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Joachim Gauck im Museum der Erinnerung und der Menschenrechte in Santiago.
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Joachim Gauck im Museum der Erinnerung und der Menschenrechte in Santiago.

"Colonia Dignidad"

Gauck weist juristische Verantwortung zurück

Der Bundespräsident bedauert Versäumnisse Deutschlands im Umgang mit der Sektensiedlung "Colonia Dignidad". Die Verantwortung des chilenischen Staates könne jedoch nicht auf Deutschland übertragen werden.

Bundespräsident Joachim Gauck hat bei seinem Staatsbesuch in Chile eine juristische Mitverantwortung Deutschlands für die Verbrechen der Sekte «Colonia Dignidad» zurückgewiesen. Gauck sagte am Mittwoch in Santiago de Chile, dies sei ein Unterschied zu Ländern, in denen der deutsche Staat für Unrecht, Terror und Mord verantwortlich gewesen sei. «Das ist eine andere Geschichte.»

Die Siedlung «Colonia Dignidad» (Kolonie der Würde) war unter ihrem Gründer Paul Schäfer ein befestigtes Lager mit sektenähnlichen Strukturen. Es kam dort zu systematischem Kindermissbrauch. Während der Militärdiktatur von 1973 bis 1990 in Chile war die Kolonie ein Folterzentrum der Geheimpolizei.

Gauck sagte, die Verantwortung des chilenischen Staates könne nicht auf Deutschland übertragen werden, wenn in Chile ein Gruppe von kriminellen Deutschen sich an Landleuten und Chilenen vergangen habe. «Wir können als Deutsche nur bedauern, dass Landsleute mit der chilenischen Diktatur so zusammengearbeitet haben, dass die in deren Nähe ein Folterzentrum errichten konnten.»

Gauck traf in Santiago im «Museum der Erinnerung und der Menschenrechte» mit Vertretern der chilenischen Zivilgesellschaft zusammen. Unter ihnen war auch die Aktivistin Margerita Romero, die sich für die Hinterbliebenen der Opfer der Sekte einsetzt. Sie forderte unter anderem die Errichtung eine Gedenkstätte auf dem Gelände, wo heute eine «Villa Baviera» mit bayrischer Folklore Touristen lockt. Gaucks Staatssekretär David Gill traf sich mit drei Angehörigen der Opfer und nahm einen Brief entgegen. Über dessen Inhalt wurde zunächst nichts bekannt.

Gauck sagte zu seinen Gesprächen, es seien Erwartung an ihn herangetragen worden, mit weiteren Informationen bei der Aufklärung der Verbrechen zu helfen. «Unbillige Forderungen» seien aber nicht gestellt worden. Am Dienstag hatte der deutsch-chilenische Opferanwalt Winfried Hempel eine juristische Mitverantwortung Deutschlands angemahnt. Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatte vor kurzem die Offenlegung der Akten im Zusammenhang mit der Sekte angekündigt. Deutsche Diplomaten hatten über viele Jahre zu den Verbrechen der «Colonia Dignidad» geschwiegen.

In Berlin sagte der Fraktionsvize der Linken im Bundestag, Jan Korte, Deutschland müsse endlich Verantwortung übernehmen und allen Opfern die Anerkennung und Unterstützung zukommen lassen, die ihnen zustehe. Die Bundesrepublik sollte sich unter anderem an der Einrichtung eines Gedenkortes sowie der umfassenden Aufklärung der Verbrechen und der Verfolgung der Täter beteiligen. (dpa)

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