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Der 13-Jährige Ben zeigt bei der Demo in Frankfurt eines von hunderten fantasievoller Plakate.

Fridays for Future

So viele Schüler wie nie demonstrieren für Klimaschutz

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Fridays for Future: Am 15. März treten Jugendliche auf der ganzen Welt in Schulstreik. In Frankfurt sind rund 6000 auf der Straße.

Es ist der bisherige Höhepunkt der Proteste. Die Organisatoren von Fridays For Future haben am heutigen Freitag so umfassende internationale Schulstreiks fürs Klima auf die Beine gestellt wie noch nie. 

Fridays for Future: Zehntausende gehen am 15. März 2019 auf die Straße

Zum „Global Strike For Future“ sind am Freitag in ganz Deutschland zehntausende junge Leute auf die Straße gegangen. In Großstädten wie Berlin, Frankfurt, Köln und Bremen versammelten sich am Vormittag jeweils tausende Schüler mit handgemalten Plakaten und Sprechchören.

Bundesweit waren mehr als 220 Protestaktionen geplant. In Frankfurt gingen nach Polizeiangaben rund 6000 Menschen auf die Straße, die Organisatoren hatten zuvor mit 10.000 gerechnet. 

Gegen 14.15 Uhr stellte eine Teilnehmerin ein Live-Video von der Hauptwache auf Facebook:

In Berlin kamen bereits am frühen Vormittag bei weiterem Zulauf 5000 junge Menschen am Bundeswirtschaftsministerium zusammen, um ihre Wut über ausbleibende Maßnahmen zum Schutz von Klima und Umwelt auszudrücken. In München versammelten sich laut Polizei rund 8000 Demonstranten, in Bremen etwa 5000. In Köln waren es nach Angaben von Veranstaltern und Polizei tausende Teilnehmer. 

Begonnen hatte die weltweite Protestwelle am frühen Morgen in Asien und Ozeanien, wo ebenfalls zehntausende junge Menschen auf die Straßen gingen. Demonstrationen gab es etwa in Sydney, Bangkok, Neu Delhi und Hong Kong. Teilnehmer trugen dabei Plakate wie "Ihr zerstört unsere Zukunft" und "Wenn Ihr euch nicht wie Erwachsene verhaltet, tun wir es" oder "Wir streiken, um die Erwachsenen weiterzubilden." 

Weltweit sollte in fast 1700 Städten in mehr als hundert Ländern gestreikt werden - von den USA bis nach Finnland.

Fridays for Future: In all diesen Ländern sind am 15. Mai Streiks und Demonstrationen angekündigt.

FR-Autor Joachim Wille meint: "Der weltweite Protest der Schüler legt das totale Politikversagen in Sachen Klima klarer offen, als es die klassische Ökobewegung je geschafft hat." Lesen Sie hier seinen Leitartikel zur Bewegung Fridays for Future.

Fridays for Future: Tausende demonstrieren am 15. März in Frankfurt und Hessen, viele zum ersten Mal im Leben

In Frankfurt startete der Protest um 12 Uhr an der Bockenheimer Warte. Der Demonstrationszug geht über den Opernplatz und das Eschersheimer Tor und endet am Römer, wo eine längere Kundgebung geplant ist. Dort wollen die Schüler auch mit Politikern diskutieren, etwa mit Linken-Chefin Janine Wissler von der Linken und mit Kaweh Mansoori von den hessischen Jusos. 

Impressionen von den Protesten

Greta Thunberg maschierte in Stockholm mit.  © AFP
Students demand action on climate change during a Fridays for future demonstration in Duesseldorf
In Düsseldorf setzte man ihr ein karnevalistisches Denkmal.  © REUTERS
Tausende Schueler beim Klimastreik in Berlin
Der Arzt und Entertainer Eckart von Hirschhausen mit Luisa Neubauer in Berlin.  © epd
"Fridays for Future" school strike for climate change in Berlin
Beliebtes Motiv: Die gute alte Mutter Erde.  © REUTERS
"Fridays for Future" school strike for climate change in Berlin
Noch kein Schulkind, aber trotzdem schon in Sachen Klima unterwegs.  © REUTERS
Demonstranten stecken Hände und Plakate durch einen Zaun vorm Kanzleramt in Berlin.   © AFP
"Fridays for Future" - München
In München demonstrierten rund 8000 Menschen.  © dpa
"Fridays for Future" - Mailand
Auch in vielen anderen Städten gingen junge Leute auf die Straße, so zum Beispiel in Mailand, ...   © dpa
...in Wien, ...  © AFP
"Fridays for Future" - Zürich
...in Zürich, ...  © dpa
...in Barcelona, ...  © AFP
"Fridays for Future": Hongkong
...in Hongkong, ...  © dpa
"Fridays for Future" - London
...und in London.  © dpa

Viele Jugendliche berichten FR-Reporter Clemens Dörrenberg, sie seien das erste Mal in ihrem Leben auf einer Demonstration. Die meisten zeigen sich überrascht von der großen Zahl der Teilnehmer, die bei einer der Zwischenkundgebungen an der Alten Oper den gesamten Opernplatz füllen. 

In Wiesbaden ging es um 12 Uhr am Hauptbahnhof los, in Darmstadt um 10 Uhr am Luisenplatz, in Gießen um 11.30 am Berliner Platz und in Marburg um 12 Uhr am Marktplatz. 

Fridays for Future: Diese Frankfurter Jugendlichen organisieren die Streiks mit

Luca Peters, Maxi Basak und Helena Marschall gehören zum inneren Zirkel der Frankfurter Ortsgruppe. Die Schüler berichten im FR-Interview zu Fridays for Future, wie die Organisation in der großen, vielfältigen Bewegung funktioniert, auf welche Ziele sie alle sich einigen können und warum sie potenziellen Ärger in der Schule gerne in Kauf nehmen. Gegen den Vorwurf des „Schwänzens“ wehren sich die Schüler vehement: „Wir schwänzen nicht, wir streiken!“ Dies sei die einzige Möglichkeit für Schüler, Druck aufzubauen. Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hatte zuvor versichert, dass es „keine drakonischen Strafen geben werde“. Die drei jungen Aktivisten sagen auch, sie würden so lange demonstrieren, bis die Politik sich bewege.

 Maxi Basak, Luca Peters und Helena Marschall gehören zum inneren Zirkel der Frankfurter Ortsgruppe.

Fridays for Future: Klima-Aktivisten wie Luisa Neubauer vernetzen sich global

Die 22-Jährige Luisa Neubauer ist so etwas wie das deutsche Gesicht von Fridays for Future - auch wenn sie selbst sich gegen dieses Etikett wehrt, weil die Bewegung möglichst unhierarchisch aufgebaut sein soll. Die FR hat Luisa Neubauer und andere bekannte Vertreter der Bewegung von Israel bis Kanada bei den Vorbereitungen für den globalen Klimastreik am 15. März beobachtet und mit ihnen über ihre Motivation gesprochen

Fridays for Future: Rückendeckung von der Lehrer-Gewerkschaft GEW und sogar von Andreas Scheuer

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) lobt die europaweiten Klimaschutz-Demonstrationen von Schülern. Sie seien "gut für die Demokratie". 

Rückendeckung erhielten die Schüler zuvor unter anderen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Hinter die Streikenden haben sich auch rund 12.000 Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gestellt. Die Anliegen der jungen Menschen seien berechtigt und angesichts des Klimawandels gut begründet, heißt es im Aufruf der  „Scientists4Future“.

Die Lehrer-Gewerkschaft GEW hat die Schulen in Hessen dazu aufgerufen, den für Freitag geplanten Klimaschutz-Protesttag nicht zu sanktionieren. „Das Bildungssystem soll nicht nur Kenntnisse in schulischen Fächern wie Mathematik, Rechtschreibung oder Fremdsprachen vermitteln“, sagte Vorsitzende Maike Wiedwald am Donnerstag in Frankfurt. Es müsse in der Schule immer auch darum gehen, junge Menschen „an eine mündige Teilhabe an der Gesellschaft heranzuführen“.

In Frankfurt lobten Stadtpolitiker von Gründen bis CDU das Engagement der Jugendlichen. Lesen Sie mehr zu den Reaktionen auf die Fridays for Future in Frankfurt und Hessen.

Hamburgs Bischöfin Kirsten Fehrs unterstützt die Klima-Demonstrationen von Schülern. Sie finde es großartig, dass Jugendliche für die Zukunft der Erde auf die Straße gingen, heißt es in einem Schreiben der Bischöfin an Vertreter der Evangelischen Jugend Hamburg, die am Freitag an der Demonstration in Hamburg teilnehmen wollen.

Fridays for Future: Rechtliche Fragen zum Schulstreik

Viele deutsche Schulen wollen Schülern ausnahmsweise die Teilnahme erlauben und bieten Exkursionen zu den Kundgebungen an. Doch spätestens wenn ab der kommenden Woche weiter gestreikt wird, stellt sich Schulen und Eltern neu die Frage, wie mit dem Protest der Kinder umzugehen ist. Dass die Schüler wegen ihrer Aktionen den Unterricht verpassen, stößt vielfach auch auf Kritik, etwa in Reihen von Union und FDP.

Die FR hat Fragen und Antworten zu den rechtlichen Aspekten des Schulstreiks zusammengestellt. Es geht um den Konflikt zwischen Schulpflicht und gesellschaftlichem Engagement, um die Frage, ob Eltern ihre Kinder für die Proteste entschuldigen dürfen, welche Strafen fürs Streiken möglich sind und wie Schulen damit umgehen.

Fridays for Future: Bildungsforscher sieht „aufmüpfige Generation“ heranwachsen

Der Bildungsforscher Klaus Hurrelmann sieht mit der Umwelt-Protestbewegung Fridays for Future eine neue „aufmüpfige Generation“ heranwachsen. Die Schülerinnen und Schüler seien heute viel politischer als die über 20-Jährigen und vor allem die über 25-Jährigen, sagte Hurrelmann. Woran das liegen könnte, worauf die Älteren sich einstellen müssen und welche Rolle das Umweltthema für die Jugendlichen aus Sicht des Forschers spielt, lesen Sie im FR-Interview zu Fridays for Future. 

Fridays for Future: Frühere Kinderaktivistin Cullis-Suzuki ist stolz auf Greta und Co.

Als Severn Cullis-Suzuki zwölf Jahre alt war, sprach sie auf dem UN-Umweltgipfel 1992 in Rio de Janeiro über ihre Ängste angesichts der Umweltzerstörung. Damit berührte die junge Aktivistin viele Menschen weltweit. Man nannte sie "das Mädchen, das die Welt zum Schweigen brachte". Heute, 27 Jahre später, ist sie froh, dass Jugendliche weiter kämpfen. Lesen Sie mehr zu Severn Cullis-Suzuki, der Vorgängerin von Greta Thunberg.

Fridays for Future: Ende vom Kampf fürs Klima noch lange nicht in Sicht

Auch die 16-jährige Greta Thunberg, die mit dem Schulstreik fürs Klima angefangen hatte, sieht die Protestaktionen noch lange nicht am Ende. Sie sagte in Hinblick auf die Zukunft der Bewegung: „Warum in aller Welt sollten wir jetzt damit aufhören? Wir haben noch nicht mal angefangen“ Während die Emissionen immer noch anstiegen, gebe es nirgends Anzeichen für ein Umdenken hin zu mehr Klimabewusstsein. „Bei diesem Kampf ist kein Ende in Sicht“, sagte Thunberg.

„Das ultimative Ziel ist, dass die internationale Gemeinschaft eine globale Notlage erklärt und damit beginnt, die Lebensbedingungen auf der Erde zu schützen“, sagte die Neuntklässlerin. Die Regierungen der reichsten Länder der Welt müssten auf dem Weg zu äußerst drastischen Emissionskürzungen vorangehen. „In anderen Worten müssen wir beginnen, das Pariser Abkommen zu befolgen.“

Auf Twitter schrieb sie: „Und wir werden so lange weitermachen wie notwendig.“ Erwachsene seien herzlich willkommen, sich den jungen Demonstranten anzuschließen.

Fridays for Future: Wie alles begann

Vorbild für die Streikenden ist die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg, die mit einem mehrwöchigen Schulstreik internationale Aufmerksamkeit erlangte.

Thunberg hatte im August 2018 damit begonnen, vor dem Reichstag der schwedischen Hauptstadt Stockholm für eine beherztere Klimapolitik ihres Landes zu demonstrieren. Sie und ihr Schulstreik sind seitdem weltbekannt geworden, in zahlreichen Ländern der Erde demonstrieren Schüler und Studierende nach ihrem Vorbild immer freitags für mehr Klimaschutz. Für diesen Freitag sind die bislang umfangreichsten Proteste geplant: Sie sollen in mehr als 1650 Städten in 105 Ländern stattfinden, darunter allein fast 200 in Deutschland.

Fridays for Future: Greta Thunberg für Friedensnobelpreis vorgeschlagen

Die schwedische Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg ist von norwegischen Abgeordneten für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen worden. Er und zwei seiner Kollegen hätten den Vorschlag rechtzeitig vor Fristablauf Ende Januar eingereicht, sagte der norwegische Abgeordnete Freddy Andre Östvegard am Donnerstag. Damit könnte die 16-jährige Schülerin noch in diesem Jahr ausgezeichnet werden.

Mit ihrem Klimastreik habe Thunberg eine „Massenbewegung“ gestartet, die er als einen wichtigen Beitrag zum Frieden betrachte, sagte Östvegard, der für die sozialistische Linke im norwegischen Parlament sitzt. „Wenn wir nichts tun, um den Klimawandel zu stoppen, wird er für Kriege, Konflikte und weitere Flüchtlinge sorgen“.

Für einen „derart großen Preis“ vorgeschlagen zu werden, sei „unglaublich und ein wenig sonderbar“, sagte Thunberg der schwedischen Zeitung „Aftonbladet“. Es sei natürlich eine „Ehre“ und „sehr nett“. (mit dpa, epd, afp und kna)

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