Kommentar: IRAK

Der Rat von Freunden

Gerade von Frankreich werden die USA kaum Rat annehmen, was die Irak-Konferenz denn verhandeln soll, die der amerikanische Außenminister Colin Powell

Von MARTIN WINTER

Gerade von Frankreich werden die USA kaum Rat annehmen, was die Irak-Konferenz denn verhandeln soll, die der amerikanische Außenminister Colin Powell vorgeschlagen hat. Dabei würde es sich für Washington lohnen, seine Aversionen abzulegen. Denn Amerika braucht Frankreich, Deutschland und den Rest der Kriegskritiker dringend wie nie. Allein, das zeigt die ständige Verschlechterung der Lage in Irak, können sich die USA nicht mehr aus der Lage befreien, in die sie sich mutwillig gebracht haben.

Gegen den Glaubenssatz des ehemaligen US-Stabschefs Powell von dem Krieg, den man nicht ohne "exit strategy" beginnen soll, war schon mit dem Einmarsch verstoßen worden. Nun reichen weder die politischen noch die militärischen Kräfte Washingtons, sich nachträglich eine Strategie des Auswegs zu zimmern. Eine Irak-Konferenz, die nicht unter der Ägide der Vereinten Nationen steht und die keinen Zeitplan für den Abzug der Besatzungstruppen diskutiert, macht keinen Sinn. Die Zeit für dilettantisches Herumdoktern an Symptomen ist vorbei. Die Lage ist so ernst, dass nur ein international verhandelter Rückzug der Truppen, eine Übergabe der Macht an unabhängige Iraker und die Zusage politischer wie wirtschaftlicher Hilfe die ganz große Katastrophe verhindern kann: das Entflammen des gesamten nahen und mittleren Ostens. Ohne die europäischen Kritiker kann Washington das nicht schaffen. Ihren Rat zu bedenken wäre vernünftig. Darauf noch vor der US-Präsidentenwahl zu hoffen aber Illusion.

Dossier: Irak nach dem Krieg

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