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Obdachlose und Corona

Corona-Impfdebatte: Freigabe von Johnson & Johnson löst Bedenken aus

  • Sandra Kathe
    vonSandra Kathe
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Dass der Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson, bei dem nur eine Spritze für vollen Impfschutz ausreicht nur für Personen Ü60 empfohlen wird, sieht vor allem die Obdachlosenhilfe kritisch.

Berlin – Millionen Menschen können sich in den kommenden Monaten mit dem Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson ohne Zugehörigkeit zu einer Vorranggruppe impfen lassen. Die Priorisierung ist für das Johnson-&-Johnson-Präparat in Arztpraxen und bei Betriebsärzten aufgehoben. Das entschieden die Gesundheitsminister von Bund und Ländern am Montag.

Beim Impfstoff des US-Pharmakonzerns Johnson & Johnson reicht eine Spritze für den vollen Schutz. In seltenen Fällen kann er aber ähnlich wie der Corona-Impfstoff von Astrazeneca schwere Nebenwirkungen haben, weshalb bei Menschen unter 60 ärztliche Aufklärung und individuelle Risikoanalyse vorgeschrieben sind. Regelhaft eingesetzt werden soll der Impfstoff erst bei Personen ab 60 – allerdings wird er in Deutschland großteils erst geliefert, wenn die meisten Älteren schon geimpft sind.

Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson: wichtiger Baustein beim Schutz von Wohnungslosen

Verantwortliche für Flüchtlings- und Obdachloseneinrichtungen äußerten Bedenken wegen der Empfehlung des Einsatzes des Johnson-&-Johnson-Präparats bei der Gruppe über 60. Weil es bisher das einzige Präparat ist, bei dem eine Impfung reicht, ist es vielerorts für Menschen vorgesehen, bei denen ein zweiter Termin schlecht planbar ist. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe nannte die Empfehlung, das Corona-Vakzin von Johnson & Johnson an Über-60-Jährige zu impfen aus diesem Grund „bitter“. „Die nicht sehr hohe Impfquote bei Wohnungslosen ist auch darauf zurückzuführen, dass in vielen Kommunen auf den Impfstoff von Johnson & Johnson gewartet wurde“, sagte Geschäftsführerin Werena Rosenke der Deutschen Presse-Agentur. Gerade Wohnungslose hätten oft Vorerkrankungen und sollten so schnell wie möglich gegen Corona geimpft werden.

Der Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson. (Archivfoto)

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Helmut Dedy, sagte der dpa: „Die Städte brauchen den Impfstoff von Johnson & Johnson besonders für die Menschen, die schwer erreichbar sind, weil sie keinen festen Wohnsitz haben oder in prekären sozialen Verhältnissen leben.“ Da er nach ärztlicher Aufklärung eingeschränkt verimpft werden könne, könne er weiter ein wichtiger Baustein sein. In den Stadtteilen zögen alle beim Impfen an einem Strang: Streetworker, Stadtteil- und Schulsozialarbeiter, Kitas und Jugendeinrichtungen, Migrantenselbstorganisationen, Integrations- und Kulturvermittler.

In Deutschland haben die Impfungen mit dem Präparat des US-Konzerns laut Paul-Ehrlich-Institut (PEI) Ende April begonnen. Bisher sind erst knapp 20.000 Corona-Impfungen mit dem Vakzin in Deutschland erfasst. Spahn sagte, 450.000 Dosen seien geliefert, die bisher vorrangig damit arbeitenden mobilen Impfteams in Flüchtlings- und Obdachloseneinrichtungen meldeten die Impfungen aber oft etwas später. Zehn Millionen Impfdosen davon sollen laut Spahn bis Ende Juli geliefert sein.

Corona-Pandemie: Seltene Nebenwirkungen von Johnson & Johnson-Impfstoff werden ernstgenommen

Im Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz heißt es, sie nehme „die berichteten Fälle von Hirnvenenthrombosen im Zusammenhang mit einer Impfung mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson“ ernst. In den USA waren die Impfungen mit dem Präparat zeitweise ausgesetzt. Nach einer Überprüfung von Sicherheitsdaten kamen die dortigen Behörden dann aber zu dem Schluss, dass die bekannten und potenziellen Vorteile die Risiken überwiegen. Ähnliche Nebenwirkungen - spezielle Blutgerinnsel verbunden mit einem Mangel an Blutplättchen – gab es bei dem anderen verfügbaren Vektorimpfstoff von Astrazeneca.

Beim Impfstoff von Johnson & Johnson treten sie laut der US-Gesundheitsbehörde CDC mit einer Rate von ungefähr sieben pro eine Million geimpfter Frauen zwischen 18 und 49 Jahren auf. „Bei Frauen ab 50 Jahren und Männern jeden Alters ist dieses unerwünschte Ereignis noch seltener.“ Anhand der bisher verfügbaren Daten sähen Experten keine Anhaltspunkte, dass Frauen, die hormonale Verhütungsmittel wie die Pille nutzen, gefährdeter sein könnten. In Deutschland gäbe es nach PEI-Angaben bisher keine Meldungen zu Komplikationen wegen Johnson & Johnson. (ska mit Material von dpa)

Rubriklistenbild: © Bernd Weissbrod/dpa

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