Rivalen: Nkosazana Dlamini-Zuma und Cyril Ramaphosa.
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Rivalen: Nkosazana Dlamini-Zuma und Cyril Ramaphosa.

Südafrika

ANC führt schmutzigen Parteikrieg

  • Johannes Dieterich
    vonJohannes Dieterich
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Der Kampf um die Macht in Südafrikas Regierungspartei wird mit allen Mitteln geführt. Offenbar wird auch vor Mord nicht zurückgeschreckt.

Im Vorfeld zur Wahl einer neuen Führung für den ANC im Dezember dieses Jahres ist in der südafrikanischen Regierungspartei ein erbitterter Konflikt mit Hetzkampagnen, Mordkomplotten und angeblichen Sabotageversuchen ausgebrochen. Im Mittelpunkt mehrerer Fälle von Rufmord steht der stellvertretende ANC-Präsident Cyril Ramaphosa, der derzeit als aussichtsreichster Nachfolger des in Misskredit geratenen Amtsinhabers Jacob Zuma gilt.

Dem verheirateten Ramaphosa wurde von einer Zuma nahen Zeitung vorgeworfen, mit mindestens acht Frauen sexuelle Affären zu unterhalten – ein Vorwurf, den der ehemalige Gewerkschaftsführer und spätere Geschäftsmann als Auftakt eines „schmutzigen Krieges“ zurückwies. Ramaphosa räumte nur eine längst beendete Affäre von vor acht Jahren ein. Auch ANC-Generalsekretär Gwede Mantashe sprach von „dreckigen Tricks“, die an die „dunkelsten Zeiten der Apartheid“ erinnerten.

Ramaphosa ist ein entschiedener Kritiker des in zahllose Skandale verwickelten Präsidenten Jacob Zuma, der nach zwei Amtsperioden nicht mehr zur Wahl antreten darf. Dafür hat Zuma seine Ex-Frau Nkosazana Dlamini-Zuma als Nachfolgerin vorgeschlagen – nach verbreiteter Auffassung, um sich so vor künftigen Strafverfolgungen zu schützen. Nach den Recherchen des unabhängigen Umfrageinstituts „Africa Insights“ ist Dlamini-Zuma unter ANC-Mitgliedern derzeit allerdings weit abgeschlagen: Sie kann nur mit der Unterstützung von 23 Prozent der „Comrades“ rechnen, während Ramaphosa auf Werte von fast 50 Prozent kommt. Außer Ramaphosa und Dlamini-Zuma sind noch weitere fünf Kandidaten im Rennen.

Angesichts der drohenden Gefahr für Jacob Zuma wird nun befürchtet, dass dessen Lager innerhalb der Regierungspartei den ANC-Kongress Mitte Dezember zu sabotieren versucht. Eigentlich sollte zu Beginn dieses Monats bereits der Nominierungsprozess innerhalb der Partei beginnen: Er musste jedoch wegen zahlloser Unregelmäßigkeiten in den ANC-Ortsgruppen erst einmal verschoben werden. Selbst Mitglieder fürchten nun, dass das Zuma-Lager den Kongress vorzeitig scheitern lassen könnte: „Es gibt da eine gewisse Gruppe, die die Konferenz sabotieren will“, ist sich der ANC-Veteran Mavuso Msimang sicher.

Tödlich wurde der ANC-interne Konflikt bereits in der Provinz Kwa-Zulu/Natal. In der Heimat der beiden Zumas kommt es immer wieder zu Mordanschlägen, jüngstes Opfer ist der ehemalige Generalsekretär der ANC-Jugendliga, Sindiso Magaqa, der als Gegner Zumas galt. Er starb Anfang dieser Woche in einem Durbaner Krankenhaus, nachdem er bei einem Anschlag Mitte Juli gemeinsam mit zwei Parteifreunden nur knapp dem Tod entgangen war.

Der 35-Jährige soll sich im Krankenhaus gut erholt haben, bis er am Wochenende plötzlich über starke Magenschmerzen klagte. Die Polizei ermittelt nun, ob Magaqa vergiftet wurde. In seinem Wahlkreis sollen bereits fünf Lokalpolitiker des ANC umgebracht worden sein. In keinem der Fälle wurde bislang jemand festgenommen.

Dass hinter der Hetzkampagne gegen Ramaphosa die kämpferische Zuma-Unterstützerin und ANC-Frauenliga-Präsidentin Bathabile Dlamini stehen könnte, bestritt deren Sprecherin mit den Worten, die Sozialministerin sei nicht einmal in der Lage, ihre eigene E-Mail-Box zu öffnen. Ihr könne deshalb nicht vorgeworfen werden, Ramaphosa belastende E-Mails gehackt und an die Presse weitergegeben zu haben.

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