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Kohl mit DDR-Machthaber Honecker: Der Altkanzler trieb die Wiedervereinigung entschieden voran.
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Kohl mit DDR-Machthaber Honecker: Der Altkanzler trieb die Wiedervereinigung entschieden voran.

Helmut Kohl

Freund der Ostdeutschen

  • Markus Decker
    VonMarkus Decker
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Das Verhältnis von Helmut Kohl zu Ostdeutschland war klar positiv ? und klar machtbewusst. Das macht sich nun ein letztes Mal bemerkbar.

Reiner Haseloff war einer der ersten, der sich meldete. Via Twitter schrieb der CDU-Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt: „Ein trauriger Tag für Deutschland. Die Nation und besonders Sachsen-Anhalt haben dem Kanzler der Einheit viel zu verdanken. Er wird fehlen!“ Es war echte Dankbarkeit, die sich da ausdrückte – jenem Helmut Kohl gegenüber, dessen Tod kurz vorher vermeldet worden war.

Dieser Dank kommt nicht von ungefähr. Denn das Verhältnis des Pfälzers zu den Ostdeutschen war immer klar: klar positiv – und klar machtbewusst. Das macht sich nun ein letztes Mal bemerkbar.

Zunächst war da die Rede, die der Kanzler im Dezember 1989 in Dresden hielt – im siebten Jahr seiner Regentschaft und kurz nach dem Mauerfall. Tausende waren gekommen. Und sie schwenkten Fahnen, schwarz-rot-goldene Fahnen, Deutschland-Fahnen.

Spätestens in dem Moment war offenkundig: Es ging jetzt nicht mehr um die Transformation der DDR, sondern um ihre Verschmelzung mit der alten Bundesrepublik – getreu dem Motto, dass die Ostdeutschen zur D-Mark kommen wollten, wenn die D-Mark nicht zu ihnen käme. Dass dieses nationale Bekenntnis in Dresden sicht- und hörbar wurde, verwundert rückblickend weniger als damals.

In Erinnerung ist ferner, wie entschlossen der Patriot die Einheit anschließend nicht allein außenpolitisch vorantrieb, sondern auch innenpolitisch absicherte. Der Mann hatte einen Plan, der sich im Zwei-Plus-Vier-Vertrag und in der Währungsunion keineswegs erschöpfte. Er gründete die Allianz für Deutschland und schluckte die Ost-CDU. Er machte gemeinsame Sache mit dem ersten frei gewählten Ministerpräsidenten der DDR, Lothar de Maizière, um ihn später hemdsärmelig beiseite zu drängen. Der Oggersheimer war es auch, der Tuchfühlung aufnahm zu den DDR-Bürgerrechtlern, Bärbel Bohley allen voran – und eine gewisse Angela Merkel förderte, das vermeintliche „Mädchen“.

Die „blühenden Landschaften“ bleiben aus

Die Ostdeutschen fassten Vertrauen zu Kohl, ja, sie glaubten ihm – wenn nicht alle, so doch die allermeisten. Und sie hofften auf die „blühenden Landschaften“, die er versprach und von denen zunächst nichts zu sehen war. Im Gegenteil: Die DDR-Industrie kollabierte – aus Schwäche und unter Mithilfe der Treuhandanstalt. Beileibe nicht an jedem Ort gelang es wie im Chemiedreieck von Leuna, die industriellen Kerne zu retten. Die Arbeitslosenquote schnellte hoch, auf faktisch 50 Prozent, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen eingerechnet. Haseloff, einst Arbeitsamtsdirektor in Wittenberg, erzählt gern, dass 80 Prozent der Bevölkerung in jenen 90er Jahren Kontakt mit seinem Amt gehabt hätten.

Die Transformation war für viele hart. Aus Dankbarkeit wurde nicht selten Zorn. Die PDS erstarkte – und Kohls Generalsekretär Peter Hintze reagierte mit einer „Rote-Socken-Kampagne“. Auch Hintze ist mittlerweile tot. In Halle wurde der Kanzler der Einheit mit Eiern beworfen. Legendär ist die Szene, wie er versucht, die Eierwerfer zu packen. Nein, Kohl ließ niemanden kalt.

Von heute aus betrachtet ist die Einheitsbilanz ambivalent. Die Infrastruktur ist im Osten längst auf Westniveau, ja mehr als das. Die ostdeutschen Großstädte – Dresen, Erfurt, Leipzig, Potsdam – blühen. Und sie wachsen. Die Provinz allerdings darbt vielerorts. Die Abwanderung geht weiter. Das Bruttoinlandsprodukt hinkt hinterher, die Einkommen ebenfalls, das Vermögen sowieso. Gleiche Lebensverhältnisse – sie sind noch Jahrzehnte entfernt. An der Dankbarkeit vieler Ostdeutscher ändert das trotzdem nichts. Sie wissen, dass die DDR keine Überlebenschance hatte. Sie wissen auch, dass es in Ostdeutschland besser geht als in Polen oder in Tschechien.

Der Leiter der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, würdigte den Verstorbenen gestern übrigens auf seine Weise. Er tat bei Twitter mit Blick auf die Jahre 1989 und 1990 kund: „Gott sei Dank, dass Deutschland nicht von Oskar Lafontaine regiert wurde.“

Der SPD-Kanzlerkandidat konnte mit Erich Honecker; Saarländer unter sich. Von der Einheit wollte er anders als Helmut Kohl nichts wissen.

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