Belgien

Freispruch nach Sterbehilfe

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Ein belgisches Gericht bestätigt erstmals die liberale Praxis nach dem Euthanasie-Gesetz.

In einem umstrittenen Sterbehilfeprozess sind am Freitag drei belgische Mediziner vom Vorwurf des Giftmordes freigesprochen worden. Ein Schwurgericht in der Stadt Gent urteilte, die Ärzte hätten nicht gegen das Euthanasie-Gesetz verstoßen, als sie einer Patientin im Jahr 2010 Sterbehilfe leisteten. Sie litt an schweren psychischen Problemen. Erstmals wurden damit die liberalen Sterbehilferegeln in Belgien von einem Gericht bestätigt. Im Gegensatz zu Deutschland ist im Nachbarland aktive Sterbehilfe erlaubt.

Tine Nys ließ sich 2010 beim Sterben helfen. Jahrelang hatte sie nach eigenen Angaben „unerträgliche psychische Leiden“ durchgemacht. Doch die Familie der damals 38-Jährigen verklagte den Arzt, der Tine Nys die tödliche Substanz verabreichte, sowie den Hausarzt der Frau und ihre Psychiaterin.

Das Argument der Angehörigen: Die Sterbehilfe hätte niemals bewilligt werden dürfen, weil Tine Nys nicht unheilbar erkrankt gewesen sei. Das aber sehe das belgische Euthanasiegesetz aus dem Jahr 2002 vor. Die Frau habe zwar psychische Probleme gehabt; die Gründe dafür seien jedoch eine in die Brüche gegangene Beziehung und eine Autismus-Diagnose kurz vor ihrem Tod gewesen. Die Behandlung dieser Krankheit habe zum damaligen Zeitpunkt allerdings noch gar nicht begonnen, so die Familie.

Die Staatsanwaltschaft folgte dieser Argumentation und forderte Schuldsprüche für zwei der drei Angeklagten. Doch die Geschworenen sahen das anders. Nach achtstündigen Beratungen ließen sie den Vorwurf des Giftmordes, der für die Ärzte lebenslange Haft bedeutet hätte, fallen. Die drei Mediziner wurden stattdessen freigesprochen.

Unheilbar krank

Nach Angaben belgischer Medien war es das erste Mal, dass sich Ärzte wegen eines Falls von Sterbehilfe vor Gericht verantworten mussten. Das Euthanasiegesetz aus dem Jahr 2002 ist deutlich liberaler als entsprechende Regelungen in Deutschland. Es erlaubt aktive Sterbehilfe selbst bei Patienten, die noch nicht 18 Jahre alt sind. In Deutschland ist aktive Sterbehilfe verboten.

Belgien war das zweite Land weltweit nach den Niederlanden, das Sterbehilfe unter bestimmten Bedingungen erlaubte. Voraussetzung für die Rechtmäßigkeit der Sterbehilfe in Belgien ist nicht die Diagnose einer tödlich verlaufenden Krankheit. Ein Patient muss sich allerdings von mehreren Ärzten bestätigen lassen, dass er an einer dauerhaften, unerträglichen und nicht heilbaren Krankheit leidet. Das war bei Tine Nys der Fall.

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