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Anhänger des neu gewählten Präsidenten Barrow.

Westafrika

In Gambia kommt die Fünftagewoche

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Präsident Barrow kippt das verlängerte Wochenende, das sein diktatorischer Vorgänger Yahya Jammeh einführte. Jetzt kommen die Arbeitnehmer auf 36,5 Stundenwochen.

Mancher Gambier wünscht sich wohl schon seinen Diktator zurück. Der Mitte Januar aus dem westafrikanischen Kleinstaat verjagte Yahya Jammeh hatte gewusst, dass er seine knapp zwei Millionen Landeskinder nicht nur ausrauben und unterdrücken kann – er musste ihnen auch kleine Zugeständnisse machen. So steckte er Bettlern am Straßenrand hin und wieder 100 US-Dollar zu – und verlängerte das Wochenende von zwei auf drei Tage. Zumindest die Staatsbeamten der „Islamischen Republik“ mussten auch am Freitag nicht arbeiten: Da sollten sie „beten, sich mit ihren Freunden treffen oder zu Hause die Felder bestellen“. Pflegte der exzentrische Autokrat donnerstags Aids- und Epilepsiekranke mit Bananen und Gebeten zu heilen, war danach drei Tage lang Ruhe – ein weltweiter Sonderfall. Auch das konnte allerdings nicht verhindern, dass mehr als fünf Prozent der Bevölkerung das Land verließen, um in Europa Beschäftigung zu finden – trotz der heimischen Fünftagewoche.

Nun ließ der neugewählte Präsident kaum eine gambische Kurzwoche verstreichen, um der Bevölkerung ihr Privileg zu nehmen. Kaum hatte Adama Barrow in der vergangenen Woche sein neues Kabinett vorgestellt, da strich er auch schon das „Islamische“ aus der Republik Gambia und lässt seine Staatsbeamten nun auch am Freitag antreten. Allerdings will es sich auch der ehemalige Grundstücksmakler nicht ganz mit seinen Beamten verderben: Er kürzte ihre werktägliche Arbeitszeit von bisher zehn auf acht Arbeitsstunden, freitags müssen sie sogar nur bis kurz vor Beginn der Freitagsgebete um 12.30 Uhr malochen. Insgesamt kommen sie so auf 36,5 wöchentliche Arbeitsstunden – immer noch weniger als in allen anderen Ländern des Kontinents.

Jammeh soll nicht vor Gericht

Nicht ganz glücklich sind viele Gambier auch mit ihrem verehrten Oppositionsführer, Ouseinu Darboe, im Volksmund auch „Gambias Nelson Mandela“ genannt. Der 65-jährige Jurist, der im vergangenen Jahr mehrere Monate im Gefängnis saß und nun zum Außenminister berufen wurde, will offensichtlich seinem Beinamen Ehre machen.

Er kündigte an, dass Diktator Jammeh nicht wegen Mordes, Korruption und verfassungswidriger Regierungsführung vor Gericht gestellt werden soll: Komme er jemals wieder nach Hause, müsse er sich lediglich vor einer „Wahrheitskommission“ nach südafrikanischem Vorbild verantworten. Er habe dem Gewaltherrscher verziehen, sagte der gambische Mandela im Gespräch mit der FR. Zumindest diejenigen seiner Landsleute, deren Familienangehörige zu Tode gefoltert wurden, sehen das allerdings anders.

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