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US-Senator Lindsey Graham sagt Treffen mit Friedrich Merz ab

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Von: Nail Akkoyun, Johanna Soll

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Erst wollte CDU-Chef Merz den rechten US-Senator Graham treffen. Dann kam die Absage des Amerikaners: Konservative dürften sich nicht „gegenseitig canceln“.

Berlin – Erst sorgte das angekündigte Treffen des CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz mit dem rechten republikanischen Senator Lindsey Graham (South Carolina) für Empörung. Dann sagte die baden-württembergische Landesvertretung in Berlin, in der das „transatlantische Forum“ ausgerichtet werden sollte, die Veranstaltung ab. Man befürchtete wegen der starken Nähe einiger der Redner zur AfD einen Rufschaden für die Landesvertretung.

Daraufhin sagte auch Friedrich Merz ab, angeblich „wegen des geänderten Programms“. Mit Lindsey Graham bleibe er jedoch verabredet. Merz musste für seinen Rückzieher von der rechtskonservativen Veranstaltung allerdings Kritik und Häme aus den USA einstecken. So ätzte der ehemalige Botschafter der USA in Deutschland, Trump-Republikaner Richard Grenell, Friedrich Merz sei vor dem „woken Mob“ in Deutschland eingeknickt. Der „jämmerliche Merz“ solle sich schämen.

Jetzt kommt eine weitere Klatsche für den konservativen CDU-Mann hinzu: Lindsey Graham hat ihm abgesagt – und ihn im Zuge dessen heftig kritisiert. Graham habe nicht vor, Friedrich Merz zu treffen, berichtete zuerst bild.de. „Bei Konservativen geht es um einen offenen, ehrlichen Dialog, in dem Standpunkte dargelegt werden und die Menschen zusammensitzen und einander zuhören“, wird Graham zitiert. Konservative würden sich „nicht gegenseitig canceln, bevor sie sprechen“. Das sei kennzeichnend für demokratische und konservative Werte. Folge man diesen Prinzipien nicht, „dann sind wir nicht anders als die Linken“.

Die geplante Veranstaltung der rechtskonservativen Kampagnenagentur „The Republic“ hatte zuvor für Kritik gesorgt, unter anderem weil Lindsey Graham ein Anhänger des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump ist.

Gäste aus der rechten Ecke: Friedrich Merz will Forum fernbleiben

Der Republikaner Graham unterhielt einst ein schwieriges Verhältnis zu Donald Trump, stärkte ihm während dessen Impeachment-Verfahrens jedoch den Rücken und focht ebenfalls die Ergebnisse der US-Wahl 2020 an – bis heute behauptet ein Großteil der Republikaner:innen, dass der Wahlausgang manipuliert gewesen wäre und Joe Biden nicht der rechtmäßige Präsident der USA sei.

„Angesichts der seit Jahren voranschreitenden Radikalisierung der Republikanischen Partei ist das eine bemerkenswerte Konstellation“, kritisierte SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert das geplante Treffen im Gespräch mit t-online.de. Auch der Grünen-Abgeordnete Konstantin von Notz übte Kritik an Friedrich Merz: Der CDU-Vorsitzende mache sich „politisch unmöglich“, sagte von Notz gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Wie Zeit-Journalistin Mariam Lau auf Twitter berichtet, hätten aber auch die angekündigten Teilnahmen des rechten Publizisten Henryk M. Boder sowie des AfD-nahen Anwalts Joachim Steinhöfel für Merz Absage gesorgt. In einem Bericht von spiegel.de, indem sich auf Parteikreise bezogen wird, heißt es, dass Friedrich Merz die Teilnahme bestimmter Gäste nicht bewusst gewesen sei. (nak/jso)

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