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Ein Mann vor einem Wahllokal in Rathmannsdorf. Hier erzielte die AfD beinahe die absolute Mehrheit.

Sachsen

Ein ganzes Bundesland wählt rechts

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Die AfD erzielt in Sachsen ihre bundesweit besten, die SPD ihre schlechtesten Ergebnisse. Der Rechtsruck zeigt sich vor allem in den kleinen Gemeinden Ostsachsens. Ein Überblick.

Die Reaktionen kamen prompt. „Zieht die Mauer wieder hoch!“, forderten bereits am Sonntagabend viele Nutzer in den sozialen Netzwerken. Auf die erschreckenden Ergebnisse der Bundestagswahl, bei der die AfD drittstärkste Kraft wurde, in Ostdeutschland den zweiten und in Sachsen sogar den ersten Platz belegte, reagierten die User auf Facebook und Twitter mit einem mehr oder weniger ernst gemeinten Ost-Bashing.

Tatsächlich zeigt sich, dass die rechte Partei zwar bundesweit Erfolge erzielen konnte, doch in den neuen Bundesländern, insbesondere in Sachsen, weiterhin ihre Hochburg hat. Drei Wahlkreise konnte die selbst ernannte „Alternativen“ in Ostsachsen gewinnen.

Petry holt bestes AfD-Ergebnis

In der Sächsischen Schweiz holte Frauke Petry, die der AfD-Fraktion gar nicht angehören wird, mit 37,4 Prozent das beste AfD-Ergebnis überhaupt und landete damit knapp zehn Prozentpunkte vor der CDU. In Bautzen gewann der 52-jährige Polizist Karsten Hilse, der 1991 bei den rassistischen Ausschreitungen von Hoyerswerda im Dienst war und sich als eher gemäßigt gibt. In Görlitz triumphierte der 42-jährige Maler- und Lackierermeister Tino Chrupalla, der sich klar gegen die „Zuwanderung von Armutsmigranten“ und den Bau von Moscheen ausspricht.

Der Rechtsruck zeigt sich vor allem in den kleinen Gemeinden Ostsachsens. In Rathmannsdorf, einer kleinen Gemeinde mit etwas weniger als 1000 Einwohnern, die zu Petrys Wahlkreis gehört, hätte die AfD fast die absolute Mehrheit erreicht: 46,2 Prozent.

Die zweitplatzierte CDU lag hier mehr als 20 Prozentpunkte dahinter. Auch in 13 anderen Gemeinden dieses Wahlkreises kamen die Rechten auf mehr als 40 Prozent der Erststimmen. Die anderen Parteien dagegen hatten Mühe, überhaupt die 30-Prozent-Marke zu überspringen.

Beispielhaft für den massiven Einbruch der sogenannten Volksparteien stehen die Ergebnisse der SPD, die in Sachsen zwar in der Landesregierung sitzt, aber prozentual mehr und mehr zur Randnotiz verkommt. Wie die AfD in Sachsen ihre bundesweit besten Wahlkreisergebnisse erzielte, so verbuchten die Sozialdemokraten hier ihre schwächsten. Im Wahlkreis Sächsische Schweiz/Ostzerzgebirge kamen sie beispielsweise nur auf 7,2 Prozent.

In einzelnen Gemeinden des Petry-Wahlkreises rutschten sie sogar unter die Fünfprozenthürde. Ihr schlechtestes Ergebnis erzielten sie in Reinhardtsdorf-Schöna und Gohrisch, wo sie auf gerade einmal 3,9 Prozent der Erststimmen kamen.

Überhaupt ist Deutschland in keinem anderen Bundesland so weit von einer linken Mehrheit entfernt wie in Sachsen. In mehreren Wahlkreisen kamen SPD, Grüne und Linke zusammen nur auf etwa ein Viertel der Stimmen - und das in einem Bundesland, das nicht unbedingt zu den wirtschaftlich stärksten gehört. Doch die sächsische Bevölkerung fühlt sich offenbar vor allem kulturell abgehängt, weniger sozial. Die Ressentiments gegen Geflüchtete und Linke sitzen tiefer als die Ängste vor sozialen Kürzungen, wie sie die AfD fordert.

Und: Die AfD ist weit mehr als eine Dorfpartei. Auch in den beiden Wahlkreisen der Landeshauptstadt Dresden landeten die Rechten nur knapp hinter der CDU. Überhaupt erzielten sie in fast allen Wahlkreisen mehr als 20 Prozent der Erststimmen. Einzige Ausnahme: der Leipziger Süden, zu dem die linksalternative Hochburg Connewitz gehört. Dort gewann die Linkspartei mit 25,3 Prozent ihren einzigen Wahlkreis außerhalb von Berlin, die AfD erreichte „nur“ 15 Prozent.

Es bleibt also dabei: Sachsen ist ein rechtes Bundesland - mit einer einzigen Ausnahme. Schon bei der letzten Landtagswahl vor drei Jahren, als die AfD noch zu den kleinen Parteien gehörte, holte die CDU alle Direktmandate - außer in Leipzig. Die AfD hingegen, das muss nach den Wahlergebnissen schonungslos gesagt werden, ist nun endgültig in der Mitte der sächsichen Bevölkerung angekommen.

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