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Der russische Journalist und Chefredakteur der „Nowaja Gaseta“ Dmitri Muratow.
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Der russische Journalist und Chefredakteur der „Nowaja Gaseta“ Dmitri Muratow.

Russland

Friedensnobelpreis an Dmitri Muratow: Die Ehrung als Schutzschild

  • Stefan Scholl
    VonStefan Scholl
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Der Chefredakteur der „Nowaja Gaseta“ widmet den Preis dem russischen Journalismus und den sechs seiner Kolleginnen und Kollegen, die wegen ihrer Arbeit ermordet wurden.

Der Moskauer Journalist Dmitri Muratow, der gemeinsam mit seiner philippinischen Kollegin Maria Ressa den Friedensnobelpreis bekommt, ist Chefredakteur der Oppositionszeitung „Nowaja Gaseta“, die er 1993 gründete. Und die in den vergangenen sechs Jahren bereits mehrfach für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen wurde. Ihre Reporter:innen lieferten mutige Enthüllungsreportagen aus kriegerischen, aber auch kriminellen Brennpunkten wie Tschetschenien oder dem Donbass, sechs Redaktionsmitglieder bezahlten das mit dem Leben.

„Die ,Nowaja Gaseta‘ veröffentlichte kritische Artikel über Korruption, Polizeigewalt, illegale Festnahmen, Wahlbetrug oder Trollfabriken bis zum Einsatz russischer Soldaten innerhalb und außerhalb Russlands“ erklärte die Vorsitzende des Nobelpreiskomitees Berit Reiss-Andersen. „Morden und Drohungen zum Trotz gab Chefredakteur Muratow das Prinzip der Unabhängigkeit nie auf und verteidigte konsequent das Recht der Journalisten, über Themen zu schreiben, die sie selbst auswählen.“

Muratow ist der dritte Russe, der nach seinem engen Freund Michail Gorbatschow und dem Sowjetdissidenten Andrej Sacharow den Friedensnobelpreis erhielt. Für ihn kam die Ehrung unerwartet, den Anruf des Nobelpreiskomitees aus Norwegen beantwortete er zuerst nicht. „Bei mir herrscht Wahnsinn“, freute er sich später. „Wir nehmen diese Prämie für den gesamten russischen Journalismus in Empfang, den man jetzt zu unterdrücken versucht.“ Man werde den Menschen helfen, die jetzt als „ausländische Agenten“ diskriminiert und aus dem Land getrieben würden.

Der Kreml gratuliert höflich zum Friedensnobelpreis

Auf dem Redaktionsportal zählte er seine vor fast genau 15 Jahren erschossene Reporterin Anna Politkowskaja und fünf andere ermordete russische Journalisten und Menschenrechtler auf. „Diese Leute haben heute den Friedensnobelpreis gewonnen.“

Der Nobelpreis für Muratow wird in der Redaktion und ganz Moskau auch als politisches Signal gewertet. „Der Nobelpreis stellt einen Schutzpanzer dar“, sagte Alexej Wenediktow, Chefredakteur von Radio Echo Moskwy dem TV Kanal Doschd. Er könnte neue Repressalien gegen Muratow, seine Zeitung, aber auch andere Journalist:innen erschweren.

Der Kreml reagierte höflich. „Er arbeitet konsequent für seine Ideale, lebt für sie, er ist talentiert und mutig“, kommentierte Sprecher Dmitri Peskow. „Wir gratulieren ihm.“

Pawel Kanygin, leitender Online-Redakteur und langjähriger Ukraine-Reporter der „Nowaja Gaseta“, sagte der FR, Muratow habe immer wieder Kolleg:innen in Not gerettet, dabei auch mit der Staatsmacht verhandelt, sie mit Argumenten unter Druck gesetzt. „Er kann sehr scharf werden, auch gegenüber Stärkeren, aber er fühlt genau, wann was geht.“ Kanygin weiß, wovon er spricht, Muratow befreite ihn 2014 aus den Händen prorussischer Guerilleros im Donbass.

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