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Linda Teuteberg, Nicola Beer, Christian Lindner und Wolfgang Kubicki (v.l.) beim FDP-Bundesparteitag.

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Die Frauenfrage prägt den FDP-Parteitag

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Die Zahl der weiblich besetzten Führungsposten soll steigen. Für Spitzenkandidatin Nicola Beer gibt es eine Klatsche.

Nicola Beer teilt aus – gegen die Grünen, „die angebliche neue Volkspartei“, wie die Europaspitzenkandidatin der FDP höhnt. Die täten auf ihren Plakaten so, als würden sie die Welt retten – „darunter machen sie es nicht“, sagt Beer. „Was für eine Überheblichkeit!“, ruft sie den Delegierten des FDP-Bundesparteitags in ihrer europapolitischen Rede am Sonntag zu. „Das ist schlicht selbstgerechte Arroganz.“

Attacken gegen die Grünen bringen zuverlässig Applaus bei der FDP – und den braucht Beer jetzt. Denn zu Beginn des Parteitags in Berlin haben die Delegierten ihrer Spitzenkandidatin für Europa ein sehr schlechtes Ergebnis bei der Wahl zur stellvertretenden Parteivorsitzenden beschert: nicht einmal 59 Prozent. „Ich bin eine Kämpfernatur“, sagt Beer auf die Frage, wie sie damit umgehe.

Und was ist der Grund für das Desaster? „Das müssen Sie die Delegierten fragen.“ Wer das tut, erfährt, dass es sich um eine Strafaktion handelt, weil Beer vorab hinter den Kulissen die beliebte Marie-Agnes Strack-Zimmermann als Parteivize verdrängt hat. Jetzt erhält die Europaspitzenkandidatin den gewünschten Parteiposten, geht aber lädiert in die Wochen vor der Wahl.

Inhaltlich sucht die FDP die Auseinandersetzung mit den Grünen – die in Umfragen seit Monaten die FDP weit überflügeln – auf deren Kerngebiet: der Klimapolitik. Die FDP bekennt sich ausdrücklich zu den Zielen des Pariser Abkommens, die Erderwärmung auf maximal zwei Grad Celsius zu begrenzen. Dabei müsse aber auf den technischen Fortschritt gesetzt werden. „Allein der Wettbewerb um die kostengünstigsten und umweltfreundlichsten Technologien schafft zukunftsfähige Lösungen“, heißt es im Parteitagsbeschluss.

Hoffnungsträgerin Teuteberg

Für ihre kämpferische Rede erhält Beer am Sonntag schließlich stehenden, aber wenig enthusiastischen Applaus. Nichts im Vergleich zu den Sympathiebekundungen, die der neuen Generalsekretärin Linda Teuteberg entgegengebracht werden. Die Bundestagsabgeordnete aus Brandenburg ist mit 92,8 Prozent gewählt worden, ein Resultat, das sechs Prozentpunkte über dem ordentlichen Ergebnis von Parteichef Christian Lindner liegt.

Ist sie jetzt eine neue Hoffnungsträgerin der FDP? So sehen es die meisten. Wird sie auch ein neuer Machtfaktor im Hans-Dietrich-Genscher-Haus? Das trauen ihr viele zu, die sie gut kennen. Dass sie sich durchsetzen kann, hat Teuteberg bereits vor der Bundestagswahl 2017 bewiesen. Damals gewann sie bei der Listenaufstellung in Brandenburg gegen den Landesvorsitzenden Axel Graf Bülow den Kampf um Platz eins. Im Bundestag hat sie sich als Obfrau ihrer Fraktion im Innenausschuss Ansehen über die Fraktionsgrenzen hinweg erarbeitet.

In ihrer ersten Rede als gewählte Generalsekretärin tastet sich Teuteberg allerdings noch vorsichtig an die neue Aufgabe heran. Sie setzt auf liberale Klassiker: Sie lobt die Kraft des Wettbewerbs, fordert die Abschaffung des Solidaritätszuschlags und tritt für einen freiheitlichen Rechtsstaat mit klaren Regeln ein. Zugleich betont Teuteberg, sie wolle die Vielfalt in der Partei stärken.

Dies – also nicht zuletzt die Frage, wie der Anteil von Frauen in Führungsjobs erhöht werden kann – sorgt für eine emotional geführte Debatte. Der Bundesvorstand hat kurz vor dem Parteitag beschlossen, dass künftig Zielvereinbarungen mit den Landesverbänden geschlossen werden sollen. In ihnen soll es auch darum gehen, wie viele Führungsposten an Frauen gehen sollen. Eine Frauenquote sei dies aber nicht.

Kritiker in der Partei halten das Modell hingegen für den Einstieg in die Quote, die in der FDP auch von vielen Frauen abgelehnt wird. Sie setzen schließlich durch, dass das Thema auf die Tagesordnung des Parteitags kommt. Der Vorstand wollte es dort nicht diskutieren, da es eine bloße Organisationsfrage sei.

„Die größten Verlierer sind wir Frauen, die dann ein Frauen-etikett haben – und das werden wir dann nie mehr los“, kritisiert Anna-Tina Pannes aus dem Landesverband Nordrhein-Westfalen das Modell des Vorstands. „Habt ihr alle Angst um eure Posten?“ schmettert eine andere Delegierte Männern mit ablehnender Haltung entgegen. Generalsekretärin Teuteberg wirbt: „Lasst es uns ausprobieren.“ Dafür, also für die Zielvereinbarungen, gibt es am Ende auch eine Mehrheit.

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