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Freiheit für Liu Xiaobos Witwe gefordert

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Die chinesische Führung hat dem todkranken Dissidenten Liu Xiaobo die Ausreise verweigert. Jetzt hoffen viele, dass Peking seiner Frau gegenüber mehr Menschlichkeit zeigt.

Nach dem Tod des chinesischen Friedensnobelpreisträgers und Dissidenten Liu Xiaobo werden Forderungen nach einer Ausreiseerlaubnis für seine Witwe Liu Xia lauter. Die USA und Deutschland verlangten Freiheit für die 56-jährige Künstlerin, die unter Hausarrest steht. Amnesty International rief am Freitag dazu auf, eine Petition für Liu Xia zu unterzeichnen. Ihre grausame Bestrafung müsse ein Ende haben. Der Dichter und Philosoph Liu Xiaobo war am Donnerstag im Alter von 61 Jahren an den Folgen seiner Leberkrebserkrankung in einer chinesischen Klinik gestorben.

Hausarrest beenden

Die chinesische Führung erklärte unterdessen, die Wünsche der Familie für die Beerdigung würden respektiert und auf Wunsch unterstützt. Allerdings wurde der Vorsitzenden des Nobelkomitees, Berit Reiss-Andersen, laut norwegischen Medienberichten ein Einreisevisum zur Beerdigung verweigert. Zugleich verwahrte sich die chinesische Regierung gegen jegliche Form ausländischer Einmischung und verteidigte die Behandlung des krebskranken Dissidenten in China. „Die Behörden werden Liu Xias legitimen Rechte als chinesische Bürgerin schützen“, schrieb die staatliche Tageszeitung „China Daily“ (Freitag). Wegen ihrer Trauer sollte die Witwe am besten in Ruhe gelassen werden.

Deutschland, die USA, weitere Staaten und das Nobelkomitee forderten dagegen eine Ausreiseerlaubnis. „Ich rufe die chinesische Regierung auf, Liu Xia aus dem Hausarrest zu entlassen und ihrem Wunsch gemäß zu erlauben, China zu verlassen“, erklärte US-Außenminister Rex Tillerson.

Bruder soll mitkommen dürfen

Auch Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) forderte die chinesische Regierung mit Nachdruck dazu auf, Liu Xia Bewegungs- und Kommunikationsfreiheit zu gewähren. „Sie und ihr Bruder Liu Hui sollten umgehend nach Deutschland oder ein anderes Land ihrer Wahl ausreisen dürfen, wenn sie dies wünschen“, betonte er. Die Bundesregierung sicherte der Witwe weitere Unterstützung zu. Man habe sich stets für eine humanitäre Lösung eingesetzt, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Das ende nicht mit dem Tod des Menschenrechtlers.

Der Nobelpreisträger Liu Xiaobo war erst Ende Juni aus dem Gefängnis in ein Krankenhaus verlegt worden. China hatte ihm und seiner Frau trotz vieler Appelle die Ausreise verweigert. 2009 war der Schriftsteller zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Anlass war die „Charta 08“, ein Aufruf für demokratische Reformen.

Liu „gekidnappt“

In einem Leitartikel der staatlichen Zeitung „Global Times“ (Freitag) wird Lius Verurteilung und Behandlung in China verteidigt. Zugleich wird scharfe Kritik am Westen geübt. „China hat kein Motiv, Liu nicht die beste Behandlung zukommen zu lassen“, heißt es in der Zeitung. Einige westliche Kräfte hätten versucht, den Fall in eine politische Richtung zu drängen und zu einem Menschenrechtsthema hochzustilisieren. Mit der Zuerkennung des Friedensnobelpreises habe der Westen Liu „gekidnappt“, steht in dem Leitartikel.

Liu Xiaobo erhielt 2010 den Friedensnobelpreis, den er jedoch nicht entgegennehmen durfte. Bei der Preisverleihung in Oslo war sein Stuhl auf der Bühne leer geblieben.

(epd)

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