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Frank Walter Steinmeier und Elke Büdenbender legen Blumen nieder.

Opfer

Freunde, Brüder, Mütter

Wer waren die Opfer des rassistischen Attentäters?

Lange bleibt unklar, wer genau die Menschen waren, die der rechte Attentäter Tobias R. in Hanau getötet hat. Auf bestätigte Informationen wartet man am Donnerstag zunächst vergeblich. Aus Sicherheitskreisen sickert bis Donnerstagnachmittag lediglich durch, das neun der Getöteten aus Familien mit Migrationsgeschichte kommen – also alle Opfer von Tobias R. außer seiner Mutter. Auch vier der fünf Verletzten hätten nichtdeutsche Wurzeln.

Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldet außerdem, fünf der Opfer hätten die türkische Staatsbürgerschaft – das schließt aber nicht aus, dass sie in Deutschland geboren und aufgewachsen sind. Mehrere Todesopfer sind nach Angaben kurdischer Verbände in Deutschland kurdischer Abstammung.

„Wir stehen alle unter Schock“, sagt der Vize-Bundesvorsitzende der Kurdischen Gemeinde in Deutschland (KGD), Mehmet Tanriverdi, am Donnerstag in Gießen. Laut der KGD leben in der Region Hanau 6000 bis 7000 Menschen mit kurdischen Wurzeln. Die tödlichen Schüssen fielen unter anderem in zwei Shisha-Bars. Diese Bars würden oft von Menschen kurdischer Abstammung betrieben, sagt Tanriverdi.

Bei den von Tobias R. Getöteten handelt es sich offenbar überwiegend um junge Menschen zwischen 20 und 40 Jahren. Unter ihnen ist der 37-jährige Gökhan G., der an diesem Abend in dem Kiosk in der Hanauer Weststadt arbeitete, der auch Ziel des rechtsterroristischen Anschlags wurde. Freunde berichten der FR, er habe einiges durchgemacht in seinem Leben, so sei er einmal von einem Bus angefahren worden. Da habe er Glück im Unglück gehabt. „Und jetzt ist er getötet worden“, so ein Freund, schockiert. Die Familie G. trauert um weitere Opfer: Neben Gökhan starb auch sein 22-jähriger Neffe.

In einem Windfang hinter einem Supermarkt am Kurt-Schumacher-Platz stehen morgens gegen acht Uhr zwei jüngere Frauen und ein älterer Mann an einem Absperrband, blicken seitlich auf den Kiosk namens Arena Bar. Plötzlich bricht eine Frau laut in Tränen aus. „Meine Schwester ist tot“, bricht es aus ihr heraus, bevor sie sich abwenden muss. Dann spricht der ältere Mann: „Schreiben Sie, dass sie eine Romni war, schreiben Sie, was uns hier geschieht“, bittet er. Er ist der Vater von Mercedes K., die 35-Jährige ist eines der Opfer. „Sie wollte nur Chips und eine Cola kaufen, dann ist sie erschossen worden“, sagt er verzweifelt. Er will so lange bleiben, bis die Polizei ihn zu seiner Tochter lässt. „Um sie zu identifizieren.“ Dann zeigt er auf ein Fahrzeug mit einem Jungen auf der Rückbank: „Da sitzt ihr Sohn drin.“

Emran Feroz, Journalist und Blogger mit afghanischen Wurzeln, schreibt außerdem am Donnerstag in einem Tweet, dass mindestens zwei der Opfer von Hanauer aus Afghanistan stammten. Einer der beiden sei beschäftigt im Büro von Feroz’ Cousin und werde wahrscheinlich überleben. Doch der Bruder des Schwerverletzten sei tot: „Möge seine Seele in Frieden ruhen, wie auch die der anderen Opfer“, so Emran Feroz. 

FR/gha/mcb/afp/dpa

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