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„Man spuckt ihnen ins Gesicht“ - Friedrich Merz und die Silvester-Debatte

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Von: Martin Benninghoff

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Carlo Masala am 11. Januar bei „Markus Lanz“ im ZDF.
Carlo Masala am 11. Januar bei „Markus Lanz“ im ZDF. © Markus Hertrich/ZDF

Debatte nach Silvester-Krawallen: Der Politikwissenschaftler Carlo Masala kritisiert Äußerungen von Friedrich Merz bei Lanz-Talk im ZDF.

Frankfurt/Berlin – Silvester ist längst Geschichte, doch die Debatte über Krawalle in Berlin und anderen Städten glimmt immer noch nach. Nachdem der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz in der Talksendung von Markus Lanz (ZDF) am Dienstagabend über „Araber“ und „kleine Paschas“, die sich nicht integrieren wollten, geklagt hatte, hagelte es am Mittwoch und Donnerstag empörte Reaktionen.

Eine der interessanteren stammt von Carlo Masala, der am späten Mittwochabend bei Lanz im TV-Studio saß. Als der Militär-Experte direkt auf Merz’ Aussagen angesprochen wurde, hielt Masala, ein Sohn sogenannter Gastarbeiter aus Italien, nicht hinter dem Berg mit seiner Kritik. Die Debatte in der Politik erzürne ihn „über die Maßen“. Zweifellos seien an den Krawallen auch Menschen mit Migrationsgeschichte beteiligt gewesen, wie sollte dies auch anders sein angesichts der Bevölkerungsstruktur im Berliner Stadtteil Neukölln.

Kritik an Merz nach Markus Lanz-Talkshow (ZDF)

Doch solche pauschalen Aussagen wie die von Friedrich Merz seien empörend. „Man spuckt all denjenigen ins Gesicht, die hier seit zwei, drei Generationen leben“, sagte Masala. Es gebe zwar zweifellos Probleme bei der Integration. Aber diese würden entstehen, weil es in Deutschland nie eine wirkliche Integrationspolitik gegeben habe. Menschen hätten noch in der Generation seiner Eltern wie „in Ghettos“ gelebt, Deutsch-Angebote habe es kaum gegeben.

Masala, der als renommierter Professor für Internationale Politik normalerweise zum Ukraine-Krieg befragt wird, erzählte aus seiner eigenen Geschichte. Als junger Erwachsener habe er selbst Diskriminierung und „Racial Profiling“ erlebt, das seien „bittere Erfahrungen“ gewesen, zumal der heute 54-Jährige von einem Polizeiverhör erzählte, zu dem er vorgeladen worden war, weil er als „Südländer“ in einen Kreis von Verdächtigen geraten sei.

ZDF-Talk Markus Lanz: Masala kritisiert gesellschaftliches Klima

Noch kürzlich sei er gefragt worden, wie es denn sein könne, dass „ein Italiener die Bundeswehr berät“. Interessant war Masalas Erzählung auch deshalb, weil er den Bogen zu anderen Nationalitäten schlug. Als Italienischstämmiger sei er noch stärker anerkannt als Menschen aus der Türkei oder dem arabischen Raum. Wie sollten sich „Ali, Ahmet oder eine Aische“ in diesem gesellschaftlichen Klima fühlen?

Ebenso sei die Kritik am geplanten Staatsbürgerschaftsrecht vonseiten der Union unsäglich. Es würde davon gesprochen, die deutsche Staatsbürgerschaft „zu verramschen“ – dabei gehe es um Menschen, die „mittlerweile ihre Kinder und Enkel hier haben, die Rente und Arbeitslosenversicherung gezahlt haben“. Hochqualifizierte würden sich überlegen, bei diesem gesellschaftlichen Klima noch einzuwandern. (Martin Benninghoff)

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