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Die sieben „Großen“ an einem Tisch: erste Arbeitssitzung beim G7-Gipfel am Sonntag. 

G7-Gipfel

G7-Gipfel: Hilfe für Amazonien

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In Biarritz machen die Staatenlenker Zusagen – und demonstrieren gute Stimmung.

Biarritz an der französischen Atlantikküste gleicht in diesen Tagen einer Festung mit gesperrten Straßen und Vierteln, geschlossenen Läden und Restaurants. Von Samstag bis zum heutigen Montag richtet es den G7-Gipfel aus – Präsident Emmanuel Macron wollte die Staats- und Regierungschefs Deutschlands, Großbritanniens, Italiens, Japans, Kanadas und der USA an einem strahlenden Ort empfangen, mit Blick auf den Ozean verhandeln.

Um das „Format weiterzuentwickeln“, wie es hieß, waren außerdem EU-Ratspräsident Donald Tusk für die Europäische Union, die Staats- und Regierungschefs von Südafrika, Australien, Indien und Chile, welches die nächste Weltklimakonferenz ausrichtet, sowie von Ruanda, Senegal, Burkina Faso und Ägypten mit eingeladen. Ebenso hatte er versprochen, die Zivilgesellschaft stärker einzubinden; demgegenüber beschwerten sich zahlreiche Nichtregierungsorganisationen darüber, deutlich weniger Akkreditierungen als bei früheren G7-Gipfeln und auch keinen Zugang zu den Medienvertretern bekommen zu haben.

Mit den aktuellen Handelsstreitigkeiten vor allem zwischen den USA und China, der Sorge über eine Eskalation des Konflikts mit dem Iran, die weiterhin schwelenden Krisen in Syrien und Libyen, Klimaschutz und ganz aktuell vor allem die verheerenden Waldbränden in Brasilien, die Macron kurzfristig mit auf das Programm gesetzt hatte, stand schwere Kost bei den Diskussionen an. Frankreich gab im vorab aus, es hoffe auf eine Einigung auf eine Mindestbesteuerung global agierender Digitalunternehmen. Demgegenüber hatte US-Präsident Donald Trump Macron für seine „Dummheit“ gegeißelt, eine nationale Digitalsteuer eingeführt zu haben und mit höheren Zöllen auf französische Weine gedroht.

Besuch aus dem Iran

Von diesen Konflikten war bei der Ankunft Trumps mit seiner Ehefrau Melania am Samstag hingegen nichts zu spüren. Der französische Präsident war erkennbar darum bemüht, eine herzliche Atmosphäre zu schaffen und die schönen Bilder zu liefern, die er sich von Biarritz versprochen hatte. So groß der Ärger unter den Einwohnern von Biarritz war, die sich in ihrem Alltag sehr gestört und aufgrund fehlender Informationen verunsichert fühlten – so demonstrativ bemühten sich die Staats- und Regierungschefs um gute Stimmung und Optimismus. Bundeskanzlerin Angela Merkel lobte Macrons Entscheidung, die Waldbrände am Amazonas auf die Tagesordnung des Gipfels zu setzen: „Unser Haus brennt – und da können wir nicht schweigen.“ Macron sagte am Sonntag, die sieben westlichen Industriestaaten seien überein gekommen, den betroffenen Staaten „so schnell wie möglich“ Unterstützung zukommen zu lassen.

Bei anderen Themen demonstrierte die Gruppe Uneinigkeit – etwa in der Iran-Politik. Am Sonntagnachmittag traf überraschend der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif in Biarritz ein.

So gelingt es Frankreichs Staatschef, sich als Gastgeber und Chef-Diplomat zu platzieren. Überraschend hatte er ein spontanes Mittagessen mit Trump organisiert – und ebenso überraschend sogar ein Fernsehteam hinzugeladen. Vor laufender Kamera redete er zunächst auf französisch auf Trump ein, der verdutzt zuhörte – ein kommunikationspolitisches Meisterstück, das Macron wohl vor allem mit Blick auf seine eigenen Landsleute eingefädelt hatte. Trotz dieser offensichtlichen Meinungsverschiedenheiten sagte Trump im Anschluss, das Mittagessen „mit Emmanuel“ war für ihn „das beste Treffen, das wir je hatten“: An dem Wochenende werde noch viel erreicht und entgegen anderer Verlautbarungen der Presse kämen „wir Leader“ sehr gut miteinander aus. Allerdings hatte 2017 die Einladung von Donald und Melania Trump auf die Ehrentribüne bei der Parade zum französischen Nationalfeiertag und zu einem spektakulären Abendessen am Eiffelturm den US-Präsidenten nicht umstimmen können, der aus dem Pariser Weltklimaabkommen ausgestiegen war.

Ein weiteres Sorgenthema bildete der Brexit. Der britische Premierminister Boris Johnson und Trump nutzten die Gelegenheit für ein Gespräch über den raschen Abschluss eines Handelsvertrags nach dem Brexit. Trump zufolge lief es „hervorragend“.

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