Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Bundespräsident Joachim Gauck spricht am Sonntag im Plenarsaal des Bundestags in Berlin nach seiner Wahl vor der Bundesversammlung.
+
Bundespräsident Joachim Gauck spricht am Sonntag im Plenarsaal des Bundestags in Berlin nach seiner Wahl vor der Bundesversammlung.

Wahl zum Bundespräsidenten

Gauck ist neuer Bundespräsident

Joachim Gauck ist neuer Bundespräsident. Der 72-jährige ehemalige DDR-Bürgerrechtler kommt im ersten Wahlgang der Bundesversammlung auf rund 80 Prozent der Stimmen. "Was für ein schöner Sonntag!", sagt Gauck selbst. Er verspricht, für neue Themen, Probleme und Personen offen zu sein.

Von Bettina Vestring

Joachim Gauck ist neuer Bundespräsident. Der 72-jährige ehemalige DDR-Bürgerrechtler kommt im ersten Wahlgang der Bundesversammlung auf rund 80 Prozent der Stimmen. "Was für ein schöner Sonntag!", sagt Gauck selbst. Er verspricht, für neue Themen, Probleme und Personen offen zu sein.

Eine nicht enden wollende Schlange von Gratulanten: Joachim Gauck, der neue Bundespräsident, ist mit einer überwältigenden Mehrheit in der Bundesversammlung gewählt worden. 991 von 1232 Delegierten stimmten schon im ersten Wahlgang für den 72Jährigen. "Was für ein schöner Sonntag!", sagte Gauck, nachdem er unter großem Applaus die Wahl angenommen hatte. Er ist der 11. Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland.

In einer ersten, kurzen Rede stellte das neue Staatsoberhaupt die Begriffe von Freiheit und Verantwortung nach vorne; beides gehöre für ihn zusammen. Gauck erinnerte daran, dass er selbst erst im Alter von 50 Jahren zum ersten Mal an einer freien Wahl habe teilnehmen dürfen, an der erste freie Volkskammerwahl vor genau 22 Jahren. Der neue Bundespräsident versprach auch, für neue Themen, Probleme und Personen offen zu sein.

Gauck sagte, er werde ganz sicher nicht alle Erwartungen erfüllen können. Dann fügte er hinzu: "Ich werde mit all meinen Kräften und meinem Herzen "Ja" sagen zu der Verantwortung, die Sie mir heute übertragen haben." Der ehemalige DDR-Bürgerrechtler und erste Leiter der Stasi-Unterlagen-Behörde war von Union, FDP, Grünen und SPD gemeinsam aufgestellt worden. Er soll am Freitag im Bundestag vereidigt werden.

"Die Ostdeutschen sind angekommen"

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, sie freue sich darauf, von Gauck „Anregungen zu bekommen“. Konflikte mit dem neuen Präsidenten erwarte sie nicht, auch wenn sich in manchen Fragen sicherlich Meinungsunterschiede zeigen würden. Diese wolle sie im Dialog mit Gauck besprechen: „Es geht hier nicht um Erziehungsmethoden, sondern um Meinungsäußerungen.“

Merkel wertete es als Signal, dass nun nach der Kanzlerin auch der Bundespräsident aus der ehemaligen DDR stamme. Dies zeige: „Die Ostdeutschen sind angekommen, trotzdem bleibt bei der deutschen Einheit noch einiges zu tun.“ Die Kanzlerin begrüßte es, dass Gauck mit einer parteiübergreifenden Mehrheit gewählt wurde. „Selten hat ein Bundespräsident eine solche Zustimmung bekommen“, sagte sie. „Er wird sein Amt gut für unser Land wahrnehmen.“

Gaucks Gegenkandidatin Beate Klarsfeld, die von der Linksfraktion aufgestellt worden war, gehörte zu den ersten, die dem neu gewählten Staatsoberhaupt Glück wünschten. Sie hatte 126 Stimmen erhalten, drei mehr, als die Linksfraktion Mitglieder zählt. Einige Grüne hatten Vorbehalte gegen Gauck, weil dieser den Themen soziale Gerechtigkeit und Integration von Migranten nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt hatte. 108 Delegierte enthielten sich, drei Stimmen entfielen auf den von der NPD nominierten Historiker Olaf Rose.

Kurzer Rückblick auf Wulff

"Die Hoffnung und Erwartungen an den Bundespräsidenten sind riesig", hatte Bundestagspräsident Norbert Lammert schon zu Beginn der 15. Bundesversammlung gesagt. Unter dem Beifall der Delegierten kritisierte der CDU-Politiker, dass sich durch die Rücktritte von Horst Köhler und Christian Wulff die Bundespräsidentenwahlen häuften. "Nach dem Grundgesetz wird der Bundespräsident für fünf Jahre gewählt", sagt Lammert. "Dass die Abstände in jüngster Zeit immer kürzer wurden, wird niemand für eine Errungenschaft halten."

Lammert richtet auch einen Blick zurück auf die Amtszeit von Wulff, der zurückgetreten war, nachdem die Staatsanwaltschaft Hannover gegen ihn Ermittlungen wegen Vorteilsannahme eingeleitet hatte. "Die Geschichte dieser kurzen Amtszeit wird zu einer anderen Zeit geschrieben werden", sagt er. "Es gibt durchaus Anlass für Selbstkritik." "Manches war bitter, aber unvermeidlich, anderes weder notwendig noch angemessen, sondern würdelos. (mit afp)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare