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Tête-à-Tête im Rathaus von Biarritz: Irans Außenminister Sarif (l., lachend) und Präsident Macron (r., hemdsärmelig).

G7-Gipfel

G7-Gipfel: Macrons (fast) perfekte Jonglage in Biarritz

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Gipfel-Gastgeber Emmanuel Macron  zeigt, was klassische Diplomatie noch alles vermag: Einiges, was längst unmöglich schien.

Als der französische Präsident Valéry Giscard d’Estaing 1975 zum ersten G6-Treffen lud, um die Folgen des Ölpreisschocks (die Reaktion der Opec auf en Yom-Kippur-Krieg von 1973) am Kaminfeuer zu beraten, war der heute 41 Jahre junge Emmanuel Macron noch nicht einmal geboren. Den G7-Gipfel in Biarritz leitete er nun aber wie ein diplomatischer Profi. Locker im Auftritt und fast perfektionistisch in der Umsicht kümmerte er sich um alles – inklusive der Menu-Folge. Letzteres gilt in Frankreich als fast so wichtig ist wie Geopolitik. Dazu jonglierte der Absolvent der Eliteschule ENA gleichermaßen souverän mit den komplexen Gipfelthemen wie mit noch komplexeren Egos seiner Gäste.

Aber im Gegensatz zum diplomatischen Alltag hielt sich Macron aber weder mit dem Ungefähren oder Ungesagten auf. US-Präsident Donald Trump überrumpelte er geradezu mit seiner scheinbar spontanen Einladung an den iranischen Außenminister Mohammed Jawad Sarif. Den britischen Ministerpräsidenten Boris Johnson ließ er bei allem Schulterklopfen spüren, was er von dessen – größtenteils von den Briten selbst verschuldeten – Brexit-Wirren hält. Und den (nicht in Biarritz weilenden) brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro zwang er aus der Distanz zu einem Armeeeinsatz gegen die Amazonas-Brände, indem er damit drohte, das Handelsabkommen ´der EU mit dem südamerikanischen Mercosur-Bündnis nicht zu unterzeichnen.

Mit einer feinen Prise Ironie kommentieren französische Medien, ihr Präsident sei „während eines Wochenendes Gebieter über die Welt“ gewesen: der „maître du monde“. Und Trump fand, Macron sei ein „great guy“, ein toller Kerl. Fast vergessen ging darob, dass der Gastgeber inhaltlich wenig erreichte, wenn man von der nicht im offiziellen G7-Programm aufgeführten Brandbekämpfung in Amazonien absieht. Bei der französischen Digitalsteuer gegen globale Internetriesen wie Google und Amazon kommt Macron nicht weiter; vermutlich wird er gar Abstriche machen müssen. Die Rückkehr des russischen Präsidenten Wladimir Putin zu einem G8-Gipfel bleibt offen, und in der Sahel-Krise gab es trotz vereinter Anstrengungen von Macron und Kanzlerin Angela Merkel keine Fortschritte.

Mehr hatte aber auch niemand erwartet. Macron selbst, der im Umgang mit Trump mittlerweile Erfahrung hat, hielt alle inhaltlichen Erwartungen bewusst gedämpft. Wichtiger war etwas anderes: Dank seiner G7-erfahrenen Einflüstererin Merkel gelang es ihm, Europas moderate Stimme durch ihren vermittelnden, multilateralen Ansatz einzubringen.

Das war auch bitter nötig bei all den nationalen – ja nationalistischen Tönen von Seiten Trumps, Johnsons und des Japaners Shinzo Abe. Die unflätigen Twittersprüche des Bolsonaro-Clans an Macrons Adresse verstärkten am Montag nur noch das Gefühl, dass es gut war, dass der G7-Gastgeber aus dem alten Europa kam.

Natürlich gefiel sich Macron auch selbst in seiner „schönen Rolle“, wie der Geopolitologe Pascal Boniface anmerkte. Sich bei den Gipfelgegnern fast schon anbiedernd, kritisierte er selbst das G7-Format, das er für seine Imagepflege aber ausnützte und dirigierte. Dem Klub der Reichen setzte er zwar das Gipfelthema der „globalen Ungleichheiten“ vor; den vielen Worten folgten aber keine Taten. Damit seine innenpolitischen Gegner mit den gelben Westen den Gipfel nicht stören konnten, ließ Macron jeden Verkehrskreisel in und um Biarritz von mehr als 13.000 Gendarmen und Polizisten besetzen.

Der Vorwurf, den Gipfel in eine One-Man-Show verwandelt zu haben, wird an Macron aber nicht lange kleben bleiben. Jedenfalls nicht länger als bis 2020. wird die Gastgeberreihe an den USA sein, und Trump will den G7 (oder G8), wie er am Montag sagte, zu sich nach Miami und dort eventuell auch in seine Privatresidenz einladen – für eine echte Politshow.

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