bewaffnete feuerten Freudenschüsse in die Luft, Dschihad-Mitglieder verteilten Süßigkeiten. "Das ist das Ergebnis des Widerstands und der Opfer unseres Volkes", sagte ein Sprecher.

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