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Von 2025 an hat jedes Grundschulkind einen Anspruch auf eine Ganztagsbetreuung.

Bildung

Ganztagsbetreuung soll sich für alle lohnen

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Laut einer neuen DIW-Studie kommen mehr Plätze für Grundschulkinder der Wirtschaft zugute und erhöhen die Steuereinnahmen.

Der geplante Ausbau der Ganztagsbetreuung für Grundschüler ist zwar teuer, er finanziert sich aber zum Teil selbst. Das ist das Ergebnis einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag des Bundesfamilienministeriums.

Während Milliarden in den Ausbau von Ganztagsplätzen und in den laufenden Betrieb investiert werden müssen, rechnet die DIW-Studie im Gegenzug auch mit zusätzlichen Einnahmen von bis zu zwei Milliarden Euro pro Jahr für den Staat. Die Wissenschaftler betonen, dass der geplante Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz in der Grundschule Müttern bessere Möglichkeiten gibt, erwerbstätig zu sein. So könnten mehr Mütter dann überhaupt arbeiten, andere würden ihre Stundenzahl erhöhen. Das Arbeitsvolumen von Müttern mit Grundschulkindern werde um drei bis sieben Prozent wachsen, prognostizieren die Forscher. Die Folge: zusätzliche Steuereinnahmen und weniger Ausgaben für Sozialleistungen wie Kinderzuschlag oder Wohngeld.

„Nichts, was du für Kinder tust, ist jemals verschwendet, und deswegen ist jeder einzelne Euro sowieso schon sein Geld wert“, sagte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) bei der Vorstellung der Studie in Berlin. „Aber was wir hier sehen ist, dass da auch noch etwas bei rauskommt, und das ist doch gut.“ Im Koalitionsvertrag von Union und SPD im Bund ist vereinbart, dass alle Kinder in der Grundschule in Deutschland ab 2025 einen Anspruch auf Ganztagsbetreuung haben sollen. Konkret heißt das: Der Anspruch soll von der ersten bis zur vierten Klasse gelten – und zwar an fünf Tagen in der Woche, für acht Stunden am Tag.

Die Kultusminister der Länder fordern deshalb mehr Mittel des Bundes, um dem Rechtsanspruch gerecht werden zu können. „Bildung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, deshalb sehen wir den Bund hier mit in der Pflicht“, sagt die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Stefanie Hubig.

Die SPD-Politikerin, die Bildungsministerin in Rheinland-Pfalz ist, führte mit Blick auf den Bund aus: „Bisher hat er zwei Milliarden Euro für den Ganztagsanspruch vorgesehen. Die Einführung ist mit 7,5 Milliarden Euro allerdings um ein Vielfaches teurer.“ Hubig weiter: „Nach unseren Zahlen kommen dazu nochmals 4,5 Milliarden laufende Kosten pro Jahr.“ Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) wirft Bund und Ländern vor, den geplanten Ausbau der Ganztagsbetreuung an Grundschulen nicht ausreichend mit pädagogischem Personal zu unterfüttern. „Einen Beitrag zu mehr Chancengleichheit können Ganztagsangebote nur dann leisten, wenn die pädagogische Qualität einen hohen Stellenwert hat“, sagte Ilka Hoffmann, GEW-Vorstand für das Thema Schule. „Eltern möchten nicht, dass ihre Kinder den Tag über beaufsichtigt werden, sondern dass ihnen in der Betreuung Bildung und Erziehung auf hohem Niveau angeboten werden.“

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