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Fürchtet Rishi Sunak den „Cartoon-Tyrannen mit einer Spinne als Haustier“?

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Von: Alexander Eser-Ruperti

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Der Fall Gavin Williamson ist für Rishi Sunak ein Debakel, aus der Opposition hagelt es Kritik. Was wusste der Premierminister über die Mobbing-Vorwürfe?

London – Der britische Premierminister Rishi Sunak gibt im Fall Gavin Williamson eine unglückliche Figur ab. Der neue Regierungschef sagte laut Guardian: „Ich bedaure natürlich, jemanden ernannt zu haben, der unter diesen Umständen zurücktreten musste.“ Williamson hatte erst kürzlich wegen Mobbing-Vorwürfen seinen Hut nehmen müssen, unter anderem soll er als ehemaliger Verteidigungsminister einen hochrangigen Beamten aufgefordert haben, sich die „Kehle durchzuschneiden“. Die Opposition um Keir Starmer geht mit Sunak, der Williamson in sein Kabinett holte, hart ins Gericht – und unterstellt ihm Schwäche.

Premierminister Rishi Sunak und der „Cartoon-Tyrann mit einer Spinne als Haustier“ – Gavin Williamson

Für die Labour-Partei ist Rishi Sunaks Rolle im Fall des aufgrund von Mobbing-Vorwürfen zurückgetretenen Ministers Gavin Williamson eindeutig. Im Rahmen der „prime minister’s questions“ erklärte Labour-Chef Keir Starmer, der neue Premierminister habe sich nicht gegen „einen Cartoon-Tyrannen mit einer Spinne als Haustier“ durchsetzen können, berichtet der Guardian. Der Hintergrund seiner Anspielung: Unter Theresa May soll Williamson eine Vogelspinne im Büro gehalten haben, berichtet kreiszeitung.de. Starmer verweist mit seinen Bemerkungen auch auf Williamsons Ruf.

Der britische Premierminister Rishi Sunak hält eine Rede in London.
Der britische Premier Rishi Sunak steht wegen der Personalie Gavin Williamson unter Druck. © Pool / i-Images via IMAGO

Die Konsequenz ist für Starmer klar: „Wenn er sich nicht einmal gegen einen Cartoon-Tyrannen mit einer Spinne als Haustier wehren kann, wenn er zu viel Angst hat, sich der Öffentlichkeit bei einer Wahl zu stellen, welche Chance hat er dann, das Land zu regieren?“ Tatsächlich hatte es in Großbritannien wegen der Personalien Suella Braverman und Gavin Williamson Zweifel am Urteilsvermögen des Premiers gegeben. In der Opposition sieht man in der ursprünglichen Kabinettseinberufung Williamsons allerdings nicht nur eine schlechte Wahl – sondern Schwäche.

Rishi Sunak: Premierminister Englands „versteckt sich“ laut Keir Starmer hinter Gavin Williamson

Das Urteil Starmers zu Rishi Sunak: Der Premierminister Englands habe sich hinter Williamson „versteckt“, um nicht in dessen Schusslinie zu geraten. Starmer laut Guardian: „Jeder im Lande kennt jemanden wie den Abgeordneten für South Staffordshire, einen traurigen mittleren Manager, der Gefallen daran findet, seine Untergebenen einzuschüchtern“, so Starmer zum zurückgetretenen Gavin Williamson, den er einen „erbärmlichen Tyrannen“ nennt.

Der Oppositionspolitiker weiter über Rishi Sunak: „Aber jeder im Land kennt auch jemanden wie den Premierminister, den Chef, der so schwach ist, so besorgt, dass sich die Tyrannen gegen ihn wenden werden, dass er sich hinter ihnen versteckt. Was glaubt er, welche Botschaft er damit aussendet, wenn er sich auf die Seite der Tyrannen stellt und ihnen für ihre Loyalität dankt, anstatt sich mit ihnen anzulegen?“ Der Vorwurf gegenüber Rishi Sunak: Er soll Gavin Williamson aus Schwäche trotz bekannten Bullying Vorwürfen in sein Kabinett berufen haben.

Rishi Sunak und Gavin Williamson: Was wusste der Premierminister über die Mobbing-Vorwürfe?

Williamson soll nicht nur der ehemaligen Fraktionsvorsitzenden unter Liz Truss, Wendy Morton, in Textnachrichten gedroht haben, sondern auch gegenüber anderen Parteimitgliedern als Aggressor aufgetreten sein. Zwei namentlich nicht bekannte Quellen berichten laut Guardian, der Premierminister sei bei der Kabinettszusammenstellung auf Williamsons Verhalten in seiner Zeit als ehemaliger Verteidigungsminister aufmerksam gemacht worden – ohne Folgen.

Sunak selbst bestreitet, im Voraus von den „spezifischen Anliegen“ gewusst zu haben, glauben tun ihm das viele Beobachter vor dem Hintergrund aktueller Berichte nicht. Klar ist: Der Fall nagt, unabhängig davon, was er wirklich wusste, an Sunaks Glaubwürdigkeit. Die Einberufung Williamsons war in Anbetracht von dessen Vorgeschichte ohnehin ein Vabanquespiel – mit dem der neue Premierminister sich keinen Gefallen getan hat.

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