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Leben an der Front: „Sie schießen, wir verstecken uns – das war‘s.“

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Von: Lucas Maier

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Drei Frauen stehen am Schauplatz einer Explosion neben ihrem Haus welches nach angeblichem Beschuss durch moskautreue Separatisten beschädigt wurde.
Drei Frauen stehen am Schauplatz einer Explosion neben ihrem Haus welches nach angeblichem Beschuss durch moskautreue Separatisten beschädigt wurde. © Evgeniy Maloletka/dpa

Zwischen der Ukraine und Russland eskaliert die Situation zunehmend. Doch wie ergeht es den Menschen an der Front?

Marinka – Kein Strom, kein Wasser und Artilleriebeschuss: Das Leben an der Front des Ukraine-Konfliktes ist hart. Nur wenige Meter von der Frontlinie in der Stadt Marinka lebt Walentina Gordejewa.

Die 65-Jährige wurde zuletzt bei einem Artillerieangriff durch ein Schrapnell verletzt, wie Al Jazeera berichtet. Sie hatte noch versucht sich in einem Geschäft zu verstecken, doch das Geschoss war schneller.

Front im Ukraine-Konflikt: Vier Zivilistinnen und Zivilisten durch Angriffe verwundet

Bei dem Angriff wurde die Frau an der Hand verletzt. Sie ist eine von vier Zivilistinnen und Zivilisten, die seit Donnerstag (17.02.2022) durch den Beschuss der von Russland unterstützten Separatisten verwundet wurde.

Ich hielt eine Tasche in der Hand und spürte Schmerzen, und dann sah ich, wie Blut an meiner Tasche herunterlief

Walentina Gordejewa (65) gegenüber Al Jazeera

Bei dem Angriff auf die Ukraine*, wurde auch eine Schule getroffen, wie Gordejewa gegenüber Al Jazeera angab. In der 10.000 Einwohner umfassenden Stadt haben sich die meisten an die drohende Gefahr durch pro-russische Geschosse gewöhnt. In der Stadt gibt es kaum noch intakte Dächer oder Fenster.

Angriffe auf die Ukraine: Verstärkter Artilleriebeschuss an der gesamten Front

Ukraine-Konflikt: So dürfte auch das Schrapnell ausgesehen haben, welches Walentina getroffen hat.
Ukraine-Konflikt: So dürfte auch das Schrapnell ausgesehen haben, welches Walentina getroffen hat. (Archivfoto) © Oleksandr Ratushniak/DPA

In den vergangenen Tagen seien die Angriffe jedoch so schlimm gewesen wie seit langem nicht mehr. Es wurden Wohngebiete und sogar ein Kindergarten getroffen, wie Al Jazeera schreibt. Auch das Innenministerium der Ukraine teilte am Samstag (19.02.2022) mit, das sich der Artilleriebeschuss an der gesamten Front verstärkt habe.

Soldaten an der Front im äußersten Osten der Ukraine berichteten gegenüber Al Jazeera, dass der Beschuss in der Nacht zu Freitag (18.02.2022) der bisher schwerste war. Am Samstag fielen auf Seite der Ukraine zwei Soldaten den Angriffen zum Opfer, vier weitere wurden verletzt.

Säbelrasseln von Russland: Viele Menschen in der Ukraine zeigen sich unerschütterlich

Trotz der anhaltenden Warnungen der Westmächte, zeigen sich viele Menschen in der Ukraine unerschüttert vom Säbelrasseln aus Russland* und den Separatisten-Gebieten. Die neue Angriffswelle treibt jedoch viele weiter ins Landesinnere. So auch Blinova Tetiana Anatolivna. Sie floh mit dem Auto von Wolnowacha nach Mariupol, wie Al Jazeera schreibt.

Ich habe Verwandte in Donezk, und alles, was sie wollen und ich will, ist Frieden.

Blinova Tetiana Anatolivna (46) gegenüber Al Jazeera

Die Zeit zur Flucht* war für Anatolivna gekommen, als die Wasserpumpstation in ihrer Stadt getroffen wurde. Auf den Schultern der Menschen, die noch in der Front-Region bleiben, wird wahrscheinlich die Hauptlast des anstehenden Konfliktes zwischen Russland und der Ukraine liegen. Viele von ihnen sind alt, krank oder haben schlicht weg nicht genug Geld, um von dort zu verschwinden. Laut Hilfsorganisationen brauchen bereits jetzt 2,9 Millionen Menschen in den Frontgebieten humanitäre Hilfe.

Ukraine-Front: Nochmal will Gordeyeva nicht umziehen – Ihre Kinder drängen aber

Auch Gordeyeva wird von ihren Kindern immer mehr dazu gedrängt, das Gebiet an der Front zu verlassen. Bereits im Jahr 2014, als der Konflikt begann, war sie in ein anderes Dorf gezogen. Nochmal will sie ihr Haus eigentlich nicht verlassen, wie Al Jazeera berichtet.

Es wird etwas Großes passieren. Wir wissen nicht genau, was, aber wir haben große Angst.

Walentina Gordejewa (65) gegenüber Al Jazeera

In einem kleinen Dorf am südöstlichen Rand von Marina ist seit einer Woche der Strom ausgefallen. Die Bewohnerinnen und Bewohner fürchten, dass auch das Wasser bald ausbleiben könnte.

Ukraine-Konflikt: Bunker anstatt Freieheit und

Die 65-jährige Olena Ivanivna lebt mit ihren drei Enkelkindern in dem Dorf. Den Großteil der letzten Woche mussten die vier in Bunkern verbringen, wie Al Jazeera berichtet.

Jetzt verlassen wir unsere Häuser nicht mehr. Sie schießen und wir verstecken uns. Das war‘s.

Olena Ivanivna (65) gegenüber Al Jazeera

Vom Haus der Frau kann man die Separatisten-Gebiete sehen. Seit einem Jahr habe es keinen Beschuss mehr gegeben, berichtet sie gegenüber Al Jazeera. Doch jetzt haben sie „den Verstand verloren“, so die 65-jährige. (Lucas Maier) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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