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„Er ist unersetzbar“: Elie Wiesel wurde 87 Jahre alt.

Elie Wiesel

Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel gestorben

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Der Holocaustüberlebende Elie Wiesel stirbt im Alter von 87 Jahren in New York. 1986 erhält er den Friedensnobelpreis und wird in der Laudatio als „Botschafter der Menschheit“ gewürdigt.

In der Laudatio des Friedensnobelpreises, den Elie Wiesel 1986 erhielt, wurde er als „Botschafter der Menschheit“ gewürdigt. Die Welt kannte ihn, den Holocaustüberlebenden, als herausragenden Zeitzeugen und Publizisten, der das „Nie wieder“, die Lehre aus der Shoah, mit einer globalen Botschaft verband. Barack Obama, der an seiner Seite die KZ-Gedenkstätte Buchenwald besuchte, nannte ihn ein „lebendes Denkmal“. Elie Wiesel diente als moralischer Kompass. Einer, der nicht nur dem jüdischen Volk, sondern dem Menschenrecht eine einzigartige Stimme verlieh. Jetzt starb er im Alter von 87 Jahren in New York. Mit drei schlichten Worten beschrieb der israelische Kommentator Nahum Barnea, der eines der letzten Interviews mit Elie Wiesel führte, die Größe dieses Mannes. „Er ist unersetzbar.“

Geboren wurde Wiesel 1928 in Sighetu Marmatiei. Seine glückliche Kindheit endete, als die Ungarn das rumänische Städtchen 1940 annektierten und die Juden ins Ghetto trieben. Vier Jahre später marschierten die Nazis nach Ungarn ein. Auch Wiesel und seine Familie wurden in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Sein bekanntestes Buch „Die Nacht“, das er erst Jahre nach dem Krieg schrieb und das schließlich, übersetzt in viele Sprachen, eine Auflage von sechs Millionen erreichen sollte, handelt von diesem Alptraum: den endlosen Tagen in einem stickigen Viehwaggon, der Ankunft in Auschwitz, wo „Doktor“ Josef Mengele an der Selektionsrampe stand und mit einem Taktstock entschied, wer sofort in die Gaskammern musste und wen er noch für tauglich für eine weitere Verwendung befand. Er habe damals nicht gewusst, dass dies der Moment des Abschieds für immer von seiner Mutter und seiner Schwester Zipora gewesen sei, schrieb Wiesel.

Er selbst und der Vater mussten in den Buna-Werken Zwangsarbeit verrichten, Steine aufladen. Hunger, Kälte und Entbehrung gehörten zum täglichen Los. Bis die beiden schließlich nach Buchenwald geschickt wurden, wo Elie Wiesel mitansehen musste, wie der Vater unter den Schlägen eines Wehrmachtssoldaten zusammenbrach und starb. Es war der 29. Januar 1945 und „ich hatte keine Tränen mehr“, bekennt er in seinem Buch.

Er, 16 Jahre alt, kam nach Frankreich in eine Erholungsstätte für Waisen, studierte Philosophie und Literatur an der Pariser Sorbonne und wurde Journalist. Geplagt von Schuldgefühlen überlebt zu haben, während Millionen anderer ermordet worden waren, beschloss er, es sich zur Lebensaufgabe zu machen, Zeugnis über den Holocaust abzulegen. „Das tat er mit einem außergewöhnlichen Talent als Redner und Schreiber“, so Avner Shalev, Direktor der Jerusalemer Gedenkstätte Yad Vashem. Mehr als 40 Bücher hat Elie Wiesel verfasst, darunter Romane und religiöse Schriften, in denen er sich mit der Frage auseinandersetzte, wie Gott ein Menschheitsverbrechen wie den Holocaust zulassen konnte.

Für den jüdischen Staat hegte er große Bewunderung, aber er wanderte nie nach Israel ein. Dazu war Wiesel zu sehr Kosmopolit, der immer wieder auch gegen ethnische Säuberungen in Bosnien, im sudanesischen Darfur und Ruanda klare Position bezog. „Gleichgültigkeit ist der Inbegriff alles Bösen“, lautete sein Credo. 2007 hätte ihn Ehud Olmert, damals Regierungschef in Jerusalem, gerne als Kandidaten für das Amt des israelischen Staatsoberhauptes gewonnen. Wiesel lehnte ab. So ganz behagte ihm Israels Politik auch nicht, aber er enthielt sich jeglicher Kritik. „Dazu habe ich kein Recht, ich lebe nicht in Israel“, sagte er dazu. Dennoch rief er zwei Institutionen für äthiopische Juden in Israel ins Leben.

Weit bekannter noch ist die international renommierte Elie Wiesel Foundation for Humanity. Die Stiftung basiere auf einem Guthaben, der Moral, sagte Wiesel einmal. Und Moral definiere er so: „Respekt für deinen Mitmenschen“.

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