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Frontbesuch in der Zukunft

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Von: Peter Rutkowski

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Ukrainischer Panzerjäger im Donbass mit „Matador“. afp
Ukrainischer Panzerjäger im Donbass mit „Matador“. afp © AFP

Der ukrainische Präsident Selenskyj besucht seine Truppen im Süden und verleiht Tapferkeitsorden.

Wolodymyr Selenskyj besucht die im Süden bei Mikoajiw stehenden Truppen und verleiht Grenzschützern in Odessa Tapferkeitsorden. So geschehen am Wochenende; bemerkenswert nur deshalb, weil der ukrainische Präsident in den nun 115 Tagen der russischen Invasion Kiew sonst fast nie verlassen hat. Oder ist das mehr als Propaganda?

Jüngst hat Selenskyj die Befreiung der Krim (mit deren Besetzung 2014 der Krieg tatsächlich begann) als Kriegsziel herausgegeben und den Westen gehörig verschreckt – was beweist, dass viele im Westen einen „Low-intensity“-Stellungskrieg wie 2014 bis 2022 im Donbass gerne als neue „friedliche“ Normalität akzeptieren würden. Kann sein, dass Kiew das auch wird akzeptieren müssen – aber nur dann, wenn es gar keine andere Chance gibt. Ein so aufmerksamer Militärdiplomat wie Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat darauf bereits reagiert und am Sonntag prognostiziert, man habe sich auf mehrere Jahre Krieg einzurichten. Weshalb gilt, so der Nato-Chef: Aufstecken ist nicht. Und „Kriegsmüdigkeit“ bei nicht Kriegführenden gebe es auch nicht, wie der britische Premier Boris Johnson just in Kiew warnte.

Aber zurück in den Süden: Sieht man von Mariupol ab, fällt auf, wie schnell die Russen zu Beginn der Invasion bis kurz vor Odessa durchstoßen konnten. Das heißt: Es kann genauso schnell in die entgegengesetzte Richtung gehen. Im Donbass verbluten zur Stunde viele der russischen Truppen, die vor kurzem noch im Süden waren. Der Besuch des ukrainischen Präsidenten im T-Shirt an der Südfront? Ein Fingerzeig.

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