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Auch wenn es auf diesem Bild (Szenenfoto aus "Apocalypse Now") nicht so aussieht: Der Schauspieler Martin Sheen hat mit Krieg wenig im Sinn. Diese Einstellung bringt ihm nicht nur Freunde.
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Auch wenn es auf diesem Bild (Szenenfoto aus "Apocalypse Now") nicht so aussieht: Der Schauspieler Martin Sheen hat mit Krieg wenig im Sinn. Diese Einstellung bringt ihm nicht nur Freunde.

Frech wie Oscar

US-Schauspieler, die sich gegen Krieg engagieren, befürchten eine neue Schwarze Liste

Von Gerti Schön

Die Kriegs- und Antikriegskräfte in den USA entwickeln eine spannungsreiche Dynamik. Weil sich immer mehr Schauspieler in den vergangenen Wochen gegen einen Krieg in Irak ausgesprochen haben, sorgen sich die Produzenten beim US-Fernsehen und den großen Hollywood-Studios, ob ihre Vorzeigestars sie mit ihren gerne falsch interpretierten, weil anti-amerikanisch gesehenen Äußerungen in die Bredouille bringen könnten.

Im Rampenlicht der Kritik steht vor allem Martin Sheen, der in der NBC-Reihe "The West Wing" den liberalen und bei den Zuschauern bislang ungewöhnlich populären US-Präsidenten Josiah Bartlett spielt. Sheen, der einem globalen Publikum vor allem aus dem Kriegsepos "Apocalypse Now" bekannt ist, hat aus seinen liberalen Ansichten nie ein Hehl gemacht. Schon 64 mal war er im Lauf seiner Karriere wegen zivilen Ungehorsams verhaftet worden.

In der vergangenen Woche berichtete er, seine Bosse bei NBC hätten ihn in Kenntnis gesetzt, man sei besorgt, dass vorsichtige Werbetreibende, die mit seinem öffentlichen Protest nicht identifiziert werden wollen, ihre Werbeclips streichen würden. Diese Praxis ist nichts ungewöhnliches: Erst vor wenigen Tagen hatte der Lebensmittelkonzern Procter & Gamble seine gebuchte Werbezeit von der neuen Talkshow des ultra-konservativen Talkshow-Moderators Michael Savage auf MSNBC zurückgezogen. Doch "West Wing" hat in den vergangenen Monaten an Quoten verloren, und auch wenn niemand sagen mag, dass es an Sheens Aktivitäten liegen könnte, liegt der Verdacht doch in der Luft.

Doch nachdem Sheen mit dieser Warnung nicht hinter dem Berg halten wollte, kam der Stein ins Rollen. Die Schauspielergewerkschaft "Screen Actor's Guild" brachte diese Woche eine Erklärung heraus, in der es heißt: "Auch nur die Andeutung einer Schwarzen Liste darf in diesem Land nie wieder toleriert werden." Eine solche Liste, nach der bestimmte Schauspieler nicht eingesetzt werden durften, hatte es während des Kommunistenhatz der 50er Jahre gegeben.

Sheen scheint von seiner Linie trotz aller Sensibilitäten nicht abweichen zu wollen. Bei einer Pressekonferenz für internationale Journalisten war er eingehend zu seinen politischen Einstellungen befragt worden. Als ein PR-Mitarbeiter des Produzenten Warner Brothers einwandte, in der Presseveranstaltung ginge es um die Reihe "West Wing" und nicht um Politik, belehrte Sheen den verblüfften Konzernvertreter, dass ein PR-Mann nicht diktieren sollte, was die Presse ihn fragen darf, und interpretierte die Intervention als Eingriff in seine konstitutionellen Rechte, die ihm erlauben, seine Meinung frei zu äußern.

Doch Hollywood scheint kalte Füße zu bekommen. So schwirrt seit kurzem ein Gerücht durch die Branche, nach dem öffentliche Kriegsgegner wie Susan Sarandon, Edward Norton, Meryl Streep, Sean Penn, George Clooney und Dustin Hoffman nicht zu der Oscarverleihung Ende März eingeladen werden sollen. "Das Gerücht könnte wahr sein" sagte Paul Bond vom Fachmagazin Hollywood Reporter auf CNN. "Aber man wird die Akademie oder ABC, das die Verleihung ausstrahlt, niemals dazu bringen, es zuzugeben." Bond erklärte, eine Umfrage seiner Zeitschrift habe ergeben, dass 44 Prozent der US-Amerikaner es sich überlegen würden, für einen Film zu bezahlen, in dem einer der Kriegsgegner auftritt.

Beinahe erwartet wird, dass einige bei den Oscars vor laufender Kamera ein politisches Statement abgeben werden. "Politische Beben sind unvermeidlich", sagt der Entertainment-Historiker Tom O'Neil. "Wir haben es hier mit Leuten zu tun, die ungezügelte Egos haben und in Talkshows eingeladen werden, um dort Experten zu sein, und zwar für alles, von Hochkultur bis zu Popmusik."

Sean Penn ist einer jener Schauspieler, die offenbar direkt von ihrer Protesthaltung betroffen sind. Penn war vor kurzem nach Irak gereist und hatte öffentlich über seine Zweifel an der Politik der US-Administration gesprochen. Daraufhin sei, so der Schauspieler, ein Filmdeal mit dem Produzenten Steven Bing geplatzt. Die beiden Kontrahenten verklagten sich gegenseitig. Bond brachte für die Produzenten Verständnis auf: "Es ist Bings Film, es ist sein Geld, er hat das Skript geschrieben. Er will jemanden darin haben, den die Amerikaner sehen wollen." Ob Bing stattdessen Schauspieler wie Jean-Claude van Damme oder Bruce Willis einsetzten will, die sich derzeit als Kriegs-Befürworter stark machen, war bisher keine Frage.

Hollywood springt auch noch auf anderer Ebene in Sachen Krieg ein. Einer der Top-Designer der Branche, George Allison, wurde vom Pentagon angeheuert, um den Set für die geplanten täglichen Pressekonferenzen aus Katar zu gestalten. 200 000 Dollar zahlt die Regierung, um General Tommy Franks und andere Kommandeure in ein gutes Licht zu setzen. Die Kulisse soll auch eine technologische Überlegenheit zeigen, die einem Vergleich mit Al Dschasira allemal standhalten soll. Auf diese Weise werden auch die Medien mehr in die psychologische Kriegsführung einbezogen.

Dossier: Krieg gegen Irak?

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