Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Vom Frieden noch weit entfernt

Mehr als 40 Tote bei Bombenanschlag in TschetschenienBei einem Anschlag in der russischen Kaukasusrepublik Tschetschenien sind am Montag mehr als 40 Menschen getötet worden. Ein Selbstmordattentäter durchbrach mit einem Lastwagen die Betonsperre vor der Kreisverwaltung in Snamenskoje und zündete etwa eine Tonne Sprengstoff.

Von Florian Hassel (Moskau)

General Jewgenij Abraschin glaubte Grund zur Freude zu haben. "Wir haben Ordnung und Sicherheit in allen Städten und Dörfern der Republik gesichert", sagte der russische Militärkommandant Tschetscheniens als Bilanz des "Tages des Sieges" am 9. Mai: An diesem Tag feiert Russland den Sieg über Hitler- Deutschland. In Tschetschenien aber ist Russland nach mehr als dreieinhalb Jahren Krieg vom Sieg weit entfernt. Wozu die Rebellen trotz bis zu 100 000 in der Kaukasusrepublik stationierter Soldaten, Polizisten und Geheimdienstler in der Lage sind, zeigten sie am Montag zuerst in Gikalowo nahe der Hauptstadt Grosny: Die Kämpfer zündeten einen in einem Baum versteckten Sprengsatz, als ein Militärkonvoi vorbeifuhr. Zwei russische Soldaten starben.

Wenige Stunden später demonstrierten die Rebellen, dass auch der sonst ruhige Norden Tschetscheniens nicht sicher ist. Das Dorf Snamenskoje diente bis Ende 2002 auch Beobachtern des Europarates als Stützpunkt. Die moskautreue Verwaltung, die Polizei und die lokale Abteilung des Geheimdienstes FSB - der den Oberbefehl über den Krieg führt - umgaben ihre Gebäude mit einer Betonmauer. Kurz nach zehn Uhr durchbrach ein Lastwagen trotz Schüssen russischer Soldaten den letzten Kontrollpunkt und die Mauer. Dann zündete der Fahrer eine im Laderaum verborgene Bombe: Tschetscheniens Sicherheitsberater Rudnik Dudajew zufolge bis zu einer Tonne Sprengstoff. Die Explosion, die einen bis zu 14 Meter breiten und sechs Meter tiefen Krater zurückließ, zerstörte alle Verwaltungsgebäude und nahe Wohnhäuser. Als die Bergungsarbeiten noch in vollem Gange waren, nannte die Staatsanwaltschaft dem Fernsehsender TWS bereits die Zahl von mehr als 40 Toten. Am 27. Dezember hatten die Rebellen mit einer ähnlich mächtigen Lastwagenbombe den Sitz der tschetschenischen Regierung in Grosny zerstört und mehr als 70 Menschen getötet.

Mit den Anschlägen wollen die Rebellen den Kreml an den Verhandlungstisch bomben. Doch Russlands Präsident Wladimir Putin demonstriert Unnachgiebigkeit. Der Anschlag und andere Aktionen hätten das Ziel, in Tschetschenien "den Prozess der politischen Regulierung zu stoppen (. . .) Wir werden nichts dergleichen zulassen". Stanislaw Iljassow, Tschetschenien- Minister der russischen Regierung, sagte, nötig sei nun "zielgerichtete Arbeit der Geheimdienste". Wie die aussieht, beschrieb Sicherheitsberater Dudajew unverblümt: Russische Einheiten entführten aus Dörfern Menschen - meist "gesetzestreue Bürger" - "ohne zu sagen, wohin sie sie bringen", sagte er im Fernsehen. Von Januar bis Anfang Mai seien 245 Tschetschenen entführt worden, sagte Vize-Verwaltungschef Mowsar Chamidow.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare