Wirkt nett, ist knallhart ultra-konservativ und sieht bei Harry Potter den Teufel am Werk: Gerhard Maria Wagner.
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Wirkt nett, ist knallhart ultra-konservativ und sieht bei Harry Potter den Teufel am Werk: Gerhard Maria Wagner.

Gerhard Wagner

Fundamentalist wird Weihbischof

Papst Benedikt XVI. erntet erneut Kritik, und Kardinal Lehmann sieht in der Kirche einen "großen Bodensatz an Antisemitismus".

Nach dem weltweiten Sturm der Entrüstung um die Rehabilitierung des Holocaust-Leugners Richard Williamson hat der Papst jetzt eine Personalentscheidung getroffen, die neue Kritik hervorruft. Benedikt XVI. ernannte den ultrakonservativen österreichischen Priester Gerhard Wagner zum neuen Weihbischof der Diözese Linz. Das teilte der Vatikan am Samstag in Rom mit.

Der 54-jährige Wagner gilt als durchsetzungsstarker Fundamentalist. Kritik kam am Sonntag nicht nur aus liberalen Kirchenkreisen, sondern auch vom oberösterreichischen Landeshauptmann Josef Pühringer. Wagner polarisiert so lustvoll und zuverlässig wie kaum ein zweiter Priester in Österreich. Bekannt wurde der promovierte Theologe mit seinem Bannfluch gegen die Harry-Potter-Kinderbücher, in denen er "Satanismus am Werk" sah. In den Text seien "lateinische Fluchsprüche" eingebaut, die "im Unterbewusstsein" wirkten. Naturkatastrophen wie den Tsunami in Südostasien oder die Flut von New Orleans deutet Wagner als göttliche Strafen gegen eine verkommene Welt. Der Hurrikan Katrina habe New Orleans wohl auch getroffen, weil dort zwei Tage später die "Homo-Verbände" eine Veranstaltung angekündigt hätten, verkündete Wagner im Pfarrblatt. Nicht zufällig seien in der Stadt "mit den besten Bordellen und den schönsten Huren" auch "alle fünf Abtreibungskliniken" zerstört worden.

Mit der Ernennung Wagners setzte sich der Papst, ein guter Kenner der österreichischen Verhältnisse, über den Dreiervorschlag der Diözese hinweg. Wagner gehört seit vielen Jahren dem Linzer Priesterkreis an, einer ultrakonservativen Runde.

Unterdessen halten die Proteste gegen die Rehabilitierung von vier exkommunizierten Bischöfen der Piusbruderschaft, unter ihnen Williamson, an. Der deutsche Kardinal Karl Lehmann hielt der zuständigen Päpstlichen Kommission "Ecclesia Dei" Fehler vor. Der frühere Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz sagte "Welt online", Williamson habe sich unabhängig von der Leugnung des Holocaust schon öfter problematisch geäußert. "Dieses Wissen hätte man eigentlich voraussetzen müssen."

Der Kardinal kritisierte, dass sich die von Erzbischof Marcel Lefebvre gegründete Piusbruderschaft nie mit der Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils zur Religionsfreiheit abgefunden habe. Die Bewegung habe bedenkliche politische Positionen. Die Anhänger stünden teils in der Tradition der um 1900 entstandenen radikal nationalistischen "Action francaise", die sich militant katholisch und antisemitisch gegeben habe und von Pius X. 1914 für unvereinbar mit der katholischen Religion erklärt worden sei.

Auf die Frage, ob der Antisemitismus in der Kirche noch Rückhalt habe, beklagte Lehmann "einen ziemlich großen Bodensatz an Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit". Wenn er als Vorsitzender der Bischofskonferenz über das Verhältnis von Deutschen und Ausländern oder die Beziehung der Kirche zu den Juden gesprochen habe, seien die Reaktionen regelmäßig viel zahlreicher als bei allen anderen Themen und "zu einem großen Teil sehr unverschämt" gewesen. "Da gibt es noch ein großes Reservoir an Abneigung, ja auch an Hass."

Die deutsche Piusbruderschaft erklärte Williamson zur unerwünschten Person. Er dürfe bei den deutschen Brüdern nicht mehr auftreten, teilte die Gruppierung mit. mpn/dpa/kna/afp

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