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Fukushima Daiichi
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Blick auf das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi im Februar 2021. Zu sehen sind die zahlreichen Behälter in denen kontaminiertes Wasser aufbewahrt wird.

Atomkatastrophe von Fukushima

Nach Fukushima-Gau: Radioaktives Wasser soll wieder ins Meer gepumpt werden

  • Luisa Weckesser
    VonLuisa Weckesser
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Das Vorhaben schockt Japaner wie Nachbarländer: Radioaktives Wasser, das in Fukushima zum Kühlen benutzt wird, soll nach einer Behandlung ins Meer fließen.

Tokio - Japan will trotz aller Bedenken und Proteste riesige Mengen von radioaktivem Kühlwasser, die sich seit der Atomkatastrophe in Fukushima vor gut zehn Jahren angesammelt haben, wieder ins Meer leiten. Diese Entscheidung traf das Kabinett von Ministerpräsident Yoshihide Suga am Dienstag. Das Wasser soll zunächst gefiltert werden.

Der Kraftwerksbetreiber Tokyo Electric Power Company (Tepco) will voraussichtlich in zwei Jahren damit beginnen, das Wasser ins Meer einzuleiten.

Fukushima: Anwohner und Fischereiverbände fürchten um die Umwelt in Japan

Anwohner:innen, Umweltaktivist:innen und Fischereiverbände fürchten um die Umwelt und den für Japans Bevölkerung so wichtigen Fisch als Nahrungsmittel. Nachbarländer wie China, Taiwan und Südkorea sind empört. Auch der Umweltausschuss des Deutschen Bundestages reagierte mit Entsetzen.

Als Grund für das umstrittene Vorhaben gibt der Betreiber an, dass Platz für die Behälter auf dem Gelände der Atomruine Fukushima Daiichi fehle. Mit dem Wasser kühlt Tepco drei der Reaktoren, in denen es am 11. März 2011 nach einem Seebeben und einem darauf folgenden Tsunami zu einer Kernschmelze gekommen war. Fast 20.000 Menschen verloren bei der Katastrophe ihr Leben.

Radioaktives Wasser der Fukushima-Reaktoren: Experten warnen vor unzureichendem Filtern

Fachleute weisen darauf hin, dass radioaktiv verseuchtes Wasser auf dem Gelände zwar behandelt werde, aber das Filtersystem ALPS das Isotop Tritium nicht herausfiltern kann. Isotope sind Atomarten. Die Regierung von Japan und auch der Betreiber argumentieren, Tritium sei in geringen Mengen nicht schädlich für die menschliche Gesundheit.

Dem widerspricht die Bürgerkommission für Nukleare Energie mit Sitz in Tokio. Von dort hieß es, Tritium sei „immer noch radioaktives Material“ und sollte nicht in die Umwelt gebracht werden.

In der Kommission sitzen auch Fachleute, die der Regierung von Japan in einer Pressekonferenz einen Gegenvorschlag unterbreiteten: Statt das Wasser ins Meer zu leiten, solle es in einem mit Mörtel versiegelten System aus großen Tanks auf Land in Fukushima gelagert werden.

Südkoreanische Umweltaktivisten, die Schutzkleidung und eine Maske (R) des japanischen Premierministers Yoshihide Suga tragen, halten Bilder von Fischen mit Warnschildern für Radioaktivität hoch.

Radioaktives Wasser aus Fukushima soll ins Meer geleitet werden: Lebewesen und Sedimente am Meeresgrund besonders betroffen

Tritium ist anderen Meinungen zufolge nicht das einzige Problem. Das Tankwasser aus Fukushima belastet nach Angaben des Experten Ken Buesseler aus den USA noch andere radioaktive Isotope mit teils wesentlich längerer Halbwertszeit, die sich zudem deutlich stärker in Meereslebewesen und Sedimenten am Meeresgrund ansammelten. Sie bedeuten demnach weitaus länger und auf komplexeren Wegen eine potenzielle Gefahr für Mensch und Umwelt als Tritium.

Die Proteste von internationalen Nachbarn Japans kamen umgehend. „Diese Entscheidung der japanischen Regierung kann nicht akzeptiert werden“, sagte Südkoreas Minister für die Koordinierung der Regierungspolitik, Koo Yun Cheol, in Seoul. Koo warf Tokio vor, einseitig entschieden zu haben, ohne sich vorher ausreichend mit den Nachbarländern zu beraten. Die Freisetzung von verstrahltem Wasser bedrohe die Sicherheit dieser Länder und die Meeresumwelt.

Auch China kritisierte Japans Pläne scharf. Außenamtssprecher Zhao Lijian äußerte am Dienstag vor der Presse in Peking die „ernste Sorge“ der chinesischen Seite. „Es ist hoch unverantwortlich und wird sich schwer auf die Gesundheit und die Interessen der Menschen in Nachbarländern auswirken.“

Kühlwasser aus Fukushima: USA bewerten Pläne als transparent

Das US-Außenministerium teilte indes mit, Japan habe die Entscheidung transparent getroffen und scheine einen Ansatz für Fukushima gewählt zu haben, der den weltweit anerkannten Standards für nukleare Sicherheit entspreche.

Die Proteste gegen das Vorhaben sind in Japan diesmal ungewöhnlich stark. Aus Sicht von Kommentatoren ist aber schwer absehbar, ob sie das Projekt kippen können. Vor allem Chinas Reaktionen könnten großen Einfluss haben, hieß es. (dpa/luw)

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