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Statue von Mussolini nebenan

G20-Gipfel in Rom: Staatschefs treffen sich auf faschistischem Prunkgelände

  • Kerstin Kesselgruber
    VonKerstin Kesselgruber
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Die Organisation des G20-Gipfels in Rom wählt eine bizarre Kulisse für das Treffen der Industrienationen: ein Prestigeprojekt des faschistischen Diktators Benito Mussolini.

Rom – Zur EUR in Rom schreibt der populäre Reiseführer Lonely Planet: „Zwangsläufig denkt man an Mussolini und die Faschisten, wenn man sich durch die Straßen mit ihrem brutalistischen Charme bewegt.“ EUR, das steht für „Esposizione Universale di Roma“ und sollte einst, im Jahr 1942, Austragungsort der Weltausstellung werden. Doch der Eintritt Italiens in den Zweiten Weltkrieg kam dem Diktator Benito Mussolini dazwischen.

Am diesem Wochenende nun ist die EUR Tagungsort des G20-Gipfels. In Rom kommen am Samstag (30.10.2021) und Sonntag (31.10.2021) die Staats- und Regierungschefs der sogenannten „20 wichtigsten Industrienationen“ zu ihrem Gipfeltreffen zusammen. Bereits am Freitag finden Gespräche statt. Mit dabei sind unter anderem Joe Biden, Präsident der USA, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der italienische Regierungschef Mario Draghi als Gastgeber des Gipfels. Ein wichtiges Thema ist der Klimaschutz. Aktivistinnen, Aktivisten und Entwicklungsorganisationen forderten die Industrienationen vorab auf, weitgehende Zusagen zu machen, globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Das gläserne Tagungszentrum „La Nuvola“ („die Wolke“), in dem sich ab Freitag Regierungschefinnen und -chefs zum G20-Gipel treffen, wurde erst 2016 fertiggestellt. Jetzt bringen sich dort Scharfschützen in Position.

Bizarre Kulisse des G20-Gipfels in Rom: Mussolini lässt grüßen

Die Kulisse, vor der der G20-Gipfel stattfindet, ist mindestens bizarr. Denn in Italien ist das Leben und Arbeiten in der Umgebung faschistischer Relikte gang und gäbe. Erst im Jahr 2015 eröffnete das italienische Luxusmodelabel Fendi seinen neuen Hauptsitz im Palazzo della Civiltà Italiana, einem der Symbole faschistischer Architektur. Die Inschrift ganz oben am Gebäude bezeichnet die Italienerinnen und Italiener als „ein Volk von Poeten, Künstlern, Helden, Heiligen, Denkern, Gelehrten, Seefahrern und Auswanderern“. Pikantes Detail: Dieses Zitat stammt aus einer Rede Mussolinis aus dem Jahr 1935, mit der er die Invasion Äthiopiens ankündigte. Der sogenannte Abessinienkrieg, in dem Italien mit brutaler Härte vorging, wurde später als „erster faschistischer Vernichtungskrieg“ bezeichnet.

Auch Benito Mussolini selbst ist noch an vielen Orten der EUR in Rom vertreten – zum Beispiel als Statue oder in einer hohen Reliefskulptur, in der er hoch zu Rosse und umrundet von Soldaten, Frauen und Kindern gezeigt wird. Doch vielen Menschen in Italien scheinen diese Relikte der hässlichen Vergangenheit ihres Landes gleichgültig zu sein. Wie die Washington Post schreibt, ist etlichen, die in der EUR leben und arbeiten, die Funktionalität und Modernität des Geländes weit wichtiger. „Sie hat Metrostationen. Sie ist modern. Sie ist lebenswerter als Rom“, sagte etwa der 49-jährige Lorenzo Volpato, der sich selbst als politisch links bezeichnet, gegenüber der Zeitung.

Im Jahr 2015 eröffnete das italienische Luxusmodelabel Fendi seinen neuen Hauptsitz im Palazzo della Civiltà Italiana in Rom, einem der Symbole faschistischer Architektur.

Vorteile des G20-Geländes in Rom: Es lässt sich leicht abriegeln

Für den G20-Gipfel hat die EUR in Rom entscheidende Vorteile: Sie ist weitläufig und einfach abzuriegeln. Das gläserne Tagungszentrum „La Nuvola“ („die Wolke“), in dem sich ab Freitag Regierungschefinnen und -chefs treffen, wurde erst 2016 fertiggestellt. Ob die Teilnehmenden sich jedoch überhaupt der Mahnung bewusst werden, die von einem solchen Gelände ausgeht, ist fraglich.

Proteste von G20-Gegnerinnen und -Gegner werden jedenfalls erwartet, Italien hat bereits Kontrollen an seinen Grenzen eingeführt, um sie zu stoppen. Tausende Polizist:innen, zusätzlich 500 Soldat:innen, Spezialeinheiten und eine Flugverbotszone über Teilen der Stadt sollen Ausschreitungen und Randale, wie unter anderem beim G20-Gipfel in Hamburg, verhindern. (kke mit dpa)

Rubriklistenbild: © Claudio Peri/Imago

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