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Frauenquote in der CDU: Merz erkennt die Zeichen der Zeit nicht

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Von: Tatjana Coerschulte

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Der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz im Bundestag.
Der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz im Bundestag. © Frederic Kern/imago

Friedrich Merz bleibt seiner konservativen politischen Linie treu. Der CDU-Vorsitzende weigert sich weiterhin, eine Frauenquote für seine Partei einzuführen. Ein Kommentar.

Berlin - Da ist ja sogar Markus Söder schon weiter: Im Vergleich zum CSU-Chef schneidet der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz beim Thema Frauenquote schlecht ab. Merz zaudert und zögert, die Forderung der CDU-Frauen nach paritätisch besetzten Gremien und Listen zu unterstützen. Mag sein, dass er als Vorsitzender auch jene Mitglieder integrieren möchte, welche eine Quote ablehnen. Vielleicht will er es sich auch nicht mit ihnen verderben, denn zu den Gegnern einer Quote zählt die einflussreiche Mittelstandsvereinigung MIT. Beide aber, Merz wie die MIT, haben die Zeichen der Zeit nicht erkannt.

Die Konservativen sollten einmal darüber nachdenken, warum sie nicht wie die Grünen problemlos Kandidatinnen für Spitzenposten aufstellen können, sondern mühsam und erfolglos nach ihnen suchen? Dass die Grünen keine Nachwuchsprobleme haben, ist kein Zufall, sondern Ergebnis einer parteiinternen Quote. Die wiederum ist keine grüne Erfindung: Die SPD hat sie noch früher angewendet und kann heute Politikerinnen wie die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey vorweisen oder die Ministerpräsidentinnen Malu Dreyer, Manuela Schwesig und Anke Rehlinger. Wer das für eine Mischung aus Glück und individuellem Werdegang hält, sollte sich fragen, ob die CDU gleich vier solcher Spitzenfrauen vorweisen kann? Nein, kann sie nicht.

Frauenquote in der CDU: Merz bleibt sich treu

Quote bedeutet Personalfragen strategisch anzugehen und langfristig zu planen. Sie bedeutet nicht, wie Gegner gerne abfällig behaupten, unfähige Frauen auf Posten zu schieben, sondern frühzeitig zu schauen, wer geeignet sein könnte, entsprechende Kandidat:innen zu fördern und Rahmenbedingungen zu schaffen, welche Frauen wie Männern ein Mitmachen erleichtern.

Die Ergebnisse dieser parteiinternen Arbeit sind nicht sofort sichtbar. Auf lange Sicht aber haben jene, die sich darum bemühen wie Grüne, SPD und Linke weniger Schwierigkeiten, ihre Listen und Posten zu besetzen. Davon abgesehen gehört es zu einem zeitgemäßen Erscheinungsbild, wie es die CDU zeigen möchte, dass Frauen wie Männer sichtbar sind. Markus Söder hat das verstanden, als er seiner CSU schon 2019 verbindliche Quoten bis auf die Kreisebene vorschlug. Er scheiterte damit an seiner Partei, die somit wohl auch künftig als Männerriege wahrgenommen wird. Wenn Merz das für die CDU nicht will, sollte er daraus lernen und nicht mehr über die Quote diskutieren, sondern sie endlich praktizieren. (Tatjana Coerschulte)

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