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Sieht sich wieder obenauf: Dominique Strauss-Kahn.

Nach Prozesswende

Freiheits-Trüffel beim Italiener

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Nach der Wende im Vergewaltigungsprozess feiert der frühere IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn seine Entlassung mit einem Gala-Diner. Für die Ankläger hätte es dagegen gar nicht schlechter laufen können.

Während sich die Franzosen nach der Entlassung des früheren Hoffnungsträgers der Sozialisten aus dem Arrest darüber streiten, ob Dominique Strauss-Kahn nach den Enthüllungen über sein angebliches Opfer rehabilitiert sei und im Herbst für die Präsidentschaft kandidieren solle, ließ der Ex-Weltbankchef am Wochenende keinen Zweifel daran, wie sehr er seine wiedergewonnene Freiheit genießt. Nach zwei Monaten des Hausarrests nutzte er die letzten zwei Tage dazu, um sich ausgiebig in Manhattan die Füße zu vertreten.

Schon am Freitagabend wurde er mit seiner Frau Anne Sinclair in einem italienischen Lokal an der Upper East Side gesehen. Papardelle mit Trüffeln habe er bestellt, berichtete danach der Koch. Am Samstag wurde das Paar in der Boutiquengalerie Time Warner Center beim Shopping beobachtet. Anschließend ging es in das „Modern“, das Dreisterne Restaurant im Museum of Modern Art.

Dabei wirkte der ehemalige Chef des internationalen Währungsfonds überaus gelassen. Die Tatsache, dass er noch immer unter Anklage steht, schien ihn nicht im Geringsten zu bekümmern.

Dazu hat er laut einhelliger Meinung kundiger Prozessbeobachter auch keinen Grund mehr. Mittlerweile wird erwartet, dass die Anklage in den kommenden Wochen, ja vielleicht sogar Tagen, endgültig fallengelassen wird. Sowohl die New York Times als auch das Wall Street Journal berichteten am Samstag, dass „der Fall kurz vor dem Zusammenbruch“ stehe. Ein Experte des TV-Senders CNN wies daraufhin, dass ein Fall praktisch tot sei, wenn die Staatsanwaltschaft ihre Zeugin als Lügnerin bezeichnet.

Mit dieser Katastrophe für die Anklage rückt der ermittelnde Staatsanwalt Cyrus Vance in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Vance war sich bei Strauss-Kahns Verhaftung noch sicher, „einen starken Fall“ zu haben und drängte auf rasche Anklageerhebung.

Vance, Sohn des ehemaligen Außenministers Cyrus Vance Senior, war erst im November ins Amt gewählt worden und hatte sich von Anfang an für die erbarmungslose Verfolgung von Sexualstraftätern stark gemacht. Der Fall Strauss-Kahn erschien für ihn deshalb zunächst als Geschenk, mit dessen Hilfe er sich würde profilieren können. Stattdessen entwickelte sich die Sache für ihn jedoch zu einem Albtraum.

Angst vor dem Prozess

Nachdem sich die Hauptzeugin als überaus unzuverlässig herausstellte, wirft man Vance vor, aus politischem Kalkül vorgeprescht zu sein. Sein Büro habe die Fakten nicht ausreichend geprüft, bevor er Anklage erhob, wie die New York Times am Sonntag in einem ausführlichen Dossier darlegte. Jetzt scheint Vance hingegen in die Gegenrichtung zu steuern. Strauss-Kahns teure Staranwälte und das massive Medieninteresse, so wird spekuliert, hätten ihn nun eingeschüchtert. „Wir haben das Gefühl, dass er Angst vor diesem Prozess hat“, sagte der Anwalt des mutmaßlichen Opfers, Kenneth Thompson der New York Times.

In Frankreich rechnen nun viele mit einem politischen Comeback. Sogar über eine erneute Kandidatur für die anstehenden Präsidentschaftswahlen wird diskutiert. Laut der jüngsten Umfrage befürworten 60 Prozent der Anhänger der Sozialisten, dass er auf die politische Bühne zurückkehrt. Der frühere Parteichef der Sozialisten, François Hollande, sagte der Tageszeitung Liberation, „dass ihn nichts daran hindern sollte, bei den Vorwahlen zu kandidieren.“ Der ehemalige Kulturminister Jack Lang sagte, Strauss-Kahn werde zweifellos eine starke Rolle im Wahlkampf spielen.

Bis die Anklage wegen Vergewaltigung offiziell fallengelassen wird, darf der Verdächtige die USA jedoch noch nicht verlassen.

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