+
"Bambi" ist erwachsen geworden.

FDP unter Lindner

Fünf Prozent sind wieder in Reichweite

  • schließen

Wieder einmal sieht sich die Wackelkandidaten-Partei FDP auf dem Weg zurück zur Macht – auch dank der angeschlagenen AfD. Parteichef Christian Lindner ist so unangefochten wie kaum einer seiner Vorgänger.

So richtig anstrengend scheint die Politik für die Liberalen – Pardon: Freie Demokraten nennen sie sich neuerdings (wieder) – nicht zu sein. Katja Suding, der neue weibliche Star der Partei, hat vor ein paar Monaten mit dem Thai-Boxen begonnen. Da könne sie sich richten „auspowern“, sagte die Hamburgerin. Dank ihres Wahlerfolgs an der Elbe sieht die Partei zum ersten Mal wieder Land, nachdem sie 2013 den Wiedereinzug in den Bundestag verpasst hatte.

Auch Christian Lindner wirkt entspannt – auch wenn er im besten Sommerwetter mit Krawatte und Anzug herumläuft, als habe er gleich einen Auftritt beim Bankenverband. Aber der Vier-Tage-Bart, der seine Züge weniger weich aussehen lassen soll, ist zu ansehnlicher Dichte gewachsen. Nein, den wird keiner mehr „Bambi“ nennen, wie es einst sein Entdecker Jürgen Möllemann tat.

Der 36-jährige ist in seiner Partei heute so unangefochten wie lange keiner seiner Vorgänger. Zwar sind Erfolge in Hamburg und Bremen nicht die Welt, aber die Mehrheit der Meinungsforscher sieht die FDP inzwischen weder bei fünf Prozent. Forsa-Chef Manfred Güllner sieht in den aktuellen Werten eine komfortable Ausgangsposition, denn aller Erfahrung nach könnten die Liberalen im Endspurt eines Wahlkampfes erfahrungsgemäß genug Wähler mobilisieren.

In Lindners Parteizentrale haben sie einen ziemlich genauen Plan für den Wiederaufstieg gemacht. Der bleibt selbstverständlich unter Verschluss. Aber die Genesung schreitet schneller voran als erträumt. Und dass die FDP in Bremen, einer ihrer absoluten Schwachstellen, in die Bürgerschaft einzöge – das war beim besten Willen nicht zu planen.

Landesverbände entmachtet

Der wohl wichtigste innerparteiliche Erfolg Lindners war es, den selbstbewussten Landesverbänden die eigenständige Wahlkampfführung zu entwinden. Nun zahlt der Bund mit. Aber dafür entscheidet er auch mit. So entstehen Wahlkämpfe aus einem Guss und nicht mehr auf Kosten der Zentrale.

Die nächsten wichtigen Proben steht im kommenden Jahr an: Wahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt. Ein Erfolg dort wäre keine geringere Überraschung als der in Bremen. Aber in Mainz und Stuttgart muss es die Partei auf jeden Fall schaffen. Sonst ist ihr Erfolgs-Image gleich wieder dahin.

Die FDP versucht, das Beste daraus zu machen, dass sie nicht mit neuen frischen Gesichtern antritt, wie an Elbe und Weser, sondern mit altbekannten Visagen. Aber manchmal hilft der Zufall: Volker Wissing, ein altgedienter Finanzpolitiker aus dem Bundestag, ist in Mainz der einzige männliche Spitzenkandidat. Im konservativ bürgerlichem Milieu wie dort am Rhein kann das durchaus von Vorteil sein.

Die wichtigsten Werber für die FDP aber heißen Frauke Petry und Bernd Lucke. Die Spaltung und der Fall der AfD in den rechten Sumpf sind eine Kontrastfolie für das Auftreten einer seriösen bürgerlichen Partei. Um das zu unterstreichen, sagt Lindner sogar zu potenziellen AfD-Überläufern: Nein, danke!

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion