Lübcke-Prozess

Nach Geständnis von Stephan Ernst: Angehörige des Opfers äußern sich

  • Pitt v. Bebenburg
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Angehörige des ermordeten Regierungspräsidenten Walter Lübcke äußern sich erstmal zu dem Geständnis des Rechtsextremisten Stephan Ernst. Die Familie findet Ernsts Erklärung geradezu verletzend.

  • Stephan Ernst gesteht den Mord an Politiker Walter Lübcke.
  • Die Familie von Walter Lübcke erträgt das Geständnis kaum.
  • Die Angehörigen von Lübcke äußern sich.

Nach dem Geständnis des Angeklagten Stephan Ernst hat sich die Familie des ermordeten Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) zu Wort gemeldet. Es sei „für die Familie kaum zu verkraften, dass der Hauptangeklagte sein Geständnis mit ausufernden Erklärungen zu einer schweren Kindheit verbindet und zur Radikalisierung durch den Mitangeklagten H.“ verbinde, sagte der Sprecher der Familie, Dirk Metz.

Das klinge so, „als ob es normal sei, dass diese Umstände in eine so schreckliche Tat münden“. Stephan Ernst sei aber „nicht das Opfer“. Opfer seien vielmehr der ermordete Walter Lübcke, seine Frau, seine Söhne und die gesamte Familie.

Die Angehörigen von Walter Lübcke.

Lübcke-Prozess: Stephan Ernst gesteht vor Angehörigen

Lübckes Ehefrau und seine beiden Söhne hatten am Mittwoch im Oberlandesgericht Frankfurt verfolgt, wie Ernst sein Geständnis von seinem Verteidiger Mustafa Kaplan verlesen ließ und dann Fragen des Gerichts beantwortete. Ernst räumte ein, dass er Lübcke aus rechtsextremer Motivation erschossen habe. Der Mitangeklagte Markus H. habe ihn angestachelt, habe teilweise mit ihm gemeinsam das Wohnhaus der Lübckes ausgespäht und sei mit auf der Terrasse gewesen, als der tödliche Schuss fiel.

Der Rechtsanwalt der Familie Lübcke, Holger Matt, sagte, es sei ihr Ziel „zu erfahren, was in der Nacht vom 1. auf 2. Juni 2019 geschehen ist und wie es dazu kommen konnte“. Das „klare Geständnis des Hauptangeklagten“ zeige, dass die Tat über einen langen Zeitraum hinweg geplant worden sei.

Lübcke-Prozess: Stephan Ernst lud den Revolver mit fünf Schüssen

Die Verteidigung von Markus H. sprach von einer „Falschbelastung“ ihres Mandanten. H.s Verteidigerin Nicole Schneiders beantragte, die „Glaubhaftigkeit“ und „Aussagetüchtigkeit“ von Stephan Ernst begutachten zu lassen. Er weise „erhebliche psychiatrische Beeinträchtigungen“ auf und habe zudem selbst von psychischen Problemen berichtet.

Am Mittwochnachmittag hatte das Gericht intensiv bei Stephan Ernst nachgefragt, inwieweit es an jenem Abend geplant gewesen sei, auf Lübcke zu schießen. Ernst hatte den Revolver nach eigenen Angaben mit fünf Schüssen geladen.

Zunächst behauptete Ernst, man habe nur gegebenenfalls einen „Warnschuss“ abgeben wollen. Dann räumte der Angeklagte nach einigem Hin und Her ein, dass verabredet gewesen sei, gezielt auf Lübcke zu schießen. Markus H. habe sinngemäß zu ihm gesagt: „Wenn er dir blöd kommt, dann schießt du.“ Am Freitag und am Montag soll Ernst weiter befragt werden.

Rubriklistenbild: © KAI PFAFFENBACH

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