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Anruf nach Russland abgefangen: „Wenn jemand fliehen will, dann töten wir sie“

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Von: Tim Vincent Dicke

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Der Ukraine-Krieg verläuft blutig. Fliehen ist für die russischen Zwangsrekruten kaum möglich. Ein Telefonat offenbart den „Horror“ an der Front.

Kiew – Der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU hat einen Anruf eines russischen Rekruten abgefangen und veröffentlicht. In dem Telefonat mit einer Frau in seiner Heimat Russland schildert der Kämpfer die Situation an der Front. Er behauptet darin, dass man nicht fliehen könne – es sei denn, man wolle von den eigenen Leuten erschossen werden.

Zunächst erzählt der mobilisierte Soldat, die militärische Führung hätte ihnen gar nicht mitgeteilt, dass sie in der Ukraine wären. „Kannst du das fassen?“, sagt er zu der Frau am anderen Ende der Leitung. Man hätte seinem Trupp gesagt, sie würden an einer Übung teilnehmen. „Verdammt, ja, das wissen wir. Aber wir haben alle Abteilungen angeschrieben, niemanden interessiert es“, antwortet die Frau. Da die Angaben vom ukrainischen Geheimdienst stammen – und damit von einer Konfliktpartei – ließen sich die Angaben nicht unabhängig überprüfen.

Mobilisierte russische Soldaten
Eingezogen für den Ukraine-Krieg: Unter vielen der russischen Rekruten ist die Moral verheerend. (Archivbild) © Mikhail Tereshchenko/imago

Ukraine-Krieg: Verschleiert Russland die Verluste?

Dass viele Kombattanten nicht wissen, dass sie in den blutigen Ukraine-Konflikt geschickt werden, hatten bereits zuvor abgehörte Telefonate eindrucksvoll gezeigt. „Niemand hat uns gesagt, dass wir in den Krieg ziehen würden. Sie haben uns einen Tag vor unserer Abreise gewarnt“, sagte beispielsweise ein Soldat am Telefon, über den die New York Times Ende September berichtet hatte.

In dem jetzt veröffentlichten Gespräch bezichtigt der Soldat die Militärführung der Lüge. Die schweren Verluste Russlands im Ukraine-Krieg wolle man verschleiern. „Sie haben euch auch die Leichen noch nicht geschickt und sie werden das in nächster Zeit auch nicht machen“, erklärt der Kämpfer. Es gebe allerdings viele tote Soldaten aus der Stadt Lipezk sowie der Region Lebedjan.

„Was für ein Horror“ in der Ukraine

Dann geht die Unterhaltung weiter. „Verdammt. Igoryok hat angerufen. Er hat gesagt, dass ihr nichts zu essen habt“, sagt die Frau. Der Soldat antwortet: „Hier gibt es kein Essen, das stimmt. Die, die kein Geld haben, essen die scheiß Getreidekeime vom Feld. Und sie haben uns Gefängnisinsassen geschickt. Sie wurden ganz vorne an die Front gebracht. Und wir haben hinter ihnen gesessen. Wenn jemand fliehen will, dann töten wir sie.“

„Was für ein Horror“, erwidert die Russin. Nüchtern sagt daraufhin der Rekrut: „So ist es aufgebaut. Wir sind die Zweiten in der Linie und überwachen die Ersten. Und hinter uns ist eine weitere Linie, auch wir können nicht zurück. Es ist also unmöglich, wegzurennen. Deine eigenen Leute würden dich erschießen.“ (tvd)

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