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So könnte es aussehen im August – oder eher doch nicht? Testlauf für die Spiele in Japan. TRIBALLEAU/AFP
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So könnte es aussehen im August – oder eher doch nicht? Testlauf für die Spiele in Japan. TRIBALLEAU/AFP

Corona-Virus

Front gegen „Tokyo 2020“ wächst

  • VonFelix Lill
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Japanische Fachleute fordern die Absage der Olympischen Spiele, weil sie an den Sicherheitsversprechen zweifeln. Das Event drohe ein Epizentrum neuer Infektionen zu werden.

Das Risiko ist sehr hoch, dass ,Tokyo 2020‘ ein Epizentrum neuer Infektionen wird“, sagt Haruka Sakamoto. Rund 11 000 Athlet:innen werden diesen Sommer in die japanische Hauptstadt reisen, hinzu kommen Tausende Betreuer:innen und Medienschaffende – die Paralympischen Spiele danach nicht mitgezählt. In der aktuellen Situation grenze dies an Irrsinn, findet die Gesundheitsexpertin der renommierten Tokioter Keio Universität, die sich einst selbst auf die Spiele freute. Heute sagt sie: „Selbst ohne Zuschauer aus dem Ausland ist die Besucherzahl noch riesig.“

Die Diskussion, ob Tokio wirklich wie geplant die Olympischen Spiele austragen sollte, ist in den vergangenen Wochen hitziger geworden. Immer mehr Fachleute beziehen Stellung. „Wenn jetzt alles gecancelt wird, bleibt nur ein großer Schuldenberg. Und für all die Athleten würde der größte Traum zerplatzen“, sagt Haruka Sakamoto. „Aber aus der Perspektive der öffentlichen Gesundheit sollten die Spiele abgesagt werden.“ Eine sonderlich kontroverse Einschätzung vertritt die Ärztin damit nicht.

Zweieinhalb Monate vor dem geplanten Beginn der größten Sportveranstaltung der Welt steckt deren Gastgeberstadt tief in Problemen. Schon derart oft haben die Verantwortlichen für die Organisation betont, „Tokyo 2020“ werde definitiv am 23. Juli starten, dass sie sich kaum noch umentscheiden können. Am Montag sagte Premierminister Yoshihide Suga vorm Parlament: „Wir werden unser Bestes tun, um das Leben und die Gesundheit der Menschen zu schützen und ein sicheres Sportfest zu realisieren.“ Zugleich spricht immer mehr für eine Kehrtwende. Am 17. Mai sollte IOC-Präsident Thomas Bach für letzte Besprechungen nach Japan kommen. Kurzerhand aber wurde der Besuch am Montag auf Juni verschoben. Schließlich herrscht in Tokio und drei weiteren Metropolregionen des ostasiatischen Landes der Ausnahmezustand. Und da die Neuinfektionszahlen auch nicht genügend sinken, wurde der Appell zum Daheimbleiben nun bis Ende Mai verlängert. Zwar ist Japan mit rund 630 000 Infektions- und 11 000 Todesfällen insgesamt relativ milde vom Coronavirus betroffen. Im Land mit einer schnell alternden Bevölkerung ist das Gesundheitssystem dennoch an seinen Grenzen.

Die Sicherheit aller Beteiligten habe „oberste Priorität“, heißt es immerzu seitens der Organisation. Ende April legte sie die zweite Version des „Playbook“ vor, das die Regeln für die Athlet:innen vorgibt. Sie sollen demnach alle täglich getestet werden, die japanische Corona-App auf ihrem Smartphone installieren und keine öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Während der Spiele gelten außerhalb der Wettkämpfe Abstandsregeln. Nach der Abschlussfeier am 6. August müssen sie binnen 48 Stunden das Land wieder verlassen. Für die Paralympics gilt das Gleiche.

Doch das Playbook hat Lücken. So sollen alle Athlet:innen im Olympischen Dorf untergebracht werden, wie üblich in Mehrbettzimmern. Warum sie nicht auf die Hotels aufgeteilt werden, die wegen des Ausschlusses von Zuschauern aus dem Ausland leer bleiben, hat die Organisation auf Anfrage nicht beantwortet. Doch sollen 300 Hotelzimmer freigehalten werden, falls sich Athlet:innen doch infizieren. Dass es bei „Tokyo 2020“ zur Weitergabe des Virus kommt, ist also einkalkuliert.

So bleibt nur die Hoffnung auf schnelle Fortschritte beim Impfen. Vergangene Woche verkündeten Biontech und Pfizer einen Deal mit dem IOC über die Bereitstellung von Impfstoff für alle Olympiateilnehmer:innen. Die Auslieferung soll Ende Mai beginnen. IOC-Präsident Bach appellierte an die Teilnehmer:innen, „mit gutem Beispiel voranzugehen und sich impfen zu lassen“.

Das Virus in Japan.

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