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Bislang hatte Gabriel öffentlich immer in Aussicht gestellt, den Kanzlerkandidaten bereits Anfang 2017 zu ernennen.

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Gabriel dementiert Rücktrittsgerücht

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Der SPD-Parteichef will einem Medienbericht zufolge erst kurz vor der Bundestagswahl über den Kanzlerkandidaten entscheiden. "Focus"-Mitherausgeber Helmut Markwort behauptet gar, Gabriel trete nächste Woche zurück - was die Partei und ihr Vorsitzender dementieren.

Erst vor ein paar Tagen hat Sigmar Gabriel seinen Vertrauten Tobias Dünow aus dem Wirtschaftsministerium als Sprecher in die SPD-Parteizentrale geholt. Dünow ist jetzt Kommunikationschef im Willy-Brand-Haus. Manche Beobachter wollten das als ein Zeichen dafür sehen, dass der Parteichef nun seine Kanzlerkandidatur für 2017 plane und seine Leute um sich schare. Doch die Zeichen, die an diesem Wochenende nicht nur aus dem Willy-Brandt-Haus kommen, sind andere, verwirrendere zum Zustand der SPD. Gabriel hatte Anfang der Woche wegen einer Gürtelrose-Erkrankung eine Reise in den Iran abgesagt, Umfragen sehen die SPD im Bund aktuell bei 22 Prozent. Und jetzt will die „Bild am Sonntag“ noch herausgefunden haben, dass Gabriel den Kanzlerkandidaten seiner Partei erst wenige Monate vor der Bundestagswahl im Herbst 2017 bestimmen wolle. Bislang hatte er immer erklärt, Anfang 2017 die Entscheidung zu treffen.

Erst nach der Wahl in Nordrhein-Westfalen im nächsten Mai wolle man den Kandidaten bekannt geben - Gabriel denke, dass ein Wahlkampf „kurz und schmutzig“ sein müsse, interpretierte ihn die „Bild am Sonntag“. Und da kommt Tobias Dünow ins Spiel. Über den Kurznachrichtendienst Twitter erklärt der Parteisprecher, so etwas – „kurz und schmutzig“ – habe Gabriel nie gesagt. Interessant, aber noch interessanter ist, dass Dünow den Rest der Geschichte – Kanzlerkandidatenerklärung  später – nicht dementiert.

Zumal es an diesem Sonntag, nach einer Woche der Gerüchte, noch seltsamer wird für Dünow, den neuen Sprecher. Denn Helmut Markwort, Mit-Herausgeber des „Focus“ holt im Bayerischen Rundfunk beim „Sonntags-Stammtisch“ mit einem Top-Gerücht aus. Gabriel wolle noch nächste Woche zurücktreten, neuer SPD-Vorsitzender werde der Erste Bürgermeister von Hamburg, Olaf Scholz. Kanzlerkandidat könne der Präsident des Europaparlaments, Martin Schulz, werden.

Am Abend dementiert Gabriel gegenüber dem Fernsehsender RTL die Rücktrittsgerüchte. „Dass man in Deutschland nicht mal mehr krank werden darf als Politiker, ohne dass einer dummes Zeug erzählt, hat mich auch ein bisschen überrascht“, sagte er am Sonntag dem Sender RTL. Gabriel weiter: „Mark Twain hat, als es die Nachricht über seinen Tod gab, eine Anzeige veröffentlicht, dass die Nachricht über sein vorzeitiges Ableben deutlich übertrieben gewesen sei. Ähnlich ist es bei mir auch.“

Parteisprecher Dünow reagierte zuvor wieder auf Twitter. Er schrieb den Satz: „Helmut Markwort war immer schon ein intimer Kenner der dt. Sozialdemokratie“. Mehr nicht, nur noch den Hashtag: #ihrbrauchtnichtmehranzurufen. Ende der Debatte? Nicht ganz. Dünow, der Parteisprecher schiebt noch eine Nachricht hinterher. Sein Tweet sei vor allem der Versuch gewesen, „ungestört von Presse-Anrufen zu tun, was Herr M offenbar schon länger tut: später Bier trinken.“ Ralf Stegner, der SPD-Vize, sagt es ähnlich: „Da hat Herr Markwort in München wohl zu viel Sonne abbekommen.“ Dünow setzt auf Twitter auch noch einmal nach: „Ich habe mir mal vorgenommen, nicht jeden Blödsinn durch ein Dementi zu adeln.“ Eine alte, durchaus kluge Kommunikationsstrategie. Aber sollte man eine Debatte auf Twitter kommentieren, um sie loswerden zu wollen, so unsinnig die Gerüchte auch sein mögen?

An diesem Montag soll Sigmar Gabriel bei einer großen Konferenz der SPD in Berlin auftreten - „dem Startschuss zur Programmarbeit für die Bundestagswahl 2017“, wie die Partei mitteilt. Er wird sich erklären können.

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