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Schiitische Muslime verbeugen sich vor dem Bild des Geistlichen Mohammed Sadik el Sadr, der 1999 von Agenten Saddam Husseins ermordet worden war. Sein Sohn Moktada el Sadr hat in den vergangenen Wochen massive Kritik an den Besatzungstruppen in Irak geübt. Die US-Truppen in Irak beobachteten die ersten Freitagsgebete im Land nach der Tötung der mutmaßlichen Saddam-Söhne besonders gespannt, da Racheakte nicht ausgeschlossen wurden.

USA führen Journalisten präparierte Leichen vor

Gesichter der Toten, die Saddams Söhne sein sollen, wiederhergestellt / Militärs suchen verstärkt nach Ex-DiktatorDie USA haben am Freitag erstmals Journalisten die beiden Leichen gezeigt, bei denen es sich um die Söhne Udai und Kusai des irakischen Ex-Präsidenten Saddam Hussein handeln soll. Zugleich verstärkte die US-Armee die Suche nach Saddam. Mehr dazu im Dossier Irak nach dem Krieg

BAGDAD, 25. Juli (rtr/dpa/ap). Die Toten wurden in einer behelfsmäßigen Leichenhalle auf dem internationalen Flughafen in Bagdad gezeigt. "Sie scheinen die von Udai und Kusai zu sein", sagte Reuters-Korrespondent Andrew Marshall. Ein US-Vertreter sagte, an beiden Leichen seien "Gesichtspartien wiederhergestellt" worden. Dies sei gängige Praxis und nicht der Versuch, die irakische Bevölkerung zu täuschen. "Leichenbestatter haben daran gearbeitet, damit sie so sehr wie möglich den Gesichtern der Brüder gleichen, als diese am Leben waren", hieß es. So wurde der für Kusai untypische Bart, der auf den US-Fotos zu sehen war, abgenommen bis auf einen Schnurrbart, den er üblicherweise trug. In Udais Gesicht war anscheinend eine klaffende Wunde geschlossen worden, die auf dem Foto noch zu sehen war. Militärärzte erklärten, Udai Hussein sei offenbar an einem Kopfschuss gestorben.

Die US-Streitkräfte veröffentlichten zugleich die Autopsieberichte und erklärten, jede der beiden Leichen weise mehr als 20 Schusswunden auf. Die Leichen sollten in einem Kühlhaus auf dem Flughafen Bagdads bleiben, bis ein Angehöriger einen Antrag auf Bestattung stelle. Die Zeitung Al-Sharq Al-Awsat berichtete, bei der Identifizierung der Leichen hätten den Amerikanern auch Saddam Husseins Halbbrüder Watban und Barsan Ibrahim al-Tikriti geholfen, ferner der ehemalige Außenpolitiker Tarik Aziz und Saddam Husseins Privatsekretär Abid Hamid al-Tikriti.

Unterdessen intensivierte die US-Armee ihre Suche nach Saddam Hussein. Dem arabischen TV-Sender Al Dschasira zufolge griffen US-Soldaten im Morgengrauen ein Haus in Falludscha an, weil sie Saddam dort vermuteten. Falludscha ist eines der Hauptzentren des Widerstandes gegen die Besatzungstruppen. Der kurdische Vize-Gouverneur von Mosul, Ibrahim Arafat, erklärte hingegen, die US-Amerikaner glaubten, dass sich Saddam auch in der nordirakischen Stadt verborgen halten könnte. Der gestürzte Machthaber verstecke sich mit Hilfe von Stämmen, an die er Geld verteile, sagte Arafat.

Die japanische Opposition scheiterte mit einem Misstrauensantrag gegen die Regierung wegen der geplanten Entsendung von Soldaten für den Wiederaufbau Iraks. Nachdem das Unterhaus des Parlaments der Entsendung bereits zugestimmt hatte, wollte die Regierung von Premier Junichiro Koizumi den Entwurf bis spätestens zum Ende der bis Montag laufenden Parlamentssession auch durch das Oberhaus bringen. Die ersten 30 von insgesamt 500 bulgarischen Soldaten für den von Polen geführten Teil der Besatzungstruppe verließen am Freitag Sofia.

Der Mord an den irakischen Dissidenten Madschid Hussein und Asad Dschundi in Schweden Mitte 1985 wird neu überprüft. Dabei soll einer möglichen Verwicklung des irakischen Ex-Informationsministers Mohammed Said el Sahhaf nachgegangen werden, teilte die schwedische Polizei mit. Sahhaf war von 1985 bis 1987 Botschafter Iraks in Schweden. Madschid Hussein hatte sich Ende 1984 als übergelaufener Geheimdienstoffizier bezeichnet und die Benennung irakischer Agenten angeboten, falls ihm Asyl gewährt werde. Sieben Monate später wurde er, in 54 Stücke geschnitten, am Stadtrand von Stockholm aufgefunden. Dschundi wurde wenig später erstochen.

Dossier: Irak nach dem Krieg

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