Friedrich Merz (CDU) sorgt sich um die Arbeitsmoral in Zeiten von Corona. Außerdem schlagen seine Äußerungen über Pädophilie hohe Wellen.
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Friedrich Merz (CDU) sorgt sich um die Arbeitsmoral in Zeiten von Corona. Außerdem schlagen seine Äußerungen über Pädophilie hohe Wellen.

Corona-Krise

Friedrich Merz stellt Verbindung zwischen Homosexualität und Pädophilie her

  • Katja Thorwarth
    vonKatja Thorwarth
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  • Moritz Serif
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Der CDU-Politiker Friedrich Merz legt nach seinen Äußerungen über Corona und den Arbeitsmarkt nach - und stellt eine Verbindung zwischen Homosexuellen und Pädophilie her.

  • Friedrich Merz (CDU) äußert sich zur Corona-Krise.
  • Zu viele Menschen hätten sich seit Corona-Krise an Leben ohne Arbeit gewöhnt.
  • Außerdem schlagen Äußerungen des Politikers über Pädophilie hohe Wellen.

Update, 15.55 Uhr: Im Online-Talk der „Bildzeitung“ hat CDU-Kanzlerkandidat Friedrich Merz sich besorgt darüber geäußert, dass sich viele Deutsche wegen der Corona-Krise an ein „Leben ohne Arbeit“ gewöhnen könnten. Nun sorgt eine weitere Aussage des Politikers für Diskussionen.

Ein „Bild“-Moderator hatte Friedrich Merz nämlich gefragt, ob er Vorbehalte hätte, wenn heute ein „Schwuler Bundeskanzler werden würde“. Merz antwortete darauf: „Die sexuelle Orientierung geht die Öffentlichkeit nichts an. Solange sich das im Rahmen der Gesetze bewegt und solange es nicht Kinder betrifft – an der Stelle ist für mich allerdings eine absolute Grenze erreicht – ist das kein Thema für die öffentliche Diskussion“.

Friedrich Merz unterstellt Homosexuellen Pädophilie: Scharfe Kritik von Spahn, Kühnert und Klingbeil

Daraufhin äußerte sich Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der mit einem Mann verheiratet ist. „Wenn die erste Assoziation bei Homosexualität Gesetzesfragen oder Pädophilie sind, dann müssen Sie eher Fragen an Friedrich Merz richten“, sagte Spahn der „Bild-Zeitung“.

Kevin Kühnert (SPD) schrieb auf Twitter: „Wer gerne Kanzler werden möchte, der sollte eine Sprache sprechen, die in sensiblen Feldern von Antidiskriminierung und der Gleichberechtigung aller Menschen keinen Platz für Interpretationen und doppelte Böden lässt“, schrieb Kühnert auf Twitter. „Friedrich Merz beherrscht diese Sprache nicht“.

Auch Lars Klingbeil, SPD-Generalsekretär, verurteilte die Äußerung von Friedrich Merz. „Dieses Denken passt überhaupt nicht in die Zeit. Das haben wir gesellschaftlich überwunden. Da tritt jemand an, um CDU-Vorsitzender zu werden, der ganz tief aus der Vergangenheit kommt“, sagte Klingbeil.

Außerdem erntete Friedrich Merz für seine Äußerungen scharfe Kritik vom Bundesverband Lesben und Schwulen. Immer wieder werde ein nicht vorhandener Zusammenhang zwischen Homosexualität und Pädophilie hergestellt. „Darum bin ich maßlos verärgert“, sagt Bundesvorsitzender Alexander Vogt.

Erstmeldung vom Montag, 21. September, 12:16 Uhr: Berlin - Im Online-Talk der „Bild“-Zeitung wurde der CDU-Politiker und als Kanzlerkandidat gehandelte Friedrich Merz zu den Corona-Regeln in Deutschland befragt. Merz zeigte sich unter anderem besorgt darüber, dass sich wegen der Corona-Krise zu viele Deutsche an ein „Leben ohne Arbeit“ gewöhnen könnten. „Wir müssen ein bisschen aufpassen, dass wir uns nicht alle daran gewöhnen, dass wir ohne Arbeit leben können“, sagte Merz, der auf dem Parteitag im Dezember für den CDU-Vorsitz kandidieren will, am Sonntagabend in „Bild live“. „Wir müssen zurück an die Arbeit.“

Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Arbeitsmarkt sind massiv

Vor allem die Situation in den Schulen betrachtet der der frühere Aufsichtsratschef des US-Vermögensverwalters Blackrock mit Sorge. „Es bleiben einfach zu viele Lehrer zuhause“, konkretisierte Merz. Er befürworte den Kurs der schleswig-holsteinischen Bildungsministerin Karin Prien (CDU), die sich sehr rigoros dafür einsetze, dass die Lehrer, die nicht ernsthaft erkrankt sind, in die Schule kommen müssten: „Wir brauchen das System Schule - das muss funktionieren, auch in Corona-Zeiten.“

Weiter kritisierte Merz die von der CDU-geführten Bundesregierung beschlossene Verlängerung des Kurzarbeitergelds. Er befürchte, dass die Regelung Mitarbeiter auf Arbeitsplätzen halte, wo sie eigentlich nicht mehr gebraucht würden. Tatsächlich sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie am Arbeitsmarkt Experten zufolge massiv, sie übertreffen sogar die der Finanzkrise 2008 und 2009. Seit März 2020 wurden bundesweit mehr als 600 000 Menschen arbeitslos. Im April waren rund 6 Millionen Beschäftigte in Kurzarbeit - ein Rekord. Merz‘ Kritik könnte entsprechend als zynisch eingestuft werden. „Dieser Mann hat entweder ökonomisch keine Ahnung oder ist sozial zynisch - oder beides“, äußerte sich Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) auf Twitter.

Merz kritisiert Führungsetage des FC Bayern

Kritik übte Friedrich Merz auch an der Führungsetage des FC Bayern München, die wegen einer „Rudelbildung“ auf der VIP-Tribüne negativ aufgefallen waren. Beim Bundesliga-Auftakt gegen Schalke 04 (8:0) waren die Bayern-Bosse um Karl-Heinz Rummenigge ohne Abstand direkt nebeneinander auf ihren Sitzen gesessen - ebenso wie die Schalker Delegation. Auch fehlte der obligatorische Mund-Nasen-Schutz.

„Mein Gedanke, bei dem, was ich da gesehen habe: Dummheit oder Arroganz“, sagte der Politiker im Live-Talk. Die Bayern-Riege hatte jedoch längst Besserung gelobt. „Laut der Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung durften wir so sitzen, doch im Nachhinein muss ich sagen, man hätte das Thema sensibler handhaben können mit Blick auf unsere Vorbildfunktion“, sagte Präsident Herbert Hainer dem kicker und versprach: „In Zukunft werden wir uns absolut regelkonform verhalten.“ Auch Karl-Heinz Rummenigge hatte Reue gezeigt. „Wir sind uns alle einig, dass das Bild nicht unbedingt vorbildlich war und dass wir das im nächsten Spiel ändern müssen und werden“, sagte der Vorstandschef bei Sky90 und betonte: „Dann werden wir wieder den notwendigen Abstand halten, wenn es gewünscht ist.“ (ktho mit dpa/afp)

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